Vor genau einhundert Jahren wurde der Verein gegründet

Großes Jubiläum beim Veteranen-Verein Weinhausen

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Für 50-jährige Mitgliedschaft im Veteranenverein Weinhausen wurde Josef Schmid mit einem Geschenkkorb geehrt: 1. Vorsitzender Remigius Erhardt (v. li.), 2.Vorsitzender Franz Baumann, der Jubilar Josef Schmidt und Jengens 1. Bürgermeister Franz Hauck.

Jengen-Weinhausen – Am 2. Februar 1919 gründeten Weinhausener Kriegsteilnehmer, die eben erst die Schrecken des 1. Weltkrieges überlebt hatten, ihren Verein, aus einer gewissen Dankbarkeit heraus, wieder in ihrer geliebten Allgäuer Heimat sein zu dürfen. Genau einhundert Jahre später, am 2. Februar 2019 wurde, wie in all den zurückliegenden Jahren, im Gedenken an die vielen Opfer und Gefallenen der beiden Weltkriege, traditionsgemäß der Weinhausener Veteranenjahrtag begangen.

Trotz schlechter Witterungsverhältnisse zu Beginn versammelten sich zahlreiche Vereinsmitglieder und Gäste unter der altehrwürdigen Fahne des Weinhausener Veteranenvereins und zogen von einer Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr und der örtlichen Musikkapelle begleitet zur Dorfkirche „St. Felizitas und ihre sieben Söhne“. Kaplan Maria Augustine Raj Don Bosco erinnerte in seiner Predigt an jene schlimmen Jahre, in denen Millionen von Menschen durch Krieg, Flucht und Vertreibung ihr Leben verloren haben. „Diese Kriege wurden von Menschen verursacht“, mahnte dabei der Geistliche. „Jedoch können wir aus unserer christlichen Überzeugung unser Leben neu gestalten. Und so kann uns dieser heutige Tag auch bewusst machen, wie wertvoll das Leben ist“.

Anschließend senkten sich die mitgeführten Fahnen am Kriegerdenkmal. Vereinsvorsitzender Remigius Erhardt ging in seiner Rede zunächst auf dieses Denkmal und seine Geschichte, sowie auf einhundert Jahre Veteranenverein Weinhausen etwas näher ein und meinte: „Nach einhundert Jahren ist Dankbarkeit angebracht“. Und so sprach er Dankesworte an alle Teilnehmer der knapp 90 Jahrtagen aus. Dank auch an alle, die sich im Verein engagieren und ihn in all den Jahren mit Leben erfüllt haben. Dank an die Geistlichen und an die Verantwortlichen der politischen Gemeinden – früher Weinhausen und in heutiger Zeit die Gemeinde Jengen. Nach mahnenden Worten des Gedenkens an die Gefallenen aus dem Ort und aller Opfer von Krieg und Gewalt, endete diese Gedenkfeier mit drei Salutschüssen durch Kanonier Josef Erhardt.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Bürgerheim folgte anschließend die Jahresversammlung, in der noch einmal an die wichtigsten Ereignisse der zurückliegenden einhundert Jahre erinnert wurde. Demzufolge zählte der Veteranenverein Weinhausen im Gründungsjahr 95 Mitglieder und wuchs bis zu 188 Personen an. Heute sind es an die 60 Mitglieder, die dem Verein bereits in zweiter und sogar schon dritter Generation die Treue halten. Im Jahre 1984 starben mit August Schmid und Alois Zengerle die beiden letzten Gründungsmitglieder und 2012 mit Ludwig Niedermaier der letzte verbliebene Kriegsteilnehmer.

Interessantes gab es auch über die Vereinsfahne zu berichten. Im Jahre 1922 wurde sie angeschafft, wobei deren Finanzierung in erster Linie durch freiwillige Milchlieferungen der ansässigen Landwirte nach München damals ermöglicht wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde im Dezember 1952 der Verein wieder gegründet und die Vereinsfahne, die all die Schreckensjahre, hinter einer Dachverschalung versteckt, überdauert hatte, aufwendig restauriert und neu gesegnet.

Es folgte der Kassenbericht und ein Grußwort von Bürgermeister Franz Hauck. Dabei erinnerte das Gemeindeoberhaupt daran, dass immer wieder darauf hingewiesen und ins Bewusstsein aller gerufen werden müsse, in welch einer friedlichen Zeit wir jetzt leben dürfen.

Für 50-jährige Mitgliedschaft ehrte die Vorstandschaft Josef Schmid. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Fahnenabordnung mit Xaver Maier, Josef Waggin und Thomas Fichtl für deren Einsätze gedankt. Ebenso Brigitte Wagner für die Pflege des Kriegerdenkmals.

Vorausschauend bezeichnete Remigius Erhardt den 14. Juli als einen weiteren Höhepunkt im Vereinsjahr 2019. An diesem Tag feiert dann der Veteranenverein gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Weinhausen, die an diesem Tag ihr 125-jähriges Jubiläum feiert, noch einmal nachträglich seinen hundertsten Geburtstag.

Stille und eine gewisse Betroffenheit herrschte im Raum, als Lehrer Hubert Zecherle von der Mittelschule Buchloe in Wort und Bild über eine Projektfahrt „Arbeit für den Frieden“ der neunten Klassen nach Lommel in Belgien berichtete. Insgesamt 26 Schüler hatten sich freiwillig gemeldet und leisteten Pflegearbeiten auf dem größten deutschen Soldatenfriedhof in Westeuropa. Diese Pflegearbeit bezeichnete Zecherle als wertvollen Bestandteil der Erinnerungskultur und Mahnung zum Frieden, sowie praktischen Geschichtsunterricht. Zum Gelingen dieser Fahrt hatte auch der Veteranenverein Weinhausen, zusammen mit weiteren Veteranen- und Kameradschaftsvereinen der Umgebung, mit einer Spende beigetragen, so dass diese Projektfahrt ohne Defizit abgeschlossen werden konnte. Mit einem Bild vom Grab des jüngsten deutschen Gefallenen in Lommel, einem 15-jährigen Jungen, endete dieser interessante Bericht, der allen Anwesenden zeigte, dass den Gefallenen auch in heutiger Zeit durch junge Menschen Achtung und ein ehrendes Gedenken entgegengebracht wird.

von Klaus-Dieter Körber

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