Klinikchef Dr. Philipp Ostwald zieht nach einem Jahr positive Bilanz fürs KU

"Wir sind auf einem guten Weg"

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An den hochmodernen Linksherzkathetermessplätzen in den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren können viele Herzerkrankungen via Herzkatheter erfolgreich behandelt werden.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Ein ehrgeiziges Ziel hatte sich Philipp Ostwald, Betriebswirt und Mediziner, am Beginn seiner Tätigkeit als Chef des KU im Januar 2013 gesteckt: Aus dem abgrundtiefen Defizit sollte eine "schwarze Null" werden. Wie sieht es rund ein Jahr später aus? Der Kreisbote hat mit Ostwald über die einzelnen Häuser und die Gesamtsituation gesprochen.

Sein Ziel ist ehrgeizig: In fünf Jahren soll das Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu- Kaufbeuren (KU) eine „schwarze Null – plus, minus zwei Millionen Euro“ schreiben. Das verkündete Klinikenvorstand Dr. Philipp Ostwald bei seinem Amtsantritt im Januar 2013. Nach gut einem Jahr fällt sein persönliches Fazit im Redaktionsgespräch positiv aus und er blickt optimistisch in die Zukunft des KU: „Das Unternehmen ist auf einem guten Weg“. 

Dabei konnte sich Ostwald bei Amtsantritt nicht vorstellen, nach einem Jahr schon so viel erreicht zu haben. „Auf das hohe Defizit sowie die vorhandenen Strukturen war ich damals nicht vorbereitet“, erinnert sich der Klinik- Vorstand an seine ersten Schritte im Unternehmen. Doch man habe es geschafft, beispielsweise eine komplette Kostenrechnung für das KU aufzustellen. Inzwischen befinde sich das Unternehmen auf einem „guten Weg der Genesung“, auch die gute medizinische Versorgung verbessere sich stetig, so dass man sich langsam auch auf die „eigentliche Arbeit“ konzentrieren könne. Dies sei auch nötig, denn das Defizit für 2013 summiere sich auf rund 13 Millionen Euro – für heuer rechnet Ostwald mit 8,5 Millionen Euro. 

Natürlich stellten bei den Strukturveränderungen des KU die Schließungen der beiden Kliniken Obergünzburg und Marktoberdorf einen harten Einschnitt dar, doch dieser sei notwendig gewesen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. „Jetzt sind wir strukturell gut aufgestellt“, betont Ostwald. Doch noch viel Arbeit liegt vor dem Klinikchef und seinem Team. Bislang habe man erst gut ein Viertel der Reformpläne umsetzen können. In weiteren Bereichen, wie etwa bei der Organisation („Wer macht was?“) aber auch der Management-Optimierung hätten die Arbeiten gerade erst richtig begonnen. Auch die Nachnutzung der Kliniken Obergünzburg und Marktoberdorf stünden nach der wirtschaftlichen Sanierung des KU ganz oben auf der Prioritätenliste des Vorstandes. 

Obergünzburg 

Mit Blick auf die Nachnutzung der Klinik Obergünzburg sei man in ein offenes Bieterverfahren mit EU-weiter Ausschreibung gegangen. Die Bezirkskliniken Schwaben hätten dabei als einziger Bieter Interesse gezeigt. (wir berichteten) „Eigentlich wollten wir im Januar die Übernahmen verkünden. Jetzt wird es wohl eher Juli“, so Ostwald. Aus seiner Sicht seien die Voraussetzungen für eine psychosomatische Einrichtung gut, auch die Zusage für den Bettenaufbau sei geregelt. Jetzt liege es an den Bezirkskliniken, zu planen – eine Zustimmung des Klinikverwaltungsrates hält Ostwald für sicher. 

Marktoberdorf 

Keine Option für eine medizinische Nachnutzung gibt es aktuell für das Haus in Marktoberdorf. Hier habe sich laut Ostwald bislang kein Bewerber im Rahmen des Bieterverfahrens gemeldet. Daher habe man die Strategie geändert und gehe jetzt selbst aktiv die Vermarktung des Objektes an. Vor allem Landrat Johann Fleschhut kämpfe hier „unermüdlich für eine sinnvolle Nachnutzung“, betont der Klinikchef. Hierzu wurde auch eine Arbeitsgruppe aus Stadt, Landkreis und KU gegründet, um schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Ferner arbeite man mit Experten aus den Bereichen Pflege und Medizin sowie mit Beratern zusammen, die aktuell verschiedene Konzepte für eine Standortnutzung untersuchen. Dennoch könne man laut Ostwald die aktuelle Situation „als nicht zu optimistisch“ einstufen. Natürlich wisse er um die anhaltende Kritik der Marktoberdorfer Bevölkerung, die die Schließung Ihres Krankenhauses nach wie vor für falsch hält. „Doch die Realität bestätigt uns, dass die Struktur, die wir jetzt haben, Sinn macht“, resümiert Ostwald. 

