Windkraft

"Man braucht ein dickes Fell"

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Die Gemeinderäte aus Kaufering, Weil und Scheuring informierten sich in Lamerdingen (Foto) und Fuchstal über die Windenergieprojekte der Nachbargemeinden.

Lamerdingen – „Die Windräder gehören heute zum Dorf wie die Kirche“. Diese Botschaft gab Lamerdingens Rathauschef Konrad Schulze den Bürgermeistern und Gemeinderäten aus Kaufering und Weil (Landkreis Landsberg) mit auf den Weg. Die waren zu einer „Busrundfahrt“ nach Lamerdingen und ins Fuchstal aufgebrochen, um Informationen zu sammeln. Die beiden Gemeinden haben Überlegungen, im Westerholz nahe Kaufering gemeinsam eigene Anlagen zu installieren und so für ihre Gemeinden die Energiewende einzuleiten.

Man traf sich direkt an einem der beiden Lamerdinger Windräder. Robert Sing, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros, und sein Mitarbeiter Thomas Tronsberg machten die Gemeinderäte und Rathauschefs mit allen Aspekten der Windkraft vertraut. So werden die beiden Lamerdinger Anlagen, ähnlich wie auch in Fuchstal, von einer Bürgergesellschaft betrieben. Es gibt 95 Kommanditisten, die mit einer Mindestsumme von 5000 Euro eingestiegen sind, sagte Thomas Tronsberg unserer Zeitung. Drei Tranchen seien aufgelegt worden. Vorrang hätten die Anwohner im unmittelbaren Umkreis gehabt.

Für Lamerdingens Bürgermeister ist die Windkraft ein Erfolgsmodell. Die Gemeinde selbst hatte sich mit 10.000 Euro an der Bürgergesellschaft beteiligt. Nach anfänglichem Widerstand von einigen Bürgern ist es ruhig geworden um die beiden Windräder. Sicherlich haben die wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen dazu beigetragen, Kritiker zu widerlegen.

Anders als im Westerholz liegen die beiden Lamerdinger Windräder nicht in einem Waldgebiet sondern auf dem flachen Land. Trotzdem können viele Daten aus der Windhöfigkeit übernommen werden, denn der angedachte Standort im Waldgebiet Westerholz liegt nur wenige Kilometer entfernt.

In Fuchstal sieht das anders aus. Dort wurden die vier Windkraftanlagen mitten im Wald im Sachsenrieder Forst aufgestellt. Viele Gemeinderäte zeigten sich erstaunt, wie wenig Platz ein Windrad benötigt. Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg erzählte seinen Besuchern, allein der letzte Sturm habe das zehnfache an Bäumen „umgehauen“, die man für die Errichtung der Windräder gebraucht hätte.

Fuchstals umtriebiger Bürgermeister machte den Bürgermeistern und Gemeinderäten Mut, sich für die Energiewende einzusetzen. Natürlich müsse man als Gemeinderat „einiges aushalten und ein dickes Fell haben“, betonte Karg. Er pflückte die Argumente der Windkraftgegner schonungslos auseinander. Stimmung sei beispielsweise mit Fotos gemacht worden, wo das Fundament einer Anlage „ausgesehen habe wie die Münchner Allianz-Arena“.

„Schauen sie selbst“, sagte Karg mit Blick auf die unberührte Schneefläche. „Seit 14 Tagen hat es nicht mehr geschneit. Hier müssten massenweise tote Vögel herumliegen, würde man den Argumenten der Windkraftgegner glauben“.

Trotz der Stimmungsmache gegen das Windkraftprojekt hätte sich in einem Bürgerentscheid eine Mehrheit von 52,7 Prozent der Fuchstaler Bürger für die Windkraftanlagen ausgesprochen. Karg erinnerte daran, dass damals eine sehr aufgeheizte Stimmung geherrscht habe, weil ursprünglich ein viel größerer Windpark zusammen mit Denklingen geplant gewesen sei. „Ich bin trotzdem als Bürgermeister wiedergewählt worden.“ Karg verschwieg auch nicht, dass man sich noch mit der Nachbargemeinde Kaltental im Clinch befinde. „Wir sind nicht mehr Freunde“, sagte der Rathauschef. In seinem Dorf dagegen sei es ruhig. „Wir haben überhaupt keine Probleme mehr“.

Nur zu gerne erinnert sich Karg an die behördlichen Verfahren und an die teils skurrilen Einsprüche. So habe eine Feuerwehr aus dem Nachbarort gegen die Windräder mit dem Argument opponiert, „man könne nicht zum Löschen kommen, da man keine so langen Leitern habe“.

Karg, bekannt als überzeugter Verfechter der Energiewende, sagte, die Gesamtinvestitionen hätten sich auf 21,3 Millionen Euro belaufen. Davon seien 6,5 Millionen Eigenkapital beziehungsweise Kommanditkapital. 14,8 Millionen Euro seien als Fremdkapital aufgenommen worden. Wie in Lamerdingen habe die Mindesteinlage 5000 Euro betragen. Ortsansässige Bürger hätten Vorrang gehabt.

von Siegfried Spörer

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