Putzmunter

Kaufbeurens älteste Bürgerin Anneliese Frey feierte 103. Geburtstag

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Anneliese Frey hat vor wenigen Tagen ihren 103. Geburtstag gefeiert.

Kaufbeuren – „Man kann alles, wenn man will“, sagt Anneliese Frey. Außerdem half und hilft ihr, wenn es schwierig wird, der Glaube. „Aber ich bin keine Frömmlerin, das kann ich nicht leiden.“ Dem Leben und seinen Anforderungen positiv gestimmt begegnen, so lautet ihr Motto. Vor wenigen Tagen feierte die nunmehr älteste Bürgerin Kaufbeurens im Seniorenheim Heinzelmannstift ihren 103. Geburtstag.

Anneliese Frey ist vielseitig interessiert, liebt das gesellige Beisammensein mit anderen Menschen, pflegt gerne ihre Kontakte. Das alles hält sie fit. Die Sehkraft hat zwar nachgelassen, derzeit zwickt es gewaltig im Rücken. Trotzdem ist sie guter Dinge: „Der Kopf macht noch alles mit!“

Außerdem „hab` ich Humor, ich singe gerne“, erzählt sie. Schon seit Jahren engagiert sie sich im Heimbeirat des Seniorenheimes. Vor allem aber der Austausch mit jungen Leuten, beispielsweise beim Abendcafé mit Mitgliedern der Kulturwerkstatt, bedeutet ihr sehr viel. Da wird generationenübergreifend lebhaft diskutiert. Und Anneliese Frey kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken, von dem sie gerne erzählt.

Geboren wurde die Jubilarin 1917 in Chemnitz. Sie stammt aus einer wohlhabenden Bäckerfamilie. Nach der mittleren Reife blieb sie erstmal zu Hause und genoss das gesellschaftliche Leben. Mit 20 Jahren heiratete sie und bekam zwei Söhne. Nicht nur die Kriegszeiten haben Annemarie Frey einiges abverlangt. Nach dem Krieg mit einem 4jährigen und einem Säugling, ausgebombt und enteignet hielt sie die Familie mit Näharbeiten über Wasser. Sie pendelte zwischen dem russischen und amerikanischen Sektor für Geschäfte auf dem Tauschmarkt, schleppte Briketts und durfte im Lager arbeiten. Viele Jahre später, während eines Besuches in Würzburg bei ihrem Sohn im August 1961, kurz bevor die Mauer erbaut wurde, nutzte sie die Chance und blieb im Westen.

Über Würzburg und Berlin gelangte sie nach Winterthur in der Schweiz, wo sie, inzwischen geschieden, ihren zweiten Ehemann kennen und lieben lernte. Sie arbeitete dort in vielen sozialen Einrichtungen und engagierte sich für die, denen es nicht so gut ging.

Ein Sohn wohnte mittlerweile in Kaufbeuren und so zog es auch Anneliese Frey, nach dem Tod ihres Mannes, in Richtung Kaufbeuren. Nach der Wende erhielt sie eine Entschädigung für die Enteignung und konnte sich hier ein kleines Häuschen leisten. 20 Jahre lang pendelte sie zwischen Winterthur und Kaufbeuren, bevor sie schließlich 2015 im Seniorenheim Heinzelmannstift ein neues Zuhause fand. Hier fühlt sie sich „sehr gut aufgehoben“. Der Kontakt zu ihrer Familie ist sehr eng. „Dafür bin ich sehr, sehr dankbar“, sagt Anneliese Frey. So war es natürlich ein Wermutstropfen, dass sie aufgrund der Corona-Krise und der daraus resultierenden Einschränkungen nicht mit ihren Lieben an ihrem Geburtstag anstoßen konnte. Aber die Pflegekräfte überraschten sie mit Sekt, Blumen und einem Ständchen. „Trotz den Einschränkungen war mein Geburtstag ein wunderbarer Tag“, freut sie sich.

kb

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