Artenschutz hat Vorrang

Geplantes Wohngebiet am Kaiserweiher gekippt – neue Fläche in Aussicht

Baugebiet in Kaufbeuren
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In der Bildmitte liegt der ursprünglich geplante Bauabschnitt III. Am linken Bildrand ist die Kemnater Straße und ein Teil des neuen Baugebietes zu sehen, rechts Teile der Finanzhochschule.
  • Wolfgang Becker
    VonWolfgang Becker
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Kaufbeuren – Ein lange und kontrovers diskutiertes Thema bezüglich einer geplanten Wohnbebauung ist vom Tisch. Der ursprünglich westlich des Kaiserweihers und nördlich der Finanzhochschule geplante Bauabschnitt III mit etwa 28.000 Quadratmetern wird an dieser Stelle nicht entstehen. Für den gemeinsamen Antrag der Stadtratsfraktionen von CSU und Grüne/FDP über eine Aufhebung des Stadtratsbeschlusses von November 2019 zu einer Bebauung gab es eine einstimmige Empfehlung des Bauausschusses für den Stadtrat. Dies auch vor dem Hintergrund, dass im Nachgang zu einem im Juni stattgefundenen „Runden Tisch“ mit mehreren Akteuren der Bezirk Schwaben als Besitzer der größten Fläche diese nicht mehr für Bebauung zur Verfügung stellen wollte, wie Oberbürgermeister Stefan Bosse in der Sitzung deutlich machte. Eine neue Fläche sei eventuell vorhanden.

An dem runden Tisch im Juni hatten Vertreter von Bund Naturschutz, der Stadt Kaufbeuren und der unteren Naturschutzbehörde (uNB) zusammengesessen (wir berichteten). In einer Stellungnahme der uNB waren acht nach amtlicher Stadtbiotopkartierung erfasste Biotope im Umfeld des Kaiserweihers festgestellt worden. Dazu gehören unter anderem Gewässer, Wald und beweidete Grünlandflächen.

Diese Strukturen hätten bewirkt, dass der Kaiserweiher nicht nur zum Rückzugsgebiet von Amphibien, sondern auch von Fledermäusen geworden ist. Wie Stadtplaner Werner Fehr erläuterte, sollen die aus naturschutzfachlicher Einschätzung extrem hochwertigen Flächen um den Kaiserweiher durch den Bezirk Schwaben ökologisch aufgewertet werden. Dazu zählen der Ausbau der Streuobstwiese mit regionaltypischen Obstbäumen mit entsprechendem Schutz vor Verbiss durch Biber ebenso wie Feldhecken und ein wünschenswertes Beweidungskonzept. Die landwirtschaftliche Nutzung soll ohne den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden erfolgen.

Catrin Riedl (SPD) fragte, ob es eventuell Ersatz für das ausgefallene Baugebiet gebe. Der OB teilte mit, dass man sich hier in Gesprächen mit dem Bezirk Schwaben befände. Dafür käme das sich nördlich der Kemnater Straße an den Bauabschnitt II anschließende Gelände möglicherweise infrage, denn der Bezirk könne sich einen Verkauf grundsätzlich vorstellen. Diesen Flächen habe auch der Naturschutz zugestimmt. Allerdings sei die Erschließung dort nicht einfach und man „müsse sehen, was machbar ist“. Peter Kempf (FW) sprach sich namens seiner Fraktion zunächst gegen den Antrag aus, da die Ökologie durchaus als wichtig gesehen werde, aber der zu knappe Wohnungsbau vorrangig sei.

Doch nach den zusätzlichen Erläuterungen von Oberbürgermeister Stefan Bosse stimmte er mit dem Rest des Gremiums für die Aufhebung. Ulrike Seifert (Grüne) bezeichnete den Artenschutz und die Grünflächen als wichtiges Element für die Wohnqualität. „Und der Kaiserweiher müsste eigentlich unter Denkmalschutz stehen“, so Seifert, denn dort habe schon Kaiser Maximilian gefischt. Ernst Schönhaar (CSU) forderte mehr Förderung für „urbanes Wohnen“.

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