Polizei Kaufbeuren legt Kriminalstatistik für 2018 vor

Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

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Laut Polizei gibt es in Kaufbeuren keine „Angsträume“ – in Bereichen wie dem Bahnhof und dem Jordanpark sorgt die Sicherheitswacht für zusätzliche Sicherheit.

Kaufbeuren – Polizeichef Thomas Maier, Kripochef Andreas Buchmiller und Polizeioberkommissar Markus Holste legten die Zahlen der Kriminalstatistik vor: Aus Sicht der Polizei war 2018 „kein aufsehenerregendes Jahr“. Ein Anstieg sei bei der Straßenkriminalität sowie Einbruchsdelikten zu verzeichnen. Mit der Aufklärungsquote von 69,7 (leichter Rückgang gegenüber Vorjahr), die deutlich über dem bayernweiten Schnitt liege, zeigte sich die Polizei durchaus zufrieden. Betroffen machte sie allerdings die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizeibeamten.

Die Zahl der Gesamtstraftaten in Kaufbeuren stieg im Vergleich zum Vorjahr von 2.765 auf 2.790 Delikte an – damit liege Kaufbeuren unter den 25 kreisfreien Städten auf einem guten sechsten Platz.

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung seien jugendliche Straftäter überrepräsentiert.

Was den Bereich der Gewaltkriminalität betrifft, wurden im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeistation (KPS) Kaufbeuren im Jahr 2018 insgesamt sechs, und zwei nicht erfasste Ermittlungsverfahren wegen Totschlags geführt. Für Aufsehen sorgte laut Polizei etwa das schreckliche Familiendrama, das sich in Kaufbeuren ereignete, bei der eine Mutter ihr eigenes Kind getötet und dann Selbstmord begangen haben soll. In einem anderen Fall starb ein Säugling nach schwerer Misshandlung (wir berichteten).

Bei den neun angezeigten Vergewaltigungen (Vorjahr: sechs) handelte es sich laut Polizei nicht um überfallartige Delikte durch fremde Personen oder Gruppen, sondern um Beziehungstaten in Partnerschaften.

Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist mit 157 nahezu gleich geblieben. In einem Fall konnte bei einem jungen Kaufbeurer eine außergewöhnlich große Menge an Betäubungsmitteln sichergestellt werden.

Ein Anstieg um 26,7 Prozent war bei den Wohnungseinbruchdiebstählen zu verzeichnen, die sich von 15 Fällen im Jahr 2017 auf 19 erhöhten.

Auch bei der Straßenkriminalität gab es einen Zuwachs mit 177 Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (Vorjahr 120) und 98 (gegenüber 48) Sachbeschädigungen an Straßen und Plätzen, die vor allem auf Schmierereien auf Wahlplakaten zurückzuführen seien.

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte hatten ebenfalls einen Anstieg von 450 auf 470 zu verzeichnen.

Mehr Fälle von Cyber-Kriminalität

Die Cyber-Kriminalität nehme überdies immer weiter zu. Ein besonderes Augenmerk liege auf Callcenter-Betrug, bei dem den Geschädigten durch Täter, die zumeist aus dem Ausland agieren, auf betrügerische Weise finanzieller Schaden zugefügt wird. Dazu kämen der sogenannte Enkeltrick, „Schockanrufe“ oder „Gewinnanrufe“, die einen vermeintlichen Bargeldgewinn versprechen. Durch Präventionsveranstaltungen will die Polizei die Bürger verstärkt auf das Thema aufmerksam machen – dies zeige schon Wirkung, denn die Leute riefen vermehrt bei der Polizei an, um solche Fälle zu melden.

In einem Fall von Callcenter-Betrug konnten in Kaufbeu­ren zwei „falsche Polizeibeamte“ festgenommen und dadurch die Übergabe von 40.000 Euro Bargeld verhindert werden.

Gewalt gegen Polizeibeamte steigt an

Einen „deutlich merkbaren Anstieg“ der Aggressivität gegenüber Polizisten und Rettungskräften hatte die Polizei auch in Kaufbeuren zu beklagen. Die Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte stiegen auf 28 (Vorjahr: zwölf) an, wobei die Dunkelziffer noch höher sei. Die Polizeibeamten werden bedroht, beleidigt, angegriffen: Thomas Maier, Andreas Buchmiller und Markus Holste berichteten von Situationen, in denen Kollegen etwa von Tätern im Drogenrausch massiv attackiert oder von einer Person mit Hepatitis C bewusst angespuckt wurden, von Fällen massiven Widerstands, wo Beamte mit gezielten Fußtritten angegriffen oder die Treppe hinuntergestoßen werden. „Wir sind froh, wenn die Kollegen nach der Arbeit wieder heil nach Hause kommen.“ Als Hauptursache der gestiegenen Gewaltbereitschaft sehen sie den mangelnden Respekt gegenüber Autoritätspersonen, der möglicherweise auf einen „Mangel im Sozialisierungsprozess der Jugendlichen“ zurückzuführen sei. Eine Besserung der Situation soll die Bodycam bringen, die bayernweit eingeführt wird und zur präventiven Bekämpfung der Gewalt verhelfen sowie Polizei-Aktionen dokumentieren soll.

Keine „Angsträume“

Was die Straftaten angeht, die von Flüchtlingen begangen werden, handele es sich hauptsächlich um Fälle im Rauschmittelbereich oder Körperverletzungsdelikte, die sich meistens gegen andere Flüchtlinge richten, da die Asylbewerber „in den Unterkünften meist auf einem Haufen sitzen“, wie Maier bestätigte. Es sei hier „eher die Ausnahme, dass deutsche Staatsbürger betroffen sind“.

Auch dahingehend, dass es in Kaufbeuren keinen „Brennpunkt“ gibt, konnte Entwarnung gegeben werden. Es gebe keine „Angsträume“, die gezielt vermieden werden – „und wir werden alles tun, damit das auch so bleibt“, versicherte Holste. Die Sicherheitswacht sorge etwa dafür, dass auch in Bereichen wie dem Bahnhof und dem Jordanpark die Sicherheit erhöht werde.

Auch was die Spiele im Eisstadion betrifft, konnte Holste von einer „deutlichen Entspannung“ berichten, bedingt durch den Neubau und die zwei separaten Eingänge. So gebe es weniger Reibereien, mehr Publikum und eine „gute Stimmung“, woran auch die beiden Hochrisiko-Heimspiele nichts ändern konnten.

von Mahi Kola

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