Zank um Jubiläumsfeuerwerk

Feuerwerk: Gemeinde Germaringen verweigert die Genehmigung – Polizei rückt an

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Feuerwerkimpression vom Pfingstsonntag.

Neugablonz/Germaringen – Am Abend des Pfingstsonntag, 31. Mai, wurde auf der Wiese am Riederloh 12 ein Mini-Feuerwerk (sechs Minuten) abgebrannt, obwohl die Gemeinde Germaringen „für ein Feuerwerk auf gemeindlichem Grund grundsätzlich keine Erlaubnis erteilt“.

Dennoch hat der Pyrotechniker Armin Mattes sein zuvor durch Inserate in den Medien und durch persönliche Anrufe angekündigtes Jubiläumsfeuerwerk gezündet. Laut Polizeibericht muss Mattes nun mit einer Anzeige rechnen und soll für den Feuerwehr­einsatz zur Kasse gebeten werden. Zudem wird „die zuständige Behörde von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, um zu prüfen, ob der Mann aufgrund des Vorfalls noch den Anforderungen für eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis genügt“, wie es des Weiteren im Bericht der Polizei heißt.

Mattes verfügt nach den erforderlichen Lehrgängen und Prüfungen über den amtlichen Befähigungsschein als Pyrotechniker. Er beruft sich auf die „Vorschriften für Pyrotechniker zur Genehmigung für das Abbrennen eines Feuerwerks“ (www.freistaat.bayern/dokumente/leistung/03443137282). Diesen Vorschriften entsprechend hatte er, laut eigenem Bekunden, am 11. Mai dem Gewerbeaufsichtsamt für Pyrotechnik bei der Regierung Schwaben in Augsburg sein für den 31. Mai geplantes Feuerwerk angezeigt. Diese Anzeigen werden von der Pyrotechnik-Gewerbeaufsicht geprüft und, wenn keine Einwände bestehen, an die entsprechenden Gemeinden weitergeleitet. Weitere Anträge und Genehmigungen seien für geprüfte Pyrotechniker mit einer amtlichen sprengstofftechnischen Erlaubnis nicht notwendig.

Am Freitag, 29. Mai, ging bei der Gemeinde Germaringen die Anzeige vom 11. Mai für das auf der Wiese „Am Riederloh 22“ geplante Feuerwerk ein. Noch am gleichen Tag erhielt Mattes den Bescheid, dass die Gemeinde dieses Feuerwerk auf ihrem Grund nicht genehmigt. Die zweite Anzeige bei der Gewerbeaufsicht, die Mattes, wie er sagte, am 12. Mai nachgeschoben hatte, nannte als geänderten Veranstaltungsort die Grundbuchnummer für „Am Riederloh 12“, ein Privatgrundstück. Diese Anzeige hat jedoch die Gemeinde nach eigener Aussage offenbar nicht rechtzeitig erreicht.

„30 Jahre in Neugablonz“

Der gebürtige Schweizer Mattes, der seit rund 30 Jahren in Neugablonz ansässig ist, arbeitet im bürgerlichen Leben als Dentaltechniker. In der Freizeit ist er leidenschaftlicher Pyrotechniker. Nachdem er jahrelang zum eigenen Vergnügen Silvesterfeuerwerke komponiert hatte, machte er 2017 mit seiner Frau Maria die Firma „AMD-Feuerwerke Neugablonz“ zum zweiten beruflichen Standbein. Um „30 Jahre in Neugablonz“ zu feiern, hatte er „Neugablonzer Firmen, Vereine und Bürger“ zu einem kleinen Brillantfeuerwerk eingeladen.

Etwa eine Stunde vor Beginn des Spektakels tauchte die Polizei auf und wollte das vorbereitete und verkabelte Paket mit Feuerwerkskörpern der Kategorien F3 und F4 beschlagnahmen, „weil das Feuerwerk durch die Gemeinde Germaringen aufgrund der Coronakrise und der erhöhten Waldbrandgefahr nicht genehmigt worden war“, wie es im Polizeibericht heißt. Da die Beamten jedoch keine geprüften Pyrotechniker sind, durfte Mattes ihnen das Paket nicht überlassen, ohne gegen das Sprengstoffgesetz zu verstoßen, erklärte der Feuerwerker. Die Beamten zogen zunächst unverrichteter Dinge wieder ab. Schließlich fand das Feuerwerk vor rund 30 Zuschauern statt. Den Abschluss bildete das Blaulicht des zurückkehrenden Polizeifahrzeugs. Da das Feuerwerk bereits vorüber war, als die Polizei die Veranstaltung „auflöste“ und per Lautsprecher zum Gehen aufforderte, waren die Leute ohnehin schon größtenteils auf dem Heimweg.

Kein entsprechendes Hygiene- und Schutzkonzept

Die Gemeindeverwaltung begründet ihr Verbot des Feuerwerks mit einer übergeordneten allgemeinen Regelung für Veranstaltungen, die sinngemäß Folgendes besagt: Wenn berechtigte, die allgemeine Sicherheit betreffende Gegengründe vorliegen, kann eine Gemeinde trotz pyrotechnischer Erlaubnis eine Veranstaltung untersagen. Hier wurde zum einen die Corona-Problematik genannt: Es lag kein entsprechendes Hygiene- und Schutzkonzept vor, man hatte jedoch aufgrund der Werbung für das Feuerwerk mit einer größeren Zahl von Besuchern rechnen müssen, so die Gemeinde. 

Zudem herrschte nach Vorhersage des Waldbrandinformationsdienstes im Bereich Germaringen / Neugablonz für den 31. Mai eine mittlere Waldbrandgefahr der Stufe 3. Daher fand nach dem Feuerwerk vorsichtshalber eine Kontrolle der Wiesenfläche und des angrenzenden Waldstückes durch die freiwillige Feuerwehr statt, auch mit einer Wärmebildkamera. Es waren zum Glück keine Brand- oder Glutnester zu finden.

Eine endgültige Klärung der Rechtslage steht derzeit noch aus.

Ingrid Zasche

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