Mutterkonzern Vion sieht keine Zukunft mehr für den Standort

Germaringen: Traditionsunternehmen Nocker schließt – 80 Mitarbeiter betroffen

Nocker Germaringen
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Der größte Arbeitgeber in Germaringen schließt. Der Mutterkonzern Vion macht die fleischverarbeitende Firma Nocker zum Ende des Jahres dicht.

Germaringen – Eine bittere Weihnachtsüberraschung erleben aktuell die rund 80 Mitarbeiter des Fleischverarbeiters Nocker in Germaringen. Der Konzern Vion schließt Ende des Jahres das Tochterunternehmen. Die Mitarbeiter bekommen vom Mutterkonzern Ersatzarbeitsplätze an anderen Standorten angeboten. Das teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Damit schließt der Traditionsstandort nach 90 Jahren.

Laut Vion habe die angespannte wirtschaftliche Lage auf dem Fleischmarkt in Deutschland und Europa zu dem Schritt geführt. Ferner hätten die Coronakrise und die Afrikanische Schweinepest die schwierige Situation zusätzlich verschärft. Darüber hinaus habe den traditionsreichen Wurst- und Fleischwarenhersteller in Germaringen der enorme Preisdruck auf dem Rohstoffmarkt für Schweinefleisch „extrem belastet“. Die äußeren Einflüsse und der enorme Wettbewerbsdruck habe dazu geführt, dass die Ertragslage dauerhaft defizitär sei. So führten letztlich erhebliche Volumenverluste, die über einen längeren Zeitraum geschlossene Gastronomie, der Rückzug von langjährigen Partnern im Lebensmitteleinzelhandel sowie Zahlungsausfälle durch die Insolvenz von Kunden aus dem Foodservice Sektor zu der unvermeidbaren Entscheidung, erklärte der zuständige Vion-Manager Philippe Thomas. Er verweist auf den mehrfachen Eigentümerwechsel in den vergangenen Jahren und den damit verbundenen Investitions­stau. So hätten frühere Eigentümer Kernaktivitäten von Nocker wie die Produktion von Kochschinken ausgelagert. Das Vion-Management sah „letztlich nur noch begrenzte Möglichkeiten für eine Wende am Markt, die zudem keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg boten“.

Die Vion Food Group hatte 2014 den Betrieb verkauft und im Juli 2017 von der insolventen Lutz Fleischwaren-Unternehmergruppe zurückerworben.

Mangelende Information

Die Gerüchte über die Schließung von Nocker habe es schon seit mehreren Tagen gegeben, resümierte Germaringens Bürgermeister Helmut Bucher auf Anfrage. Vor allem der Informationsfluss und die Kommunikation mit der Gemeinde sei „nicht optimal“ gewesen. Er bedauere die Schließung des größten Arbeitgebers vor Ort. Immerhin seien von den rund 80 betroffenen Mitarbeitern acht aus Germaringen. „Wir hoffen, dass die Vion-Group die Regelungen für die Mitarbeiter unter sozialen Gesichtspunkten gestaltet“, so Bucher.

von Kai Lorenz

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