Geballtes Expertenwissen

Darmkrebszentrum am Klinikum Ostallgäu-Kaufbeuren feiert zehnjähriges Bestehen

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Ein begehbares Darmmodell, in dem man sich über Polypen, Tumore und sonstige Darmerkrankungen informieren konnte.

Kaufbeuren – Trotz modernster Vorsorgemaßnahmen, die eine Früherkennung von Dickdarm- und Mastdarmkrebs entscheidend verbessert haben, ist Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland. An die 70.000 Neuerkrankungen werden jährlich registriert. Dank verbesserter Operations- und Behandlungstechniken sowie optimaler Therapiestrategien hat sich die Ausgangslage für betroffene Patienten im Laufe der Zeit entscheidend verbessert.

Anteil haben dabei zertifizierte Darmkrebszentren mit geballtem Expertenwissen und höchster Behandlungsqualität. In Deutschland gibt es (Stand Juni 2018) 281 derartige Zentren, wodurch eine nahezu flächendeckende Versorgung gegeben ist. Mit dem Darmkrebszentrum Kaufbeuren gibt es auch in unserer Region seit nunmehr zehn Jahren eine von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Anlaufstelle, die alle nötigen Fachgebiete und Experten unter einem Dach vereint.

Dies bedeutet hohen Qualitätsstandard bei Darmspiegelungen und einen Nachweis von Mindestanzahl und geringen Komplikationsraten bei notwendigen Operationen. Für Patienten ein Höchstmaß an Sicherheit, kurzen Wegen und einer äußerst individuellen Diagnostik und Behandlung. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens konnte sich die Bevölkerung aus Stadt und Land bei einem „Tag der offenen Tür“ am vergangenen Samstag über die entsprechenden Angebote informieren.

Prof. Dr. Helmut Diepolder, Gastroenterologe und Chefarzt der Inneren Medizin, und Chef-Chirurg Prof. Dr. Stefan Maier hatten mit ihren Teams aus diesem Anlass dazu eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Praxisnah konnte sich ein jeder über das onkologische Spektrum des Klinikums informieren. Führungen, Vorträge und Mitmach-Aktionen sorgten für ein informatives und abwechslungsreiches Programm.

So wurden Führungen durch Endoskopie- und Operationsräume sowie der Palliativstation angeboten. Vorträge über Erstdiagnose und Therapieabschluss, die Bedeutung der Pathologie für die Diagnose von Darmerkrankungen, bis zu Nachsorge und onkologische Therapie reichte das Vortragsangebot.

Ziel dieses Infotages war es auch, ein klein wenig von der Angst zu nehmen, wenn sozusagen aus „heiterem Himmel“ die Diagnose „Darmkrebs“ gestellt wird. „Oft bricht da erstmal eine Welt zusammen“, so Prof. Dr. Diepolder. „Da hilft es dann ungemein, wenn es eine zentrale Stelle gibt, die einen an die Hand nimmt.“

Ein Gütesiegel verpflichtet

Die Kaufbeurer Einrichtung wurde bereits vor zehn Jahren als eine der ersten von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Verständlich, dass hinter einem solchen Gütesiegel eine Menge Arbeit steht. „Neben einer Mindestanzahl an Eingriffen müssen wir alle Prozeduren genau beschreiben und unsere Ergebnisqualität transparent dokumentieren. Dazu kommen noch regelmäßige Patientenbefragungen und eine Menge anderer Qualitätssicherungsmaßnahmen“, erklärte Chirurg Prof. Dr. Stefan Maier.

Oberarzt Tilman Lilja zeigt hier auf diesem Bild die Durchführung einer Darmspiegelung.

Oberarzt Tilman Lilje zeigte im Endoskopieraum in allen Einzelheiten die Durchführung und die sich ergebenden Möglichkeiten einer Darmspiegelung, wobei eine Paprikaschote mit ihren weißen Samenkörnern im Inneren, als angenommene Polypen, herhalten musste. Derartige Vorsorgeuntersuchungen können, so Dr. Lilje, oft lebensrettend sein. Polypen werden dabei sofort abgetragen und im Hause histologisch abgeklärt. Bei all diesen Untersuchungen müssen in zertifizierten Zentren festgelegte Grenzwerte eingehalten werden. So dürfen nur Untersucher selbstständig eine Darmspiegelung durchführen, die jährlich mindestens 200 solcher Untersuchungen absolviert haben. Gewährleistet sei außerdem, dass jeder Untersucher in der Lage dazu ist, einen Polypen nicht nur zu diagnostizieren sondern auch gleich zu entfernen.

Steht bei einer derartigen Untersuchung die Diagnose Darmkrebs fest, wird in der sogenannten Darmsprechstunde die anstehende Operation in allen Details mit dem Patienten besprochen und abgestimmt. Auch bei Krebsoperationen ist ein Nachweis hinsichtlich durchgeführter Operationen und geringen Komplikationsraten vorzulegen. Ein weiterer wichtiger Faktor für ein zertifiziertes Darmzentrum ist auch in Kaufbeuren dadurch gegeben, dass entnommene Gewebeproben während der Operation in der Pathologie untersucht werden und die daraus gewonnenen Erkenntnisse während der laufenden Operation therapeutisch umgesetzt werden können.

Auch bei Chemotherapien und allen Nachfolgebehandlungen ist ein hoher Qualitätsstandard vorgegeben. „Patienten müssen sich in einem zertifizierten Haus, wie in Kaufbeuren, auch in diesen Bereichen uneingeschränkt auf vorhandene Kompetenz verlassen können“, so Prof. Dr. Helmut Diepolder. Sein Resümee zur Veranstaltung: „Kaufbeuren kann Stolz darauf sein, ein solches Zentrum vor Ort zu besitzen, in dem Spezialisten aus allen beteiligten Fachbereichen aufs engste zusammenarbeiten und den Patienten ein derart hoher Standard geboten wird“.

von Klaus-Dieter Körber

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