"Gepardenmann" Matto Barfuss im Kreisbote-Interview

Leben wie Geparden

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Matto Barfuss‘ Film „Maleika“ läuft ab dem 12. Oktober im Kino.

Regisseur Matto Barfuss, der zwischen 1996 bis 2002 über 25 Wochen lang in Tansania mit einer wilden Gepardenfamilie zusammenlebte, ist der breiten Öffentlichkeit als der „Gepardenmann“ bekannt.

2013 traf Barfuss auf die Gepardin Maleika, die im darauf folgenden Jahr sechs Jungen zur Welt brachte und der er seitdem nicht mehr von der Seite wich. Am 12. Oktober startet der Film „Maleika“ in den deutschen Kinos. Das bildgewaltige Kinoabenteuer lässt das Publikum an einer der berührendsten Geschichten, die die Natur je erzählte, teilhaben. Mit Max Moor als Sprecher offenbart der Film Momente großer Freude, zeigt aber auch, dass das Leben in der freien Wildnis gerade für die jungen Geparden nicht immer einfach ist. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach mit dem Tierfilmer und Fotografen über seinen neuen Film.

Inhalt

Die Gepardin Maleika hat vor kurzem ihre sechs Jungen zur Welt gebracht. Mit ihrer struppigen Nackenmähne sehen die kleinen Geparden aus wie Punks, die mit jedem Tag frecher und mutiger werden. Noch werden sie von ihrer Mutter Maleika beschützt. Doch die Wildnis birgt auch für die schnellsten Jäger der Erde viele Gefahren. Jedes Abenteuer könnte das letzte sein.

In den Medien wirst Du als Geparden-Mann beschrieben, da Du mehrere Jahre unter den Tieren gelebt hast. Wie fühlt sich das an?

Barfuss: Den Namen haben mir die Journalisten gegeben und mittlerweile hat es sich wirklich als Marke etabliert. Mich stört das überhaupt nicht.

Wie kam es dazu, dass Du 1996 von einer Gepardenfamilie adoptiert wurdest und dann eine Zeitlang in nächster Nähe mit ihnen gelebt hast?

Barfuss: Afrika war schon immer ein großer Traum von mir. Damals habe ich an einer Reportage über die Wanderung der Gnus und Zebras gearbeitet. Dann habe ich die Gepardin mit ihren fünf Babys getroffen und es war für mich Liebe auf den ersten Blick. Deswegen wollte ich eine Reportage über die Geparden machen. Im Laufe der Wochen sind aus den scheuen Tieren sehr vertraute Geparden geworden. Eines Abends habe ich die Tiere gefilmt, während sie mich beobachtet haben. Als sie näher kamen, habe ich mich aus der Not heraus wie ein Gepard verhalten. Die Gepardin hat mich akzeptiert und die Jungen haben schnell angefangen, mit mir zu spielen. Nach einer Woche wurde ich von der Mutter intensiv beschnuppert und dann hat sie ihre Jungen bei mir gelassen, während sie auf die Jagd gegangen ist.

Konntest Du die gleiche Nähe zu Maleika entwickeln?

Barfuss: Maleikas Leben wollte ich durch eine externe Kamera einfangen. Aber wenn man vier Jahre lang mit einer Gepardin unterwegs ist, entsteht eine emotionale Nähe. Es entstanden immer wieder Situationen, die wir nicht verhindern konnten. Manchmal ist Maleika auf das Filmauto gesprungen und hat dort geschlafen. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich dort vor den Jungen ausruhen konnte.

Jeden Abend bist Du mit Deinem Team zurück ins Kamp gefahren und hast die Tiere zurückgelassen…

Barfuss: Wir hatten uns dazu entschieden, mit nur einem einzigen Filmauto zu arbeiten. Normalerweise sind bei einer Produktion bis zu sieben Film­autos im Einsatz. Ich wollte aber so wenig wie möglich in das Leben der Tiere eingreifen und habe daher das Ganze auf einen Wagen reduziert. Um die Zeit zu kompensieren, musste ich sehr schnell lernen, wie Maleika tickt. Uns ist es gelungen in vier Jahren 76 spektakuläre Jagdszenen einzufangen. Das Meiste ist wirklich aus dem Moment heraus entstanden. Und auch die Interaktion mit dem Fahrer funktionierte ohne Worte. Es gab aber auch Überraschungen. Zum Beispiel hat Maleika einen Büffel gejagt, was Geparden normalerweise nicht tun. Ich habe an ihrem Blick gesehen, dass sie jeden Moment aufspringen wird und hatte nur Sekunden, um dies mit der Kamera einzufangen. Hätten wir Maleikas Verhalten nicht interpretieren können, hätten wir diese erstaunliche Szene verpasst.

Im Film sieht man, dass Maleika schwer verletzt ist. Doch trotz ihrer Verletzung kümmert sie sich weiterhin um ihre Jungen.

Barfuss: Für mich waren diese Wochen sehr belastend. Maleika verletzte sich sehr früh zu Beginn unserer Arbeit. Mein Team und ich waren zu Tränen gerührt, wie Maleika diese Situation gemeistert hat. Auch die Grausamkeit der Natur ging uns ans Herz. Es war faszinierend zu sehen, wie sie ihre Jagdmethoden komplett geändert hat.

Das Modelabel Marc Cain hat eine Maleika-Kollektion entworfen. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Barfuss: Meine Partnerin ist ein großer Fan des Labels. Um den Kinofilm präsent zu machen, habe ich mir im Vorfeld über Kooperationen Gedanken gemacht. Und da Marc Cain immer wieder Raubtierdesigns entworfen hat, passte es. Zudem ist Maleika ein bildhübsches Tier und verleiht der Kollektion eine Geschichte. Maleika war der Star der letzten Fashion Week in Berlin.

Vielen Dank für das Gespräch.

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