Stadt verleiht sich Baupreise

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Schreiben Sie der Kaiserin zu Themen, Veranstaltungen und vielleicht sogar Gerüchten. SMS und Whats App an 0178-6820900 oder per Mail an: diekaiserin@kreisbote.de

Liebe Leserinnen und Leser, Kaiserinnen sagt man nach, sie würden in Wirklichkeit die Geschäfte ihrer Männer lenken. In unserem Falle hat der ehrwürdige Kaiser Maxi von damals abgedankt und die Geschäfte seiner Kaiserin übergeben.

Die Kaiserin ist von nun an allgegenwärtig in unserer schönen Stadt. Sie wird über vieles Gute, aber auch die von Schatten bedeckten Seiten der Stadt berichten. Die Augen und Ohren der Kaiserin sind allgegenwärtig, denn wie auch im wahren Leben erhört sie die Stimme des Volkes und trifft ein faires und gerechtes Urteil.

Im Übrigen, die Kaiserin freut sich sehr über Zusendungen von Ihren Themen, Veranstaltungsterminen und vielleicht sogar Gerüchten?

SMS und Whats App an 0178-6820900 oder per E-Mail an: diekaiserin@kreisbote.de.

Bürgerinnen und Bürger,

es ist einfach immer wieder schön zu sehen, was Kaufbeuren zu bieten hat. Neue Bauten verändern unser Stadtbild zunehmend. Das niedrige Zinsniveau ermöglicht immer mehr Familien den Umzug ins Eigenheim. Und wer genug Geld hat, der investiert. Nur schade, dass Kaufbeuren als kreisfreie Stadt wenig Erweiterungspotenzial besitzt. Zu wenig Grundstücke für Einfamilienhäuser und Gewerbeansiedlungen. 

Der jüngste Vortrag von Professor Michaeli von der TU München vor wenigen Wochen hat vielen Besuchern des Bürgerforums die Augen geöffnet. Kaufbeuren hat vor Jahrzehnten den Anschluss verpasst. Unternehmen können nur mit Steuererleichterungen, Familien mit Zuschüssen gelockt werden. Dies gilt allerdings nur für Familien, die von Außerhalb in unsere kleine Stadt kommen. Es kann sich also lohnen, Kaufbeuren zu verlassen und ein paar Jahre später mit drei Kindern wieder zu kommen. 

Kaufbeuren versucht dennoch – entgegen aller Erwartungen – einen Aufstieg hinzulegen. Unsere Stadtspitze hat in den vergangenen Jahren hierzu nun wirklich alles richtig gemacht. Sie überzeugten die Firma HAWE Hydraulik weiterhin vom Standort Kaufbeuren. Ok, dafür ist für das Unternehmen der Begriff „Gewerbesteuerhebesatz“ sicher ein Fremdwort. 

Nach langen Jahren Wartezeit bauen wir für viele Millionen Bau- und laufenden Unterhaltskosten ein neues Stadtmuseum und erhalten dafür den Bayerischen Museumspreis – toll. Auch das Gablonzer Siedlungswerk baut neue Wohnungen, die Altstadtsanierung beginnt und die Sparkasse baut eine pompöse neue Hauptfiliale. 

Gut, dafür schließen sie nun aber auch die weniger attraktiven Standorte und zwingen ihre treuen Rentner in die Stadt oder an den Computer. Jungunternehmer Markus Mölzer verwandelt mit viel Geld (für ihn) das alte Pic in eine moderne Diskothek, das Stadttheater erhält ein neues Foyer, der Matthias Lauber Kindergarten wird innen hui (außen Platte) und ein paar betuchte Bürger, teilweise auch Architekten, bauen neue Häuser auf oder Alte um. 

Na welch ein Glück, dass erst vor wenigen Tagen der Baupreis Kaufbeuren verliehen wurde. Eine unabhängige Jury besichtigte und bewertete diese. Das Ziel: Neu- und Umbauten der vergangenen vier Jahre auszuzeichnen. Mehrere Millionen Euro flossen in diese Bauprojekte. Als Dank gibts Ruhm, Anerkennung und stolze 500 Euro – sensationell. Zudem ist es selbst der unabhängigen Jury möglich gewesen, die aus politischer Sicht besten Preisträger zu küren. 

Kemptener Tor und Stadtmuseum gewinnen in der Kategorie öffentlicher Raum, HAWE Hydraulik in der Kategorie Gewerbe und das Gablonzer Siedlungswerk räumt den Baupreis für Wohnbau ab. Es wäre Mutmaßend, würde man zwischen Sparkasse, dem Gablonzer Siedlungswerk und der CSU eine Verbindung sehen. Aber manchmal muss auch der Blick hinter die Kulissen erlaubt sein. Viel zu oft hört man vom intimen Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik. Warum sollte dies nicht auch in Kaufbeuren so sein? 

Die Verbindung mag manchen Betrachter etwas seltsam vorkommen, gleichwohl der Preis nicht wirklich eine Bedeutung hat. Er ist fast schon obsolet. Eine entwicklungsschwache Stadt verleiht Preise an die einzig vorhandenen Prunkbauten, denen sie selbst in langen Baugenehmigungsverfahren zugestimmt, oder diese sogar mit beeinflusst haben. 

Das Bild in meiner Glaskugel für den Baupreis 2019 wird gerade ganz klar. And the Winner is: Forettle-Center, Eisstadion und der Fördermittelgrünflächenbereich vor dem Stadttheater. Wo muss ich mich für die Jury bewerben?

 Übrigens: Die 500 Euro Preisgeld sollen die Bauherren zu weiteren, architektonischen Meisterwerken ermutigen. Allein die Stadt Kaufbeuren erhält dieses Jahr wohl 1.000 Euro aus den eigenen Mitteln. Ich freue mich also jetzt schon auf weitere planerische Meisterleistungen.

Mit hoheitlichen Grüßen,

Ihre Kaiserin

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