Landrat Fleschhut im Gespräch: Nach schwieriger Zeit den Blick nach vorne richten

Ohne Groll ins Wahljahr 2014

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Johann Fleschhut hat noch eine Menge vor – genug für eine weitere, dritte Amtszeit als Landrat. Auch wenn 2013 für ihn nicht alles perfekt gelaufen ist.

Marktoberdorf – Ob das Gezerre um den Klinikverbund, das kontrovers diskutierte Hotel-Projekt in der Kreisstadt oder die Nachnutzung für das Marktoberdorfer Klinik-Gebäude: Landrat Johann Fleschhut umwehte 2013 so mancher Gegenwind. Trotzdem – oder gerade deshalb – will er 2014 noch einmal antreten.

Vom kleinen Besprechungsraum 202 im zweiten Stock des Landratsamts hat man Sicht auf die Alpenkette. Wer sich hier versammelt und bespricht, tut dies auf Einladung des Landrats Johann Fleschhut, der sich im kommenden März erneut zur Wahl stellen wird. Fleschhut, 57-jähriger Jurist und Mitglied der Freien Wähler im Ostallgäu, zieht nun seit fast zwölf Jahren die Fäden der Kreispolitik: als Gestalter und Koordinator sieht er sich, stets sachlich und unabhängig in seinen Entscheidungen, jemand, der von sich selbst meint: „Was ich sage, hat Hand und Fuß.“ 

Doch das vergangene Jahr, so lassen die Kritiker verlauten, sei kein gutes gewesen. Die Schließung zweier Kreiskliniken sowie Defizite im zweistelligen Millionenbereich werden auch dem Landrat angelastet. Fleschhut hat allerdings nie Zweifel daran gelassen, dass es ihm ernst ist mit der dritten Amtszeit. „Zusatztreibstoff“ für die innere Motivation gebe es genügend, um als Landrat weiter arbeiten zu wollen, so Johann Fleschhut im Gespräch mit dem Kreisboten. Einen Ausgleich für den Verlust von zwei Kliniken im Kreis zu schaffen, sei eine dieser emotionalen Verpflichtungen. Obwohl – und auch ein Landrat wählt behutsam seine Worte – etwas Groll nicht ganz auszublenden sei. Lange habe er, auch auf Rat von Experten, am Erhalt aller fünf Häuser festgehalten, bis die Schuldenwelle Ende 2012 auf sie eingedonnert sei. Dann habe die unausweichliche Entscheidung, die im Übrigen vom gesamten Kreistag getragen wurde, zur Schließung der Kliniken in Marktoberdorf und Obergünzburg geführt. Eine Zeit, die Fleschhut als die schwierigste seiner politischen Laufbahn bezeichnet. Auch weil er dabei von vielen Seiten hart angegangen worden war. „Mein Blick richtet sich jetzt nach vorne. Es hilft nichts am Gestrigen festzuhalten.“ 

Neue Funktion der Klinik 

Immerhin sei er der Einzige, der sich vehement um die noch bestehenden Probleme, wie die Sicherung der medizinischen Grundversorgung oder die leeren Klinikgebäude, kümmere. Selbst für das sanierungsbedürftige Haus in Marktoberdorf werde er im Januar eine Lösung präsentieren können, so der Landrat. Wenngleich nicht alle Probleme in Rekordgeschwindigkeit aus der Welt zu schaffen sind. Das Klinikum Kaufbeuren etwa leide an einem unberechtigten Imageproblem, meint Fleschhut auf die Frage, warum manch Marktoberdorfer sich lieber in Kempten oder Füssen operieren lasse als in Kaufbeuren. „Wir haben uns für 2013 tatsächlich eine stärkere Auslastung gewünscht. Dies lässt sich auch an den Zahlen ablesen“, sagt Fleschhut, der ferner Vorsitzender im Verwaltungsrat des Klinikunternehmens ist, über das Haus in der kreisfreien Stadt. Die Notaufnahme, deren Ruf gelitten habe, sei verbessert, die Intensivstation modernisiert und erweitert worden. Die medizinische Versorgung sei also auf höchstem Niveau, allein an der Auslastung fehle es noch. 

Spatenstich beim Hotel 

Auch für ein anderes Projekt, den von vielen Seiten geforderten Hotelneubau in der Kreisstadt, scheint Überzeugungsarbeit vonnöten, hat doch der geplante Hotelstandort in der Saliterstraße zunächst für Zündstoff unter den Marktoberdorfern gesorgt (wir berichteten). 

