Landratsamt widerspricht Kritikern

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Um den Bau von Windkrafträdern bei Apfeltrang ist ein Streit entbrannt.

Allgäu/Kaufbeuren – Das Landratsamt Ostallgäu (LRA) sieht die Vorwürfe der Vogelschützer Leo Hiemer und Dr. Christoph Greifenhagen und des Skiclubs Kaufbeuren bezüglich der zwei genehmigten Windkraftanlagen (WKA) bei Ruderatshofen als nicht gerechtfertigt an.

Grund für die Genehmigung sei gewesen, dass keine artenschutzrechtlichen Argumente mehr dagegen standen und die Gefährdung durch Eisschlag nach dem Stand der Technik ausgeschlossen wurde. Die Windkraft-Investoren hätten wie jeder andere Bürger und Unternehmer einen Anspruch auf eine rechtmäßige Entscheidung. Vogelschützer widersprechen indes Baujuristin Gudrun Hummel. Diese hatte behauptet, keine konkreten Anhaltspunkte zu Störaktionen bei den Schwarzstörchen zu haben.

Das LRA schreibt in seiner Stellungnahme, dass die Genehmigung nicht auf Druck der Investoren erteilt worden sei, wie die Vogelschützer Leo Hiemer und Dr. Christoph Greifenhagen mutmaßten. „Richtig ist, dass die Umweltauswirkungen der Windräder durch Nebenbestimmungen und Auflagen auf ein rechtlich ausreichendes Maß minimiert wurden. Daraufhin mussten wir genehmigen“, sagt Gudrun Hummel, zuständige Baujuristin und Abteilungsleiterin am Landratsamt Ostallgäu. Zudem sei von Hiemer und Greifenhagen behauptet worden, dass die Schwarzstörche im Umfeld der Windradstandorte gestört wurden, um die Genehmigung zu forcieren. „Zu Störaktionen gegen die Schwarzstörche im vergangenen Jahr konnten uns die Vogelschützer weder Personen noch sonstige konkrete Anhaltspunkte liefern“, fügt Hummel hinzu.

Wurde das Landratsamt doch informiert?

Letzteres lassen die Vogelschützer so nicht gelten. „Das Landratsamt war von engagierten Vogelschützern informiert worden“, sagte Dr. Christoph Greifenhagen dem Kreisbote. Amtsseitig sei sogar eine Videokamera aufgestellt worden, die „permanent aufgezeichnet“ habe, so der Vogelschützer. Dort seien die Pferdespuren und Personen erkannt worden, die sich mehrfach unter dem zweiten Storchennest aufgehalten hätten, was von anderen Personen beobachtet worden sei. Dies sei auch der auslösende Faktor für seine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Kempten gewesen, resümiert Greifenhagen gegenüber unserer Zeitung.

Eine Gefährdung durch Eisschlag an WKA könne es gemäß Bayerischer Bauordnung laut LRA nicht kommen. Dies sei dem Skiclub Kaufbeuren in einem Schreiben mitgeteilt worden, der die Loipen im Bereich der Anlagen aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreiben will. Ein Eiserkennungssystem sei gemäß eines Gutachtens des TÜV Nord zuverlässig eingestellt und nehme die WKA entsprechend außer Betrieb. Eine Versicherungspflicht des Skiclubs bestehe nicht. Diese Rechtsauffassung bestätige ein Urteil des Verwaltungsgerichts Ansbach. Das Urteil ordne das Restrisiko dem allgemeinen Lebensrisiko zu.

Ruderatshofen klagt

In diesem Zusammenhang wurde am Donnerstag bekannt, dass die Gemeinde Ruderatshofen gegen die beiden Genehmigungen des Landratsamtes Klage beim Verwaltungsgericht Augsburg eingereicht hat. Das bestätigte auf Anfrage Ruderatshofens Bürgermeister Johann Stich.

von Wolfgang Becker

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