Gedenkveranstaltung auf Jüdischem Friedhof Steinholz zur Reichspogromnacht

Die Opfer nicht vergessen

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In Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 versammelten sich viele Menschen auf dem Jüdischen Friedhof Steinholz.

Mauerstetten/Kaufbeuren – Wie jedes Jahr war der Weg vom Sonnenhof in Mauerstetten zur Gedenkstätte im Wald bei Steinholz mit Fackeln erleuchtet, die den 60 Teilnehmern an diesem dunklen Novemberabend sicheres Geleit gaben. Dieser Ort, der jedes Jahr von interessierten Bürgern aufgesucht wird, ist eine letzte Ruhestätte.

Im Herbst 1944 wurden 922 jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz in das Lager „Steinhölzle“ verlegt. Das KZ-Außenlager war mit dem Ziel der „Vernichtung durch Arbeit“ errichtet worden. Anfangs gab es nicht einmal Wasser für die Häftlinge. Ungenügende Ernährung, die schlechten hygienischen Verhältnisse, Überbelegung sowie die harte Arbeit und die Kälte der Herbst- und Wintermonate prägten die Zustände im Lager. Krankheiten brachen aus, an denen in fünf Monaten 472 Personen starben. In einem Massengrab südlich des Lagers wurden die Toten beerdigt.

An diesem – Kaufbeuren so nahen – denkwürdigen Ort begrüßte der DGB-Ortskartell-Vorsitzende Paul Meichelböck die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht und betonte, dass diese nichts an Aktualität verloren habe. Dem schloss sich auch Oberbürgermeister Stefan Bosse in seiner Rede an.

Die Gedenkrede hielt in diesem Jahr Dr. Michael von Cranach. Er beschrieb noch einmal die Geschehnisse vor 79 Jahren: In dieser Nacht am 9. November 1938 wurden 1400 Synagogen und Versammlungsräume sowie unzählige Geschäfte zerstört und Hunderte ermordet. Ab diesem Datum begann die systematische Verfolgung und Ermordung der Juden, die drei Jahre später in den Holocaust mündete.

Die Lebensgeschichte der Opfer solle im kollektiven Gedächtnis bewahrt bleiben und so Werte wie Würde, Freiheit und Gleichheit jedes Menschen in unserer heutigen Gesellschaft verankert bleiben, so Cranach.

Schülerinnen und Schüler des Jakob-Brucker-Gymnasiums Kaufbeuren lasen Texte von damals Deportierten vor und drückten in einer selbst geschriebenen Szene Ängste von jetzt in Deutschland lebenden Minderheiten aus.

Auch die anschließende Diskussion im Sonnenhof befasste sich mit der Veränderung in unserer Gesellschaft, Umgang mit Flüchtlingen, Abschiebepraktiken und der Belastung von Sozialarbeitern und ehrenamtlichen Helfern.

von Jürgen Wischhöfer

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