Noch einen Zacken mürrischer

Gisela Schneeberger spricht im Interview über „Eine heiße Nummer 2.0“

+
Gisela Schneeberger fühlt sich mehr daheim, wenn sie in Filmen Dialekt spricht.

Schauspielerin Gisela Schneeberger wuchs in den 50er Jahren in München-Freimann auf. Nach dem Beginn eines Psychologiestudium wechselte sie an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule, wo sie von 1971 bis 1974 eine Schauspielausbildung absolvierte. 2006 wurde sie als Beste Nebendarstellerin in „Silberhochzeit“ ausgezeichnet und erhielt 2012 den Bayerischen Verdienstorden sowie den Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung. Für ihre Rollen in „Add a Friend“, „Im Schleudergang“ und „Eine ganz heiße Nummer‘‘ erhielt sie 2014 den Deutschen Schauspielerpreis. Außerdem wurde sie mit dem Adolf-Grimme-Preis 1981 für „Fast wia im richtigen Leben“, 1983 für „Scheibenwischer“ und 2019 für „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ ausgezeichnet. In „Eine heiße Nummer 2.0“ verkörpert sie erneut die sarkastische Hobbyfriseurin und Supermarktangestellte Waltraud. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach mit Gisela Schneeberger über ihre Arbeit, das Leben auf dem Land und die Notwendigkeit des Internets.

2011 spielten Sie in der Komödie „Eine ganz heiße Nummer“ die Kassiererin Waltraud. Nach acht Jahren nehmen Sie die Rolle erneut ein. Wie fühlt es sich an?

Schneeberger: Das war mir ganz vertraut. Es fiel mir nicht schwer. Die Autoren haben alle Rollen gut fortgeführt, sodass sich jeder wohlfühlen konnte. Waltraud ist bestimmt noch einen Zacken mürrischer geworden, als sie es eh schon war (lacht). Gerade das gefällt mir.

Vor acht Jahren hatten sich die drei Freundinnen für Telefonsex entschieden, um ihr Dorf zu retten. In der Fortsetzung belegen sie einen Tanzkurs. Was würden Sie tun, um ihr Dorf zu retten?

Schneeberger: Ich würde mein Dorf bestimmt nicht retten wollen, um schnelleres Internet zu bekommen. Ich würde auf die Straße gehen, und das tue ich auch, wenn die Landschaft immer weiter zugepflastert und zersiedelt wird. Für Internet würde ich nicht soviel investieren.

Man muss nicht zwangsläufig 24 Stunden am Tag erreichbar sein...

Schneeberger: Das finde ich auch. Es mag sein, dass für Firmen das schnelle Netz existentiell ist. Was ich aber so beobachte, wird es privat doch sehr viel zum Senden fürs hundertste Katzenvideo benutzt. Ich bezweifle, ob das zur Glücksvermehrung auf dem Dorf beiträgt.

Waltraud hat von den drei Freundinnen am wenigsten Illusionen. Dennoch lässt sie sich zum Tanzkurs überreden.

Schneeberger: Das ist halt unter Freundinnen so. In dem Alter von Waltraud hat man eh weniger Illusionen. Wenn Waltraud bei dem Vorhaben ihrer Freundinnen nicht mitmachen würde, ginge der Film auch nicht weiter. Für einen Film braucht es nicht so eine psychologische Logik.

Wie war das Tanztraining mit Jorge González?

Schneeberger: Das war ganz unkompliziert. Wir haben uns alle sehr gut mit ihm verstanden. Er war wie alle Profis ein ganz unprätentiöser Mensch. Man konnte ihn auch nach seiner Biografie fragen. Es war eine gute Begegnung mit ihm.

Stand von Beginn an fest, dass er eine Rolle übernehmen wird?

Schneeberger: Es wurde von Beginn an nach einem Plot gesucht, der dem Telefonsex aus dem ersten Film das Wasser reichen kann. Am Schluss entstand die Tanzidee und der Vorschlag, dass Jorge González den Frauen hilft. Ich kannte ihn vom Rumzappen aus dem Fernsehen, wusste aber noch nicht einmal, wie man seinen Namen ausspricht (lacht). Er hat sofort zugesagt für die Rolle, was ich toll fand.

Die bayerischen Komödien leben von ihrer Mundart. Fühlen Sie sich in ihren Rollen wohler, wenn Sie in Mundart sprechen können?

Schneeberger: Ja. Ich glaube jeder, der Dialekt sprechen kann, fühlt sich mehr daheim, wenn er dies im Film sprechen kann.

In welchem Genre fühlen Sie sich zu Hause?

Schneeberger: Schon in der Komödie. Aber ich mag es immer sehr, wenn es einen traurigen oder dramatischen Aspekt gibt. Das ist für mich die perfekte Mischung für einen Film. In meinem Alter geht man ja öfters auf Beerdigungen. Jede Beerdigung hat auch etwas unfreiwillig Komisches an sich. Wenn ich privat ins Kino gehe, dann gar nicht unbedingt in Komödien, sondern eher in abgrundtief satirische oder traurige Filme. Zuletzt habe ich „So wie du mich willst“ mit Juliette Binoche gesehen, der mir sehr gut gefallen hat.

Auf was dürfen sich die TV- und Kino-Zuschauer demnächst freuen?

Schneeberger: Ich war dieses Jahr sehr faul und habe bewusst ausgesetzt. Ich habe nur an einem Tag für die Nachverfilmung der Hannelore Elsner Geschichte vor der Kamera gestanden. Ansonsten wird gerade etwas für mich geschrieben, aber darüber kann ich noch nichts verraten.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch!

Auch interessant

Meistgelesen

„Der Weg in ein glückliches Leben“ von Petra Denninger zum Thema Coaching
„Der Weg in ein glückliches Leben“ von Petra Denninger zum Thema Coaching
Projekt ASB-Wünschewagen Allgäu-Schwaben feiert einjähriges Bestehen
Projekt ASB-Wünschewagen Allgäu-Schwaben feiert einjähriges Bestehen
Maximilian Hartleitner möchte Bürgermeister von Buchloe werden
Maximilian Hartleitner möchte Bürgermeister von Buchloe werden
Bauausschuss befasst sich mit Notsicherung des Stadtsaals Buchloe
Bauausschuss befasst sich mit Notsicherung des Stadtsaals Buchloe

Kommentare