Es geht um zeitlichen Vergleich des Marktoberdorfer Rathauschefs zu Bauvorhaben

Hells Kommentar wurmt Freie Wähler

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Beispiel für ein Projekt, das noch unter Bürgermeister Himmers Zeiten eingefädelt wurde: das 2013 und 2014 errichtete Dorfgemeinschaftshaus in Hattenhofen.

Marktoberdorf – Das wurmt die Freien Wähler von Marktoberdorf, und die sehen sich dazu veranlasst, dem Rathauschef zu widersprechen: Es geht um einen Kommentar von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, der vor den Stadträten den Satz aussprach, dass seit 2014 (seitdem ist er im Amt) schon mehr gebaut worden sei als in den zwölf Jahren davor.

Dieser Satz kam dem Rathaus­chef über die Lippen, nachdem Bauamtsleiter Ralf Baur ausführlich zum aktuellen Stand mehrerer Projekte berichtete – vom Fortschritt beim Familienzentrum über das weitere Prozedere zum neuen Kindergarten an der Saliterstraße bis zur Vorbereitung des Architektenwettbewerbs für die Grundschule St. Martin. Daran schloss sich eine längere Diskussion an.

In der Aussprache wünschte sich Franz Barnsteiner (Freien Wähle) eine „grobe Kostenschätzung“ zur Schule; vor acht Jahren sei von 15 Millionen Euro die Rede gewesen. Außerdem fragte er, wo denn wie lange Container hinkämen, wenn die Grundschule errichtet würde. Danach meldete sich Grünen-Stadtrat Christian Vávra zu Wort. Sein Anliegen: Zum Schulbau sollte demnächst das „Übergangsszenario“ im Stadtrat behandelt werden.

Mehr Projekte als in „zwölf Jahren davor“

Das war dann der Anlass dafür, dass sich Bürgermeister Dr. Hell wieder zum Mikrofon vorbeugte und bei Nennung einiger Projekte den Satz von sich gab, dass seit 2014 mehr gebaut worden sei als in den zwölf Jahren davor. Zudem warb er um Verständnis dafür, dass auch die Mitarbeiter in der Verwaltung alles „Schritt für Schritt“ abarbeiten.

Die Reaktion der Freien Wähler folgte keinesfalls auf dem Fuße. Sondern erst einige Tage danach auf der Jahresversammlung (der Kreisbote berichtete davon). Da war es die ehemalige Stadträtin Doris Rössle, die das Thema zur Sprache brachte. Die Aussage des jetzigen Bürgermeisters, wie sie in einem Zeitungsbericht dargestellt sei, könne man so nicht auf sich beruhen lassen, sagte sie neulich auf Anfrage des Kreisbote. Einige Grundstücksgeschäfte, beispielsweise auch für die südliche Saliterstraße, seien schon vor Mai 2014 eingefädelt worden – noch unter dem früheren Bürgermeister Werner Himmer (FW).

Das durchaus umstrittene Projekt des Dorfgemeinschaftshauses in Hattenhofen, 2013 begonnen und 2014 vollendet, sei vor dreieinhalb Jahren nahezu vollendet gewesen. Auch für das Mehrzweckhaus in Sulzschneid seien schon wesentliche Vorarbeiten gelaufen. Da sei „viel Arbeit und Gehirnschmalz“ schon vor Mai 2014 investiert worden, kommentiert Doris Rössle, die Dr. Hell gleichwohl attestiert, „sich gut zu verkaufen“.

Ihr sei die Äußerung Hells zu den Bauvorhaben vor und nach 2014 schon in der Stadtratssitzung „komisch“ vorgekommen, gesteht FW-Rätin Dr. Andrea Weinhart auf Nachfrage des Kreisbote. Doch der Bürgermeister habe dies damals „im Brustton der Überzeugung“ erklärt. Auf die Frage unserer Redaktion, weshalb Räte der Freien Wähler nicht in der gleichen Sitzung reagiert hätten, antwortete Dr. Weinhart: „Wir waren so perplex.“ Dr. Hell sei gewiss ein fleißiger Bürgermeister. Aber er solle sich Projekte, die vor 2014 begonnen und zum Teil vollendet wurden, nicht auf die eigenen Fahnen schreiben, ergänzt die Stadträtin.

Die Leistung der Mitarbeiter

Und was sagt der Bürgermeister selbst dazu? Der Kreisbote hat auch bei ihm nachgehakt. „Meine Intention war, die Leistung unserer städtischen Mitarbeiter darzustellen“, erklärt Dr. Hell und schiebt gleich den Satz hinterher: „Es ging da keineswegs um einen Vergleich zwischen Bürgermeistern, denn das wäre vermessen.“

Der Rathauschef fährt fort: „Wir sollten uns im Klaren sein, dass wir jedes termingerecht und im Kostenplan fertig gestellte Bauvorhaben letztendlich dem Engagement und der Fachkompetenz unserer Mitarbeiter verdanken“. Ihnen werde viel abverlangt. Sie hätten das Fachwissen und seien in der Lage, bei komplexen Projekten, wie der Martinsschule, das Pferd richtig aufzuzäumen und die einzelnen Schritte in der richtigen Reihenfolge abzuarbeiten. Dr. Hell: „Da ärgere ich mich, wenn Teile des Stadtrates trotz der in dieser Sitzung berichteten Fortschritte die Arbeitsabläufe infrage stellen“.

Sollte seine spontane Äußerung missverständlich gewesen sein, bitte er dafür um Verzeihung, erklärt der Bürgermeister. Dies habe ich er auch seinem Amtsvorgänger, Werner Himmer, mitgeteilt. Es sei keinesfalls die Absicht gewesen, die Leistungen der Akteure der vorherigen Amtsperiode in Frage zu stellen. Einen Gedanken schiebt Dr. Hell freilich hinterher: Ihn verwundere, dass er die Kritik der FW erst aus der Zeitung erfahren habe. „Dies hätte auch während derselben Sitzung geklärt werden können.“

jj

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