Offensiv fürs Klima

Gesamtkonzept mit über 120 Maßnahmen zum Klimaschutz

Blumenwiese
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So eine Blumenwiese ist eine wunderbare Nahrungsquelle für Insekten. In Marktoberdorf soll es davon bald mehr geben.
  • Felix Gattinger
    VonFelix Gattinger
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Marktoberdorf – Um das bisherige Engagement der Stadt in den Bereichen Klima- und Artenschutz zu intensivieren, hatte Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU) zusammen mit dem Stadtrat und Umweltbeauftragten Christian Vávra (Grüne) ein neues Gesamtkonzept ausgearbeitet. Das stellte er in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Tourismus und Umwelt vor. In seiner kurzen Einführung bezeichnete Vávra den Klimawandel und das globale Massensterben der Arten als die beiden zentralen Bedrohungen unserer Zeit. Bereits heute seien über eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Gerade deshalb sei auch lokales Handeln wichtig.

Bürgermeister Hell betonte, das Konzept „Offensive zum Klima und Artenschutz“ sei ohne die in solchen Angelegenheiten üblichen fünfstelligen Beraterhonorare, also in reiner Eigenleistung entstanden. Ferner unterscheide sich seine Offensive von anderen Konzepten dieser Art dadurch, dass man auf die üblichen Kompensationszahlungen für den CO2-Verbrauch verzichte. Vielmehr stütze sich die Offensive auf insgesamt 121 Einzelmaßnahmen, die er gemeinsam mit Vávra und den Kollegen aus der Verwaltung herausgearbeitet hätte.

Diese Einzelmaßnahmen wurden den Ausschussmitgliedern in einer umfangreichen Excel-Tabelle vorgestellt, die in verschiedene Themenbereiche gegliedert war. Die Maßnahmen waren mit unterschiedlichen Farben hinterlegt, um jeweils transparent zu machen, inwieweit die Stadt bereits auf einem guten Weg ist oder absolutes Neuland betritt.

Lebensräume und Artenschutz

Die vorgestellten Themenbereiche waren: Lebensräume und Artenschutz, Möglichkeiten der Energieeinsparung , regenerative Energien, nachhaltiges Bauen, Öffentlichkeitsarbeit und Förderwesen. Unter diesen Gesichtspunkten waren alle kommunalen Aktivitäten unter die Lupe genommen worden. Daraus wurden entsprechend die Maßnahmen abgeleitet, wie zum Beispiel das Fortführen der Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern wie der Wertach. Hier wird die Stadt nach und nach zusätzliche Grundstücke zur Verfügung stellen. Ähnliches geschieht bei der Renaturierung und Reaktivierung der Moorflächen in städtischem Besitz. Im Schwindenmoos bei Stötten hat die Stadt Marktoberdorf als Eigentümerin bereits 48 Hektar der Allgäuer Moorallianz zur Verfügung gestellt. Hell würdigte die Moorflächen als gigantische CO2 Speicher, die, wenn man sie nicht pflegt, weiter austrocknen und ebenso gigantische Mengen an CO2 freisetzen.

Mehr Blühwiesen

Ferner sollen noch mehr Rasenflächen in Blühwiesen verwandelt werden, die nur noch insektenschonend, also mit sogenannten Balkenmähern gepflegt werden sollen. Gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Ostallgäu wollen die Beteiligten darüber hinaus die Biotopflächen im Stadtgebiet zahlreicher machen und miteinander vernetzen. So könne in den einzelnen Lebensräumen eine Inzucht dadurch verhindert werden, dass die Vermehrung der Fauna und Flora auch über die einzelnen Flächen hinaus stattfinden kann.

Ein weiteres Themenfeld stellt die Energieeinsparung dar. Hier ist die Stadt Marktoberdorf bereits seit Jahren tätig. So konnten bisher durch Dämmung von öffentlichen Gebäuden und durch die Erneuerung von Heizungsanlagen, aber auch durch den vermehrten Anschluss und die Vernetzung von Fern- und Nahwärme der CO2 Verbrauch zwischen 40 und 65 Prozent verringert werden. Auch in Wärmepumpen will die Stadt in Zukunft vermehrt investieren. Gerade Marktoberdorf habe, so Doktor Hell, ein gutes Potenzial für die thermische Nutzung von Grundwasser. Zusätzlich will sich der Bürgermeister im Stadtparlament darum bemühen, eine breite Zustimmung für den vermehrten Einsatz nachhaltiger oder recycelter Bau­stoffe zu bekommen. Natürlich komme das erst einmal teurer, sagte Hell, ohne Investitionen könne aber die CO2 Einsparungen auf keinen Fall im erforderlichen Ausmaß erreicht werden.

Kein Klimaschutz kann teuer kommen

Ähnlich äußerte sich dazu auch Stadtrat Thorsten Krebs (CSU). Er sagte, Klimaschutz sei zwar nicht ganz billig, teurer aber als Klimaschutz sei auf jeden Fall kein Klimaschutz. An dieser Stelle legte Krebs dem Gremium nahe, beispielsweise durch mehr Parkgebühren den Individualverkehr in der Stadt unattraktiver zu machen. Fünfzig Prozent aller Fahrten im Stadtgebiet seien unter zwei Kilometern, so Krebs. Ein Viertel davon unter einem Kilometer. Parkgebühren seien für ihn ein gutes Mittel um den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs gegen zu finanzieren. Auch dafür sieht die Offensive zum Klima- und Artenschutz ein Maßnahmenpaket vor. Weiterhin will man auch Maßnahmen für ein besseres Radwegenetz ergreifen. In einer Beschlussfassung wurde das vorgestellte Gesamtkonzept von den Ausschussmitgliedern einstimmig angenommen und die Verwaltung mit dessen Umsetzung beauftragt.

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