Grünen-Politiker Ludwig Hartmann zum umstrittenen Ausbau der B12

"Fläche ist ein begrenztes Gut"

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Beim Felderwirt warb Ludwig Hartmann (rechts), Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, für eine gesetzlich verankerte Begrenzung des Flächenverbrauchs in Bayern.

Unterthingau – Mit einer stattlichen Breite von 28 Metern soll sich die B12 künftig durchs Ostallgäu von Jengen bis Marktoberdorf und weiter nach Kempten schlängeln. So sieht es die Planung des Staatlichen Bauamts vor, die mit vier Fahrspuren plus Mittel- und Standstreifen rechnet. Allein das nördliche Teilstück soll 120 Millionen Euro kosten. „Die Luxusausführung an Bundesstraße“, betitelte dies der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, jüngst.

„Aber brauchen wir diesen Luxus angesichts der bekannten negativen Folgen für Umwelt und Menschen, die der immense Flächenverbrauch in Bayern mit sich bringt?“ Zur Diskussion dieser Frage hatte Hartmann am vergangenen Dienstag gemeinsam mit Dr. Günter Räder, dem Kreisvorsitzenden und Direktkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Ostallgäu, nach Unterthingau eingeladen.

Eine kleine Runde fand sich dort im Felderwirt ein, die den Ausbau der Bundesstraße zwar nicht gänzlich in Frage stellte. Und doch deren Ausführung in einem vernünftigen Maß verwirklicht sehen wollte. Rund 50 Hektar Grund würden allein durch die Verbreiterung der Straße versiegelt werden, berichtete der grüne Bundestagskandidat Dr. Günter Räder. Sollten neue Auffahrten und Gewerbegebiete dazukommen, wäre mit weiteren 300 Hektar Betonlandschaft zu rechnen. „Das bedeutet auch den Verlust von Heimat“, warnte Räder entschieden. Und Landtagsabgeordneter Hartmann beschrieb, wie der autobahnähnliche Ausbau einer Straße das Landschaftsbild verändern werde. Neben dem Verlust landwirtschaftlich genutzter Flächen würden Gewerbegebiete an den Auf- und Abfahrten aus dem Boden schießen, so Hartmann, der zahlreiche Beispiele aus ganz Bayern aufzählte. Logistik- und Einkaufszentren auf der grünen Wiese würden das Sterben der Dorfkerne und ihrer In­frastruktur bedeuten. „Wollen wir das?“ fragte der Grünenpolitiker, der seit Jahren eine Begrenzung des Flächenverbrauchs fordert.

13 Hektar pro Tag

Die B12 zwischen Unterthingau und der Abfahrt bei Geisenried.

Vor allem Landwirte sehen den Ausbau der B12 skeptisch (wir berichteten). Sie fürchten um den Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Flächen. Grünen-Politiker Hartmann stieß ins selbe Horn: „Fläche ist ein wertvolles, ein begrenztes Gut.“ In Bayern würden momentan jeden Tag gut 13 Hektar zubetoniert. Und auch Martin Stadler, der stellvertretende Kreisobmann vom Bauernverband Ostallgäu, mahnte, den Ausbau der B12 auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. „Wir brauchen diese Straße, aber würde nicht ein reduzierter vierspuriger Ausbau ähnlich der B19 von Kempten nach Sonthofen genügen?“ Auch Michael Abel, Bürgermeister von Kraftisried, wies auf die Gefahr hin, dass eine in voller Breite ausgebaute B12 vielen Lkws künftig als Mautfluchtstrecke dienen könne.

Und Sibylle Ulrich aus Frankenried fürchtete um das Gesicht des Allgäus, wenn an jeder Auffahrt „Industrieblöcke und Betonruinen“ entstehen.

Volksbegehren

Was aber tun? Denn der Ausbau der B12 ist mittlerweile im Bundesverkehrswegeplan verankert. Einer Flächenverschwendung sei nur zu begegnen, indem man sie generell gesetzlich begrenze, ist Grünen-Spitzenpolitiker Hartmann überzeugt. Nur wenn ihr Wert steige, würden Politiker wie Planer vernünftig mit dem Rohstoff Fläche umgehen. Das hätte dann auch Auswirkung auf eine Luxusversion der zukünftigen B12. Die Grünen streben daher ein Volksbegehren an, das festsetze, den Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag in ganz Bayern zu begrenzen. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, um die Betonflut einzudämmen. Wir müssen dabei auf nichts verzichten“, versicherte Hartmann. „Wir müssen nur intelligenter bauen.“ In die Höhe oder Tiefe also, und nicht weiter ungezwungen in die Breite. Für dieses Ziel will er im kommenden Jahr rund eine Million Wähler für ein Volksbegehren mobilisieren. Und Hartmann ist sich sicher: „Hier wird es einen Konsens über grüne Politik hinaus geben“.

von Angelika Hirschberg

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