Kaufbeuren 

Beim Klinikum Kaufbeuren liegt die Belegung bei 85 Prozent (Stand September 2013). Der Bettenabbau von aktuell 360 auf 320 sei vom Tisch, eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums liege hierfür vor. Auch ein Ausbau der Klinik werde laut Ostwald angestrebt, etwa durch eine Akutgeriatrie. Auch wehrt sich Ostwald gegen die Aussage, die Kaufbeurer Klinik habe ein Image-Problem. So sei man in vielen Bereichen bestens aufgestellt, etwa bei der Thorax-Chirurgie (neu seit 2013), und auch die innere Medizin wurde um die Lungenheilkunde (Pulmologie) erweitert, dies schließe eine Strahlentherapie bei Lungentumoren (endobronchiale Brachytherapie) mit ein. Ostwald wisse aber um die gewachsene „Feindschaft zwischen Marktoberdorf und Kaufbeuren“, die durch die Schließung der Kliniken neuen Nährboden erhalten habe. „Wir müssen den Bürgern jetzt klar machen, dass es kein ,Kaufbeurer Krankenhaus’, sondern zu 75 Prozent ein Krankenhaus des Landkreises ist“, betont Ostwald. Ferner sei man hier sowohl medizinisch als auch personell gut positioniert, „das müssen wir den Landkreisbürgern erklären und verloren gegangenes Vertrauen wieder herstellen“. Ostwald ist zuversichtlich, dass dies mit der Zeit gelingt, wenngleich er auch weiß: „Patienten stimmen mit den Füßen ab“. So sei es in Ordnung, wenn Patienten auch in umliegende Kliniken wie etwa nach Kempten gingen. 

Verhalten optimistisch 

Einen Teil zur positiven Entwicklung beitragen sollen die rund 1600 Beschäftigten des KU. Diese hätten inzwischen auch wieder Vertrauen zur Klinikführung gefasst. Anfängliche Verzweiflung habe sich in verhalte- nen Optimismus und Hoffnung umgekehrt, so der Klinikchef. Dabei setzt er vor allem auf einen offenen Dialog und Transparenz. So wurde unter anderem ein „Runder Tisch“ eingeführt, der einmal im Monat tagt und Mitarbeitern aus verschieden Abteilungen die Gelegenheit bietet, über ihre Anliegen zu sprechen. Auch würden sie erkennen, dass ihr Chef kein Spielball der Politik sei, sondern vehement die Interessen des KU vertrete. Natürlich spüre Ostwald den Druck, die Reformen voranzutreiben. Doch die aktuellen Fakten sprächen für sich. „Klar, der Wirtschaftsplan für 2013 tat weh, dennoch wurde uns Vertrauen geschenkt“, erinnert sich Ostwald und fügt hinzu: „Die Politik gibt uns die Zeit, die wir brauchen. Die Zusammenarbeit ist gut“. Dieses gelte auch für den Klinikenverwaltungsrat, „ohne dessen Vertrauen wir noch nicht so weit sein würden“. Druck verspürt Ostwald in Bezug auf die angespannten Haushaltslagen der beiden Träger Landkreis und Kaufbeuren: „Ich weiß, es muss schnell gehen, denn die Defizite belasten erheblich die Haushalte. Dieser Wunsch ist für mich nachvollziehbar“. Mit Blick auf die Klinik Füssen kündigte er an, dass man hier „wahrscheinlich“ 2015 mit der geplanten Sanierung starten werde. „Das Haus ist für uns sehr wichtig“, so Ostwald. 

Patientenzuwachs 

Zufriedenstellend sei die Entwicklung der Patientenzahlen, so der Klinikchef. Trotz der Debatte über die geschlossen Häuser hätten sich diese im gesamten KU gegenüber 2012 (28629) in 2013 auf 29463 erhöht. An das Ergebnis von 2011 mit 30359 sei man indes noch nicht herangekommen. Das prognostizierte Defizit für 2014 von rund 8,5 Millionen Euro verteilt sich laut Ostwald wie folgt auf die Häuser: Kaufbeuren mit rund vier Millionen Euro, Buchloe mit rund 1,2 Millionen Euro und Füssen mit rund zwei Millionen Euro. Der Rest entspreche dem Unterhalt für die beiden geschlossenen Häuser in Obergünzburg und Marktoberdorf. 

Wie ein Marathon 

Auch persönlich ist Ostwald durchaus stolz auf das Erreichte. Dennoch stehe er noch vor einer Fülle von Aufgaben, die ihn „sehr beanspruchen“ werden. Wie bei einem Marathon müsse man sich die Strecke gut einteilen, um sich nicht zu übernehmen. Derzeit liege er bestens im Rennen, es gehe ihm gut und die Arbeit mache ihm Spaß. Wohl auch deshalb, weil er ein gutes Team (auch externe Spezialisten) an Mitarbeitern an seiner Seite hat. „Mit diesen Leuten bekomme ich den Rest auch noch hin“, so Ostwald, der sich sicher ist, am Ende seine Zusagen von der „Schwarzen Null, plus, minus zwei Millionen Euro“ halten zu können. von KAI LORENZ

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