Verkehrsausschuss empfiehlt Wiedereinführung an zwei Stellen

Der grüne Pfeil ist zurück!

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Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern sind der Polizei an dieser Stelle auch aus der Zeit vor Abschaffung des Grünen Pfeils nicht bekannt. Deshalb soll dieses Verkehrszeichen an der Einmündung Am Hang/Augsburger Straße das Rechtsabbiegen bald wieder erleichtern.

Kaufbeuren – Rund ein Jahr nach der Abschaffung des Grünen Pfeils im Stadtgebiet lautet die Bilanz: Weniger Unfälle mit Radlern oder Fußgängern. Dafür einige verärgerte Autofahrer. Denen kommt die Stadt nach eingehender Prüfung jetzt entgegen.

Die Abschaffung des Grünen Pfeils in Kaufbeuren hat 2013 so manchen hiesigen Autofahrer auf die Bar- rikaden gebracht. Seit die Hinweisschilder vor rund einem Jahr an sechs Stellen im Stadtgebiet entfernt wurden, hagelt es Beschwerden über lange Wartezeiten an den Ampeln – obwohl hier laut Stefan Horend von der Kaufbeurer Polizei durchaus auch „subjektives Empfinden“ eine Rolle spielt. Jetzt hat sich der Verkehrsausschuss erneut des Grünen Pfeils angenommen. Ergebnis: An zwei Stellen spricht laut dem Gremium nichts dagegen, das Verkehrszeichen wieder anzubringen – allerdings, so Oberbürgermeister Stefan Bosse, nur unter der Voraussetzung, dass zusätzliche Warnschilder und vermehrte Überwachung durch Polizeibeamte die Autofahrer zum korrekten Verhalten ermahnen.

„Sämtliche Studien und Erfahrungen zeigen: In ganz Deutschland verleitet der Grüne Pfeil Autofahrer zu falschem oder gar gefährlichem Verhalten“, machte Bosse – nicht zum ersten Mal – schon zu Beginn der Diskussion deutlich. Trotzdem stellten die Mitglieder des Verkehrsausschusses einzelne Kreuzungen und Einmündungen in Kaufbeuren noch einmal auf den Prüfstand. Wie Bruno Dangel, Leiter der Abteilung für öffentliche Ordnung, zusammenfassend feststellte, widersprechen die nüchternen Zahlen übrigens dem Empfinden vieler Autofahrer, es komme seit der Entfernung des Grünen Pfeils zu langen Staus und Wartezeiten. 

„Das Büro Prof. Dr.-Ing. Kurzak hat die durchschnittlichen Wartezeiten vor den entsprechenden Ampeln im vergangenen Jahr geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich für Rechtsabbieger keine signifikanten Änderungen ergeben haben“, resümierte Dangel. Im Fokus standen hier die Ampeln Johannes-Haag-Straße/Ganghoferstraße, Espachstraße/An der Schnelle, Am Hang/Augsburger Straße, Kelsstraße/Augsburger Straße und Buronstraße/Neugablonzer Straße.

Unterstützung bekam Dangel bei seiner Darstellung von Stefan Horend, Verkehrssachbearbeiter bei der Kaufbeurer Polizei. Er hat sich nach eigener Aussage oben genannte Verkehrsknotenpunkte über einen Zeitraum von drei Jahren angeschaut. „In den ersten beiden Jahren waren an einigen dieser Stellen Fahrradfah- rer überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt“, stellte er klar. Dagegen habe es 2013 ohne den Grünen Pfeil an diesen Knotenpunkten „keinen relevan- ten Unfall mehr gegeben, bei dem ein Radler durch einen Abbiegefehler oder das Überfahren einer roten Ampel zu Schaden kam“. 

"Nicht mehr zulässig" 

Diese Ergebnisse sind auch der Grund, warum an den Ampeln Espachstraße/An der Schnelle, Kelsstraße/Augsburger Straße und Buronstraße/Neugablonzer Straße der Grüne Pfeil definitiv ausgedient hat. „Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor: Wenn im Zeitraum von drei Jahren an einer Stelle mindestens zwei Unfälle passieren, die direkt mit einem Fehlverhalten am Grünen Pfeil in Verbindung gebracht werden können, ist dieser dort nicht mehr zulässig“, erklärte Polizist Horend. An der Buronstraße/ Neugablonzer Straße hätten sich zwei solcher Unfälle sogar innerhalb von zwei Jahren ereignet. „Der Grüne Pfeil hätte dort also sowieso früher oder später entfernt werden müssen – ebenso an der Espachstraße/An der Schnelle“ so Oberbürgermeister Bosse. Nicht als Unfallschwerpunkt bekannt sei dagegen laut Jürgen Schlamber, dem Zuständigen für das städtische Verkehrswesen, die Einmündung Kelsstraße/Augsburger Straße. Es sprachen aber andere Gründe gegen die Wiedereinführung. So seien hier sehr viele Passanten, Radler und Schulkinder unterwegs. 

Grünem Pfeil zugestimmt 

Ebenfalls an einem Schulweg liegt die Ampel Johannes-Haag-Straße/Ganghoferstraße. Auch trete eine Überlastung der Rechtsabbiegerspur laut dem Verkehrsgutachten von Prof. Dr.-Ing. Kurzak „nur äußerst selten auf“. Der abendliche „Spitzenwert“ liege bei neun wartenden Autos. Dies schien den Ausschussmitgliedern zwar keine dramatische Situation zu sein. Weil aber Unfälle mit schwächeren Verkehrsteilnehmern an dieser Stelle nicht bekannt sind, gab das Gremium hier „Grünes Licht“ für den „Grünen Pfeil“. Klar war die Sache bei der Einmündung „Am Hang“ in die Augsburger Straße: Hier sei die im Vergleich zu den anderen Fahrbahnen deutlich kürzere Rechtsabbiegespur laut Gutachten „oft überstaut“. Die Schlange der Fahrzeuge reiche vor allem abends manchmal bis zur Einmündung Mauerstettener Straße. Die Zahl der querenden Fußgänger und Radfahrer sei „sehr gering“, Unfälle mit diesen Verkehrsteilnehmern seien „nicht bekannt“. Eine leichte Entscheidung also für die Anwesenden, einer Wiedereinführung des Grünen Pfeiles hier vorbehaltlos zuzustimmen. 

"Nur mit Schildern" 

Allerdings, so kündigte der OB an, werde es die beiden Grünen Pfeile nur in Verbindung mit zusätzlichen Hinweisschildern geben. Wie diese genau aussehen sollen, ist in der StVO nicht vorgegeben. Bosse präsentierte zusammen mit der Verwaltung einige Vorschläge aus anderen Städten, die die Autofahrer dort entweder direkt an oder kurz vor der Ampel auf die wichtigsten Regeln hinweisen – zum Beispiel, dass an der Haltelinie auf jeden Fall gestoppt werden muss, bevor Grüner Pfeil und eine freie Fahrbahn das Rechtsabbiegen auch bei roter Ampel ermöglichen. Nach einiger Diskussion gab Baureferent Helge Carl mit dem Hinweis, man solle sich angesichts der Menge der bestehenden Schilder an eine schlichte Lösung halten, die allgemeine Richtung vor. Endgültig entscheiden muss nun der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung. von Michaela Frisch

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