Verschiedene Behörden und Verbände machen Bedenken gegen Ausbaupläne geltend

Gegenwind für Windkraftanlagen

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Zahlreiche Einwände verschiedener Gruppierungen drohen Ausbaupläne für Windkraftanlagen zu Fall zu bringen.

Allgäu – Windkraftanlagen brauchen vor allem drei Dinge: reichlich Wind, den geeigneten Standort und die Akzeptanz seines Umfelds. Dem ambitionierten Ziel, den Ausbau der Windenergie im Allgäu voranzutreiben, steht aber gerade die Akzeptanz aktuell massiv im Wege.

Verschiedene Gruppierungen, Behörden und Verbände hatten sich im Rahmen einer informellen Anhörung gegen diverse Windkraft-Standorte im Allgäu ausgesprochen. Die Begründungen reichen von Artenschutz, über Flugsicherung bis hin zum Landschaftsschutz. Als Ergebnis gibt es nun wohl kaum noch Gebiete, auf denen überhaupt Windkrafträder errichtet werden können. 

Wie berichtet, schreibt derzeit der Regionale Planungsverband Allgäu sein Teilkapitel „Nutzung der Windenergie“ des Regionalplans fort. In einem informellen Verfahren wurden jetzt rund 200 Stellen beteiligt, die als Träger öffentlicher Belange, Fachplanungsträger oder Interes- senvertreter zu diesem Thema zu hören waren. Zudem wurden rund 300 Zuschriften von Vereinen, Verbänden und Privatpersonen, die nicht direkt beteiligt wurden, ausgewertet. Außerdem wurden die vier im Herbst 2012 durchgeführten Bürgerinformationsveranstaltungen berücksichtigt. „Dies alles ergab eine hochkomplexe Datensammlung“, so Irene Marquart, Geschäftsführerin des Regionalen Planungsverband Allgäu in einer Presseerklärung. Diese Daten wurden inzwischen soweit aufbereitet, dass nunmehr klar sei, dass die Landschaftsräume im Allgäu in weiten Teilen durch unterschiedlichste Nutzungen sehr stark beansprucht seien, resümiert Marquart. Die im Rahmen der Fortschreibung erhobenen Daten zeigen demnach unter anderem „eine teilweise sehr dichte Besiedelung, wo durch notwendige Schutzabstände zu den Siedlungen bereits die Räume sehr verengt werden. Auch durch Gewerbegebiete, Verkehrswege, militärische und luftverkehrliche Interessensgebiete sowie die teilweise dichten Vorkommen an artengeschützten Vögeln fallen mögliche Räume, die sich für die Windkraftnutzung eventuell eignen würden, weg. Zudem werde das Allgäu geprägt durch die Alpen, die einen einmaligen Landschaftsraum darstellen. 

„Im Voralpenraum gibt es wertvolle Moorkomplexe, die durch die All- gäuer Moorallianz als bundesweit beachtetes Naturschutzgroßprojekt entwickelt und geschützt werden“, so Marquart. Der Verbandsvorsitzende, Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, bedauert, dass das Verfahren durch die komplexe Situation nun doch länger dauert, als ursprünglich geplant war. „Die Arbeitsgrup- pe des Planungsausschusses hat bereits ein Konzept entwickelt, das die fachlichen Aspekte, die bis Mitte Mai bekannt waren, berücksichtigt hat. Ziel war es, im Juni mit diesem Konzept ein formelles Anhörungsverfahren zu beginnen“, so Bosse. Nun werfen verschiedene, erst jetzt eingegangene Stellungnahmen wie zum Beispiel zum Fernmeldeturm Wiggensbach 2 (Blender), zur Allgäuer Moorallianz, zu einer seismologischen Messeinrichtung in Überruh bei Bolsternang sowie nicht zuletzt des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung zu einem 15 Kilometer-Radius als Anlagenschutzbereich der Navigationsanlage Kempten DVORDME neuen Klärungsbedarf auf, so Bosse. 

Der Verbandsvorsitzende kündigt jetzt an, das er persönlich mit einer Delegation aus dem Allgäu zum Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung nach Langen bei Frankfurt a.M. fahren will, um auszuloten, welche Möglichkeiten für die Windkraftnutzung innerhalb des Anlagenschutzbereichs geschaffen werden können. „Aus all diesen Gründen kann der Beginn des formellen Anhörungsverfahrens erst nach den Sommerferien erfolgen“, so Bosse. Eine Sitzung des Planungsverbandes, in der das Thema Windkraft demnächste behandelt werden sollte, wurde somit um rund drei Monate nach hinten geschoben. Verbandsvorsitzender Stefan Bosse ist überzeugt, dass die derzeit noch offenen Fragen sorgfältig geprüft und möglichst im Vorfeld der formellen Anhörung geklärt werden müssen. Nur so kann ein ausgewogener und realistisch zu verwirklichender Fortschreibungsentwurf an die Öf- fentlichkeit gegeben werden. 

Klar scheint aber auch, dass die ursprünglich im Zuge der Energiewende für das Allgäu als Ziel ausgegebenen 50 neuen Windkraftanlagen letztlich auf zehn bis 15 Anlagen schrumpfen werden – wenn überhaupt.  von KAI LORENZ


Info: Windkraftnutzung in der Region Allgäu

• Am 14. März 2011 verkündete die deutsche Bundesregierung ein dreimonatiges Atom-Moratorium und kurz darauf die Absicht, die erst ein halbes Jahr zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke in Teilen rückgängig zu machen und einige der 17 Kernreaktoren endgültig abzuschalten. Auslöser dieser Energiewende war die Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan.

• Am 28. Mai 2011 fand ein Koalitionsgipfel zur Energiewende statt; am 6. Juni 2011 beschloss die Bundesregierung das Aus für acht Kernkraftwerke und den stufenweisen Atomausstieg bis 2022. 

• Die Bayerische Staatsregierung hat am 24. Mai 2011 ein Energiekonzept „Energie innovativ“ beschlossen, mit dem der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt werden soll. Unter dem Eindruck dieser Vorgänge wurde in der Planungsausschusssitzung des Regionalen Planungsverbandes Allgäu am 10. Juni 2011 eine Fortschreibung des Teilkapitels B IV 3.2 – Nutzung der Windenergie – beschlossen. 

• Die Fortschreibung soll dazu dienen, das Regionsgebiet nochmals eingehend zu überprü̈fen und auf Grundlage der heute gültigen Kriterien zu bewerten, ob und wo in der Region Allgäu noch Möglich- keiten bestehen, raumbedeutsame Windenergieanlagen unterzubringen. 

• Ziel ist es dabei, die Umsetzung der Energiewende und im Besonderen der Windenergienutzung maßgeblich selbst und möglichst regionsgerecht zu gestalten, so dass auf längere Sicht ein möglichst ausgewogenes und rechtssicheres Konzept im Regionalplan verankert werden kann.

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