Gedenken an schweres Zugunglück

Aitrang: Sonderausstellung über das Zugunglück von 1971 geplant

Christoph Heider Martin Antelmann, Hartmut Klust, Bürgermeister Michael Hailand, Helmut Winkler und Stefan Geyrhalter.
+
Am Gedenkstein in Aitrang vereint: Die Beteiligten des Aktionsbündnisses (v. li.) Christoph Heider, Martin Antelmann, Hartmut Klust, Bürgermeister Michael Hailand, Helmut Winkler und Stefan Geyrhalter.

Aitrang – Am 9. Februar 1971 entgleiste der TEE 56 „Bavaria” von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), als er mit überhöhter Geschwindigkeit in die S-Kurve hinter dem Bahnhof Aitrang raste. Kurz darauf fuhr ein Schienenbus vom Typ VT 98 aus der Gegenrichtung in die Unfallstelle. 28 Menschen starben, 42 wurden verletzt. Das Ereignis, das als eines der schlimmsten Zugunglücke der Nachkriegszeit in die Geschichte der Eisenbahn eingegangen war, jährte sich vergangenen Dienstag zum 50. Mal. 

Vor dem Gedenkstein nahe der Ortsausfahrt Friesenrieder Straße traf sich Aitrangs erster Bürgermeister Michael Hailand mit den Vorständen des Vereins „Eisenbahnfreunde Kaufbeuren” sowie dem des Feuerwehrmuseums Kaufbeuren-Ostallgäu zu einer kleinen Gedenkveranstaltung. Hailand, der selbst in einem Bauernhof nahe der Strecke aufgewachsen war, erinnerte in seinem Grußwort an die schlimmen Ereignisse des Winterabends vor 50 Jahren, die damals weltweite Betroffenheit ausgelöst hatten.

Der aus München kommende TEE war mit etwa 125 Stundenkilometern deutlich zu schnell in die S-Kurve beim Ortsausgang gefahren, entgleiste und wurde samt Speisewagen die Böschung des Bahndamms hinunter geschleudert. Die Waggons dahinter kippten, stellten sich quer und blieben teilweise auf dem Gegengleis liegen.

Kurz darauf kollidierte mit diesen Wagen ein aus Richtung Kempten entgegenkommender Schienenbus. Der Fahrdienstleiter von Aitrang hatte die Entgleisung des TEE damals nicht direkt mitbekommen, reagierte aber auf eine unplanmäßige Besetztmeldung beider Gleise mit einer Warnung an den Zugführer des Schienenbusses. Der jedoch hatte nur noch Zeit, seinen Zug auf circa 40 Stundenkilometer abzubremsen. Der Aufprall war so gewaltig, dass danach selbst die Achsen überall verstreut in der Gegend lagen. Zunächst waren es Aitranger Bürger, die mit verzweifelter Anstrengung versuchten, die Überlebenden aus den ineinander verkeilten Wrackteilen zu befreien. Dann rückten Feuerwehr, Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes an. Zur Bergung wurde Schweres Gerät eingesetzt. Die Verwundeten versorgte man notdürftig vor Ort und brachte sie dann in die umliegenden Krankenhäuser. Die meisten Toten konnten erst geborgen werden, als man die Waggons mit einem damals dampfbetriebenen Hebe-Kran hochgestemmt und abgestützt hatte.

Am Dienstag bedauerte Bürgermeister Hailand vor den Versammelten, dass es coronabedingt keinen Gedenkgottesdienst geben könne, dieser werde jedoch im Sommer nachgeholt. Er hoffe, so Hailand weiter, dass da dann auch die Familienangehörigen der aus der Schweiz stammenden Opfer wieder anreisen könnten.

Ein Stück Eisenbahngeschichte

Um die Geschehnisse von damals zu dokumentieren, aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit wie der Nachwelt in professioneller und ansprechender Form zugänglich zu machen, haben die Gemeinde Aitrang, der Verein „Eisenbahnfreunde Kaufbeuren” und das Kaufbeurer Feuerwehrmuseum ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, Anfang April 2021 eine Sonderausstellung zu diesem Thema im Feuerwehrmuseum zu machen.

Zweck der Ausstellung sei laut Stefan Geyrhalter vom Feuerwehrmuseum und Feuerwehrkommandant Helmut Winkler die Erinnerung an das schreckliche Ereignis, das Gedenken an die Opfer, sowie die Anerkennung der Leistung der vielen Helfer, nicht zuletzt aber auch der Rückblick auf ein Stück Eisenbahngeschichte. Die Vorbereitungen zur Sonderausstellung seien bereits sehr weit fortgeschritten. Rund 500 ehrenamtliche Stunden hätten die Akteure dafür bereits aufgebracht. Namentlich unter der Federführung des Feuerwehrmanns Christoph Heider und der engagierten Eisenbahnfreunde Hartmut Klust und Martin Antelmann. Bildtafeln seien bereits gedruckt und verschiedene Objekte in den Vitrinen platziert.

Das besondere Highlight der Ausstellung ist ebenfalls fast fertiggestellt. Es handelt sich um ein plastisches Modell der Unfallstelle des Zugunglücks zum Zeitpunkt der aufwendigen Bergungsarbeiten – originalgetreu rekonstruiert und aufgebaut nach örtlichen Gegebenheiten, Originalfotos, Zeitzeugenaussagen und technischen Daten von damals. Doch das ist noch nicht alles, denn zur Sonderausstellung planen die Akteure ein vielfältiges Rahmenprogramm mit verschiedenen Veranstaltungen und Vorträgen.

Alle Beteiligten sind guter Hoffnung, dass sich die Infektionslage weiterhin verbessert, denn dann kann die Ausstellung plangemäß am 3. April 2021 im Feuerwehrmuseum, Am Bleichanger 50 in Kaufbeuren, eröffnet werden.

Felix Gattinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kaufbeurens Bahnhof wird bis 2026 barrierefrei
Kaufbeurens Bahnhof wird bis 2026 barrierefrei
Prozessauftakt: Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs
Prozessauftakt: Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs
Coronafälle an Don-Bosco-Schule – Aktuell kein Präsenzunterricht
Coronafälle an Don-Bosco-Schule – Aktuell kein Präsenzunterricht
Unerlaubte Abfallsammlungen – Bitte nichts raus stellen!
Unerlaubte Abfallsammlungen – Bitte nichts raus stellen!

Kommentare