Große Resonanz auf Wiedereröffnung der Kaufbeurer Wärmestube

Eine Stätte der Menschlichkeit

+
Die feierliche Eröffnung der neuen Wärmestube zog viele Besucher an.

Kaufbeuren – Viele wichtige Vertreter aus Politik und Kirche bekundeten vergangenen Woche zur feierlichen Einweihung der Kaufbeurer Wärmestube ihr großes Interesse an der Wiedereröffnung der Einrichtung in der Inneren Buchleuthenstraße.

In ihren Reden kam die Freude über das gelungene Projekt sowie die Bedeutung sozialen Handelns in der Gesellschaft zum Ausdruck. Für musikalische Untermalung sorgte das Kaufbeurer Blechbläserensemble.

Mit der Wiedereröffnung der Wärmestube des Katholischen Verbandes für soziale Dienste (SKM) gehe ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, so Johann Marschall, Vorsitzender des SKM Kaufbeuren-Ostallgäu. Die Wärmestube sei mehr als ein Gebäude; sie sei eine „Herzensangelegenheit“ und stelle eine niedrigschwellige Anlaufstelle dar, die für obdachlose und wohnungslose Menschen ganzjährig geöffnet ist und als „Ort der Begegnung“ Schutz vor dem Ausgeliefertsein in der Öffentlichkeit biete.

Das ursprüngliche Gebäude der Wärmestube am Crescentiaplatz war, so Marschall, marode und renovierungsbedürftig und so bestand dringender Handlungsbedarf. Nur das „Gemeinschaftswerk“ der vielen Helfer und Sponsoren hätte dieses Bauvorhaben möglich gemacht. So ging der Dank unter anderem an die Stadt Kaufbeuren, Lions Club und Rotary Club, Beteiligte aus Schule und Wirtschaft, ehrenamtliche Helfer, Schwester Regina Winter als stellvertretende Vorsitzende der SKM und besonders die Leiterin der Wärmestube, Gabriele Boscariol. Sie alle trügen dazu bei, dass Menschen in Not die gesuchte Begleitung bekommen und ihnen ihre Menschenwürde zurückgegeben wird.

Auch Oberbürgermeister Stefan Bosse war überzeugt, dass der lange Weg sich gelohnt hat und sah die hohe Akzeptanz als klaren Beleg dafür, dass das Konzept klappt.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer schätzte den Wert dieser Arbeit ebenfalls hoch ein: Nur wenn Kräfte sich vereinen, könne man solche Projekte verwirklichen. Objektiv betrachtet gehe es uns hierzulande finanziell gut – umso wichtiger sei es, diejenigen nicht zu vergessen, die ärmer sind. Humaner Fortschritt sei von großer Bedeutung, um keine „kalte und dadurch instabile Gesellschaft“ zu werden. In diesem Sinne rief Pschierer dazu auf, weiter freiwillige Hilfe zu leisten, so dass die Menschen „die Zuwendung erhalten, die sie verdienen“.

„Armut ist da, Hunger und Verzweiflung sind da“, mahnte auch Dr. Klaus Donaubauer als Direktor der Bischöflichen Finanzkammer dazu, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Insofern sei dieses soziale Engagement ein „Zeichen für eine bestimmte Haltung“, und so sprach er seine Bewunderung für eben jenen Einsatz aus, der sich leise, aber wirksam vollziehe. Arme seien „kein Problem, sondern eine Ressource, die es wert ist, gefördert zu werden“.

Josef Miller, Staatsminister a. D., sah in dieser Aktion die Verkörperung christlicher Werte. „Der heilige Vater hätte größte Freude daran“, war sich Miller sicher. Schließlich werde der Zustand einer Gesellschaft danach bewertet, wie sie mit den Bedürftigen umgehe. Dazu zitierte er den Philosoph Hans Jonas: „Das Vorbild aller Verantwortung ist die von Menschen für Menschen“.

Wolfgang Krell, Geschäftsführer des SKM-Diözesanverbands, ergänzte in diesem Sinne: „Wer den Menschen helfen will, muss sie mögen und mit offenem Herzen auf sie zugehen“. Wenn man sie als „gescheiterte Existenzen“ ansieht, versäume man, dass Scheitern zum Mensch-sein dazugehört.

Auch Diözesan-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg war es in seiner Rede ein Anliegen, von abstrakten Begrifflichkeiten wegzukommen, den Menschen „ein Gesicht zu geben“, denn Armut habe viele Gesichter und sei ein Bündnis komplexer Umstände. Er habe gelernt, damit aufzuhören ein Urteil zu fällen, jeden als liebenswerten Menschen wahrzunehmen, als „Mensch wie du und ich“ hinter dem Einzelschicksale stecken. Faktoren wie eine schlechte Bildung seien eine „gute Voraussetzung, in die Armutsspirale zu geraten“. Und der Einzelne hätte die Verantwortung, diese Menschen in ihrer Not mitzutragen.

Anschließend wurden die neuen Räumlichkeiten gesegnet und von den zahlreichen Besuchern besichtigt. Einiges war hier zu machen, wie auch Architekt Walter Rohrmoser bestätigte, durch die gute Zusammenarbeit aber gelang das Bauprojekt. Nun stehen den Besuchern im Erdgeschoss eine Küche mit kleinen Mahlzeiten zur Verfügung, Übernachtungsmöglichkeiten im ersten Stock und ein Gruppen- und Pädagogikraum im Dachgeschoss. Damit ist die Reise der SKM und ihrer Wärmestube aber noch lange nicht beendet: Helfer und Spenden sind immer erwünscht und werden gebraucht, um die Erfolgsgeschichte des humanen Handels weiterzuführen.

Von Mahi Kola

Auch interessant

Meistgelesen

Video
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Neues Konzept für alten Friedhof
Neues Konzept für alten Friedhof
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit

Kommentare