Pilotprojekte und grüner Wasserstoff

Gewählt: Ostallgäus Landrätin ist Vorsitzende der Allgäu GmbH – Herausforderungen und Ziele

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Der scheidende Vorsitzende der Allgäu GmbH Anton Klotz (v. li.) mit seiner Nachfolgerin Maria Rita Zinnecker, Ostallgäus Landrätin, ihrem Stellvertreter Manfred Schilder (Oberbürgermeister der Stadt Memmingen) und dem Vorsitzenden der IHK Regionalversammlung Kempten und Oberallgäu Markus Brehm. Es fehlt die neu gewählte Stellvertreterin im Vorstand Indra Baier-Müller, Landrätin Oberallgäu.

Allgäu – Mit Frauenpower die Krise aufarbeiten: Am vergangenen Dienstag wählten die Aufsichtsratsmitglieder der Allgäu GmbH Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker zur neuen Vorsitzenden. Mit Stellvertreterin Indra Baier-Müller, Landrätin Oberallgäu, sind erstmals zwei Frauen im Vorstand. Sie starten mit neuen Herausforderungen in ihre Amtsperiode.

Große Themen werden die Besucherlenkung und Mobilität im Allgäu sein. Dennoch soll der Fokus verstärkt auf dem Lebens- und Arbeitsraum, also die Allgäuer Bürger, gerichtet sein.

Mit einem dreijährigen Wechsel des Vorsitzes im Kreis der Landräte und Oberbürgermeister soll die Ausgewogenheit im Vorstand der Allgäu GmbH gewährleistet werden. Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder komplettiert den neuen Vorstand für den Bereich Politik. Für die Abteilung Tourismus bleibt der Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben Klaus Holetschek und für den Bereich Wirtschaft wurde der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Kempten und Oberallgäu Markus Brehm erneut gewählt.

Zur Qualitätsmarke entwickelt

„Standort, Marke, Tourismus – Das Allgäu hat sich nicht zuletzt durch ein starkes, dicht geknüpftes Netzwerk zu einer selbstbewussten Größe in Bayern entwickelt“, sagte der scheidende Vorsitzende der Allgäu GmbH Anton Klotz. Die Fortschreibung dieser Marken- und Destinationsstrategie zählt für die Allgäu GmbH als Meilenstein ihrer Arbeit. Die Grundlage bildet eine Befragung von 5.000 Menschen, deren 21.000 Einzelantworten sowie Expertenmeinungen und die Analyse mehrerer Quellen. Deutlich wurde: Das Allgäu hat sich von einer touristischen Herkunfts- zu einer Qualitätsmarke entwickelt, die für Standort und Tourismus gleichermaßen wirkt.

„Wir hatten, was die Arbeitslosenquote betrifft, die niedrigsten und was den Tourismus angeht, die höchsten Zahlen“, so Zinnecker. Der Fokus solle nun stärker auf dem Lebens- und Arbeitsraum der Allgäuer liegen. „Denn nur, wenn die Menschen, die hier leben, sich wohlfühlen, können sich auch unsere Gäste hier willkommen fühlen“, so die neue Vorsitzende. Eine Vielfalt von Maßnahmen leiten sich davon ab, die es in den kommenden Jahren umzusetzen gelte, so Zinnecker.

Tagestourismus fordert Besucherlenkung

Intensiv habe sich der Aufsichtsrat mit dem Thema Coronakrise beschäftigt, sagte Zinnecker. Die Herausforderung sei, die genannten Ziele anzupassen. Den Tourismus habe der Lockdown zwar schwer getroffen, dennoch bestehe Zuversicht. Denn „Urlaub auf dem Bauernhof boomt, Camping steht ganz hoch im Kurs und im Vergleich zum Städtetourismus stehen wir gut da“, sagte die Ostallgäuer Landrätin. Eine Veränderung zeige sich auch im Tagestourismus, was das Thema Besucherlenkung, Mobilität und den ÖPNV auf der Themenliste nach oben schiebe. Eine komplexe und vielschichtige Angelegenheit, die die Möglichkeit der Information und Entzerrung notwendig mache. 

Pilotprojekte

Aus diesem Grund werden Pilotprojekte an den beiden Hotspots Füssen-Schwangau und Oberstdorf auf den Weg gebracht, erklärte die Vorsitzende. „Noch fehlen Daten und Grundlagen. Deshalb müssen wir kleinräumig anfangen.“ Hilfe erhoffe sich der Aufsichtsrat vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss & Logistik (IML), Projektzentrum Verkehr, Mobilität und Umwelt aus Prien am Chiemsee, welche für eine Beratung beauftragt wurden. Schon lange vor der Coronakrise, die die Engpässe an diversen Hotspots im Allgäu verschärfte, habe sich das Allgäu mit Lösungsansätzen beschäftigt. Zum Thema Mobilität gehöre auch der Bahnverkehr und der Ausbau der B12 sagte Brehm. „Das ist eine sehr wichtige Verkehrsader für das Allgäu.“

"Entlastung muss über Schiene passieren"

„Eins ist klar: Bei der Besucherlenkung muss eine Entlastung über die Schiene passieren“, betonte Klotz. Er brachte das Thema Wasserstoffantrieb auf den Tisch. Denn, eine komplette Elektrifizierung „ist mit extrem hohen Kosten verbunden“. Brehm ist auch davon überzeugt, dass der Schienenverkehr mit Wasserstoffantrieb deutlich früher zu realisieren sei als die Elektrifizierung. „Rund 430 Millionen Euro sind für Bayern vorgesehen, dabei findet das Allgäu jedoch kaum Berücksichtigung. München denkt wohl, mit einer Elektrifizierung der Strecke München-Memmingen-Zürich sei es getan“, sagte Klotz. Er setze auf „grünen Wasserstoff“ aus eigener Produktion. „Ein Aufbau im Allgäu wäre möglich.“ Zinnecker bestätigte: „Der neue Schwerpunkt der Bundesregierung ist Wasserstoff.“ Aufgrund der Coronakrise von März auf den 30. November dieses Jahres verschoben, ist eine Testfahrt von Augsburg nach Oberstdorf geplant. Diese soll zeigen, wie sich ein Wasserstoff-Zug unter den topografischen Bedingungen im Allgäu verhält.

Fachkräftemangel und offene Lehrstellen

Um die heimische Wirtschaft zu unterstützen, liege der Schwerpunkt bei Bildung und bürokratischen Erleichterungen vor Ort. „Erst im Herbst werden die Auswirkungen der Krise deutlich“, sagte Zinnecker. Es werde sich bemüht, auf kommunaler und Landkreisebene zu unterstützen. Ihr sei bewusst, dass die gewährten Soforthilfen nicht alle retten werden. Brehm warf ein, dass „die latenten Themen“ nicht vergessen werden dürfen. Das seien der Fachkräftemangel und die 2.500 offenen Lehrstellen im Allgäu. Damit einher gehe das Thema Digitalisierung und Breitbandausbau. „Durch Corona sind Entwicklungen angestoßen worden, die wir von Seiten der Allgäu Gmbh konstruktiv begleiten wollen“, sagte der IHK-Vorsitzende.

Selma Höfer

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