Serie: Burgen im Ostallgäu Burgenführer

+
Der Innenwall des Schlossbergs Hirschzell mit Ausbruchsspuren des Berings.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wur- de von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

Südöstlich des Kaufbeurener Ortsteiles Hirschzell liegt der Schlossberg Hirschzell. Man fährt die Schlossbergstraße bis zum Ende, lässt dort sein Auto stehen und läuft die Anhöhe Richtung Westen. Wo die Hochebene zu einem „Spitz“ oberhalb des Ortes zusammenläuft erkennt man schon den mächtigen Außenwall und den ebenfalls mächtigen Graben der Burg Hirschzell. 

Diese Burg zählt zu den typischen Spornburgen, die es in dem hügeligen Allgäu recht häufig gibt. Es ist eine der leichtesten zu erstellenden Burgformen: „Man nehme einen Bergspitz und trenne ihn durch einen Graben und Wall von dem Rest des Berges“, lacht Finger. 

Der Schlossberg verfügt jedoch nicht nur wie erwähnt über einen mächtigen Außenwall und einen Graben, sondern auch über einen Innenwall, der allerdings kleiner gehalten ist. Zudem ist der südliche Burghügel von einem heute noch schwach erkennbaren Graben und Wall umgeben. 

„Auf der Oberfläche des Schlossberges sieht man, neben dem obligatorischen Gedenkstein, zwei große Vertiefungen. Die eine reicht bis an die nördliche Außenseite des Burgareals“, so Götz Finger. 

Hier könnte es sich laut Finger um die Ausbruchsspuren des ehemals mächtigen Turmes handeln, der die Burg einst bekrönte. Denn auf der Kaufbeurener Landtafel ist die Burg Hirschzell abgebildet mit einem Bering, der im Vordergrund ein Tor aufweist und im Hintergrund in einen Turm endet. „Von den Gebäuden, die hier hinter dem Tor liegen ist leider nichts mehr zu erkennen. Nur von dem vermutlich großen Palas, von dem man hinter der Gebäudereihe nur das Dach erkennt, könnte die zweite Große Vertiefung stammen. 

• Die erste Erwähnung eines Adelsgeschlechtes in Hirschzell stammt laut Finger aus dem Jahre 1150. Hier wird ein Rüdiger von Hirschzell als Zeuge einer Schenkung an das Kloster Polling erwähnt. „Hierbei ist auf eine der Schwierigkeiten in der Burgenforschung hinzuweisen. Es werden selten die Burgen erwähnt, sondern immer nur Adelsgeschlechter“ sagt der zertifizierte Burgenführer. 

• 1290 wird ein Otto von Hirschzell Zeuge der Investitur der Kirche in Westendorf 

• 1316 werden letztmals Mitglieder derer von Hirschzell erwähnt. Hier als Stifter und Wohltäter für das Spital in Kaufbeuren. 

• 1531 hat eine Dorothea von Rehlingen in Hirschzell ein Dominikanerkloster gestiftet, das nur vier Jahre bis 1535 bestanden hat. Angeblich haben diese Nonnen auf dem Schlossberg, der übrigens damals schon als Burgstall bezeichnet wurde, gelebt. 

Wann genau die letzten baulichen Reste komplett verschwanden, ist jedoch völlig unklar. Seltsamerweise wird die Burg Hirschzell auf der „Kaufbeurener Landtafel“ von circa 1550 noch komplett abgebildet. Noch mehr Unklarheiten gibt es für Götz Finger auf dieser Landtafel: „Es werden des weiteren die Burgen Kemnat und Helmishofen als Ruinen dargestellt, was diese zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht waren“.

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Behinderungen auf der B12
Behinderungen auf der B12

Kommentare