Ein gelbes Prachtstück

Es sei ein bisschen wie im wirklichen Leben, „man muss immer wieder von vorne anfangen“, sagte Oberstudienrat Meinrad Stöhr, Leiter der Berufsschule Kaufbeuren. Dass dies wirklich so ist, lernten rund 60 Schüler aus den drei JoAs (Jugendliche ohne Ausbildungsplatz)-Klassen: Denn kaum hatten sie die Wände der Unter- führung am Kaufbeurer Bahnhof verschönert, waren diese teils wieder beschmiert.

Doch die Jugendlichen lassen sich nicht entmutigen und werden auch in Zukunft immer wieder zum Pinsel greifen. Immerhin haben sie 2008 eine Patenschaft für diese Bahnunterführung von Oberbürgermeister (OB) Stefan Bosse übernommen und präsentierten ihm und der Schulleitung kürzlich bei einer kleinen Feierlichkeit ihr Werk. „Das Projekt ist noch nicht ganz fertig und wird es nie ganz sein“, ist sich auch Stöhr bewusst. Doch das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Nach vielen Arbeitsstunden und zirka 100 Liter verbrauchter Farbe ist die Unterführung „momentan ein echtes Schmuckstück“, findet auch OB Bosse. Die Farbe stellte die Stadt Kaufbeuren zur Verfügung. Bosse kann sich noch daran erinnern, dass die Unterführung vor vielen Jahren von den Marienschulen „wunderschön gestaltet“ wurde. Doch danach litt der Durchgang unter Graffiti-Schmierereien und „dann fühlen sich die Leute noch ein bisschen unwohler“, wenn sie dort unten durchlaufen müssen. Betreut wurde das Projekt von der Jugendsozialarbeiterin für JoAs an der Berufsschule, Irene-Katrin Müller, Diplom Sozialpädagogin, und dem Fachlehrer Bernhard Finkenzeller. „Patenonkel“ des Projekts, wie sie Stöhr nannte, sind Alfred Riermaier von der Koordinierungsstelle Kaufbeuren-aktiv und Hans Etzler, stellvertretender Schulleiter der Berufsschule. 2008 wurde die Wand des Unterführungsteils, der der Stadt gehört, „komplett gelb grundiert“, was sich jedoch als schwieriger als erwartet herausstellte, sagt Müller. Denn die Graffitis ließen sich nur schwer übermalen. Bevor aber die Konterfeis verschiedener Kaufbeurer Persönlichkeiten, wie die Heilige Crescentia, Ludwig Ganghofer oder auch Hans Magnus Enzensberger, angebracht werden konnten, mussten die Temperaturen ansteigen. „Denn unter fünf Grad kann man nicht arbeiten, dann trocknet die Farbe nicht“, weiß Finkenzeller. Die Jugendlichen haben zusätzlich noch „kurze Lebensläufe ausgearbeitet“, die neben den Persönlichkeiten angebracht wurden, berichtet Müller.

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