Gemeinsame Zukunft gestalten

General und Minister a. D. Jörg Schönbohm schildert die schwierige Phase der Fusion der Streitkräfte. Foto: TSLw 1/Fein

„Wir wollen die gemeinsame Zukunft gestalten, Vergangenheit muss jeder für sich bewerten.“ Das war eine der Maximen des ehemaligen Generals der Bundeswehr und späteren Innenministers von Brandenburg, die er als Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost für die Zusammenführung von Bundeswehr (Bw) und Nationaler Volksarmee (NVA) an alle Beteiligten ausgegeben hatte. Bei dem von Oberst Richard Drexl als Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe 1 mittlerweile etablierten „Kaufbeurer Dialog“ schilderte General und Minister a. D. Jörg Schönbohm die schwierige Phase der Fusion der Streitkräfte.

Der von Franz Josef Jung als „Architekt und Baumeister der Armee der Einheit“ gewürdigte und ausgezeichnete Ex-General spannte in seinem Vortrag einen Bogen von seiner eigenen Kindheit während des Zweiten Weltkrieges– geboren 1937 in Brandenburg – über Flucht, Nachkriegszeit und Wiedervereinigung mit Zusammenführung von Bw und aufgelöster NVA bis zum Abzug der sowjetischen Truppen aus dem wieder vereinten Deutschland. Er schilderte die durchaus unterschiedlichen Auffassungen im Rahmen des Vereinigungsprozesses. Ursprünglich war der Zustand der Stabilität getrennt betrachtet worden. Dies hätte bedeutet, dass lediglich der westliche Teil bei der NATO verblieben wäre und die NVA im Osten weiter hätte bestehen können. Dabei wurden leider große Hoffnungen bei den Angehörigen der NVA geweckt, die nicht haltbar waren. Aber im Frühjahr 1990 war klar geworden: Es geht um die Stabilität Europas! Schönbohm: „Durch die Deutsche Einheit ergab sich die Situation, dass das Deutsche Volk wieder in einem Staat vereint und als Nation im ungeteilten Europa angekommen ist!“ Dem ehemaligen General war bei seiner Antrittsrede am 4. Oktober 1990 als Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost eines wichtig: „Wir kommen als Deutsche zu Deutschen und nicht als Sieger zu Besiegten.“ Schönbohm betonte, dass nur mit Hilfe der NVA die schwierige Aufgabe zu einer „Armee der Einheit“ nach dem Motto „Ein Volk, ein Staat, eine Armee“ bewältigt wurde. Jeder Angehörige der Einheitsarmee habe auf seine Weise beigetragen und damit die zentrale Rolle der Bundeswehr im Einheitsprozess gestaltet. Mit der Einberufung von Wehrpflichtigen ab 1991 aus dem Westen nach Osten und umgekehrt sei ein wichtiger Schritt getan worden. Trotz der Proteste einiger Eltern! Defizite bei Neugestaltung Eine gemeinsame politische Armee auf europäischer Ebene hält Schönbohm mittelfristig für unwahrscheinlich. Bereits vor über zehn Jahren habe eine angestrebte nationale Rollenspezialisierung nicht funktioniert. Was ihm im Hinblick auf eine zukünftig reduzierte Bundeswehr fehle, sei die Diskussion, welche Aufgabe die Bundeswehr zur Wahrnehmung unserer sicherheitspolitischen Interessen habe. „Haben wir eine Aufgabe als bewaffnete Feuerwehr oder als bewaffnetes THW, muss sie kämpfen können, um auch zu kämpfen, denn solche Situationen sind ja nun eingetreten.“ Darüber sollte man eine sicherheitspolitische Diskussion führen. Auf seine passive Rolle in der aktuellen Politik angesprochen, meinte Schönbohm: „Wenn man die Wirklichkeit verweigert wie sie ist, dann ärgert mich das immer noch. Aber ich überlege mir, ob ich mich hier und da nochmal dazu äußere, aber das ist mehr als Bürger aus meiner Berufserfahrung heraus und aus meiner Passion für unser Land; denn wir kommen nur weiter, wenn wir die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen und nicht ein ‚Wünsch Dir was‘.“ wb

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