Zum Jahreswechsel zeigt sich Fleschhut optimistisch. Er verspricht: „Alles läuft auf ein Hotel in Marktoberdorf hinaus. Ich bin zuversichtlich, dass 2014 noch der Spatenstich erfolgen kann.“ Wobei sich Fleschhut nicht auf den Standort Saliterstraße festlegen lässt, sondern ankündigt, im Januar öffentlich zum Stand des Hotelneubaus zu informieren. 

 Grünes Zentrum 

 Die Standortfrage für das Grüne Zentrum, das erste Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Schwaben, ist wie berichtet bereits vor einiger Zeit zugunsten Kaufbeurens gefallen. Das Grundstück zwischen dem Stadtkern und dem stadtteil Neugablonz nahe der B12, auf dem das Zentrum entstehen soll, ist nach Fleschhuts Worten so gut wie gekauft. Partner des Grünen Zentrums sind der Freistaat Bayern mit dem Landwirtschaftsamt, der Bayerische Bauernverband und der Maschinenring. Der Landkreis Ostallgäu wird als Bauherr und Träger der Landwirtschafts- und Technikerschulen mitinvestieren. Dass das Pres- tigeobjekt des Landkreises nun auf dem Stadtgebiet Kaufbeurens und nicht in der Kreisstadt stehen soll, wird Fleschhut allerdings von manchen Seiten angekreidet. Sind hier alle Möglich- keiten ausgelotet, ist hier hart genug verhandelt worden? Der Landrat ist sich sicher, den bestmöglichen Standort festgemacht zu haben. Nachdem die Landwirtschaftsschule „schon immer“ in Kaufbeuren war und der Freistaat nicht in Marktoberdorf hätte investieren wollen, hieße es „mit der alten Rivalität zwischen Kreisstadt und kreisfreier Stadt aufzuräumen“. 2014 soll mit dem Bau des Grünen Zentrums begonnen werden. 

B12-Ausbau verschoben 

An anderer Stelle ist mit Ausbau jedoch noch lange nicht zu rechnen. „Wir hängen in der Schleife des Bundesverkehrswegeplans, wie tausende andere bundesweite Straßenprojekte auch“, erklärt Fleschhut auf die Frage, welches Ergebnis seine Bemühungen um einen vierspurigen Ausbau der B12 gebracht haben. Bisher habe man lediglich leere Versprechungen aus München erhalten, auch auf den Brief an Horst Seehofer hin. Aus seiner Enttäuschung macht der Landrat keinen Hehl und er richtet in diesem Punkt ein kritisches Wort an die Adresse der Allgäu GmbH. Zwar sei man sich mit den umliegenden Landkreisen einig, dass ein Ausbau der B12 unbedingt erforderlich wäre. An der Durchsetzungsfähigkeit mangele es jedoch gewaltig: „Hier muss sich noch zeigen, was die Zusammenarbeit wert ist“, so Fleschhut. 

Klare Worte zur Windkraft 

Klare Worte findet Fleschhut auch, wenn es um die Vorgaben von Bund und Land in Sachen Energiewende geht. „Dem Bund fehlt jeglicher Fahrplan. Die Unsicherheit wird durchgereicht bis zu den Kommunen.“ Beispiel Windkraft: Die hält der Landrat nur da für akzeptabel, wo der Wille der Bürger auf Standorte mit genügend Windausbeute trifft. „Wir werden keinen Standort rechtlich genehmigen, der dem Willen der Anwohner entgegensteht“, präzisiert der Landrat und setzt lieber auf einen Energiemix. „Der Anteil regenerativ erzeugten Stroms stieg im Ostallgäu von 57 Prozent 2007 auf 79 Prozent im Jahr 2011. Das ist beachtlich.“ Und Fleschhut ist optimistisch, durch energetische Sanierungen und Stromeinsparungen hier weitere Steigerungen zu erreichen. 

Ein letzter Blick auf die Berge, das Besprechungszimmer ist verwaist. Fleschhut ist aufgebrochen zur Weihnachtsfeier im Pflegeheim Obergünzburg. „Eine Insel der Besinnlichkeit“, sagt er. So richtig zur Ruhe gekommen ist der Landrat allerdings erst über die Feiertage im Familienkreis. Ob auch hier alle Fäden bei ihm zusammenlaufen oder die Leinen auch mal aus der Hand gegeben werden? Diese Frage wird wohl für dieses Jahr unbeantwortet bleiben. von Angelika Hirschberg

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