Jetzt muss das Ministerium tätig werden

Gülleausbringung: Nach erfolgreicher Petition der Berglandwirte fordern sie erneute Tests

+
Mit der erfolgreich eingereichten Petition wurde eine wichtige Hürde genommen, doch bis zum Ziel ist es noch ein Stück. Wie es weiter geht, stellte MdL Bernhard Pohl (FW, 2. v. re.) zusammen mit den Landwirten Thomas Fleschutz (Günzach, rechts), Georg Wassermann (Albrechts, 2. v. li.) und Helmut Knestel (Hopferbach) vor.

Landkreis/Kaufbeuren – Die Landwirte im bayerischen Alpenvorland wehren sich gegen die Pflicht zur streifenförmigen Gülleausbringung ab dem Jahr 2025. Das erste Etappenziel war die nun erfolgreich eingereichte Petition der Allgäuer Bergbauern.

Sie fordern darin vom Bayerischen Landtag, von der Düngeverordnung 2025 ausgenommen zu werden.

Doch wie geht es jetzt weiter? Die nächsten Schritte stellte der Allgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Frei Wähler) am Dienstag zusammen mit drei Landwirten in seinem Kaufbeurer Büro vor.

Das vorrangige Ziel der Initiatoren besteht darin, die Berglandwirte aufgrund der naturräumlichen und agrarstrukturellen Besonderheiten von der Verschärfung der Düngeverordnung 2025 auszunehmen. Dies forderten sechs Landwirte aus Obergünzburg und Günzach unter der Federführung von Rudolf Rauscher und Thomas Fleschutz gemeinsam mit Bernhard Pohl und der Günzacher Bürgermeisterin Wilma Hofer sowie der FW-Kreisvorsitzenden des Ostallgäus, Susen Knabner, in einer Petition an den Bayerischen Landtag. 

14.000 Unterschriften

Vergangene Woche hatte der Ausschuss für Landwirtschaft und Forsten des Landtags die Petition, die von über 14.000 Unterschriften von Landwirten getragen wird, mit den Stimmen aller Fraktionen einhellig positiv beschieden. Dabei wurde auch die Anmerkung der CSU umgesetzt, die Petition dürfe sich nicht nur auf das Allgäu beziehen, sondern müsse den Alpenländischen Raum umfassen. Der Ausschuss plädierte für „Würdigung“ und fordert damit die Staatsregierung auf, auf der Grundlage dieses Votums eine Lösung im Sinne der Landwirte zu finden.

Wenn die Landwirtschaft ab dem Jahr 2025 Gülle nur noch in neuen Fässern nach dem Schlitz-, Schleppschlauch- oder Schleppschuh-Verfahren ausbringen dürfte, müsste jeder einzelne Betrieb neue Güllefässer und Zugmaschinen anschaffen. Das wären, so die Berechnung der Bauern, Investitionen im unteren bis mittleren sechsstelligen Bereich und für viele Landwirte ruinös. Die bisherigen Maschinen würden zudem wertlos, merkte der Günzacher Landwirt Fleschutz im Pressegespräch an. 

Funktioniert nicht im Bergland

„Wir verteufeln die Technik nicht und möchten den Schleppschuh nicht schlechtreden“, nur funktioniere dieses Verfahren eben nicht im Bergland, sagte Fleschutz weiter. Es würde nur dazu führen, dass die Gülle ungleichmäßig auf den Feldern verteilt würde und „Güllewürstchen“ entstünden, die wiederum von den Rindern gefressen werden könnten. Das hätte Euterentzündungen, Fieber, Koliken bis hin zum Tod zur Folge.

Da sie dies nicht in Kauf nehmen wollen, plädieren die Bauern „für eine gute fachliche Praxis“, die Witterung, Temperatur, Niederschlag und Verdünnung der Gülle berücksichtigt. Die Landwirte in den Regionen mit Hangneigung hätten, wie es in der Petition heißt, „noch eigene Güllefässer, die grünlandtauglich sind und eine bodennahe Ausbringung ermöglichen“. Durch die angewandte Verteiltechnik seien die Landwirte in der Lage, mit großer Tropfenbildung und einer zu zehn Prozent mit Wasser verdünnten Gülle eine Ausgasung und damit Geruchsemissionen nahezu zu vermeiden.

Zukunftsperspektive geben

„Nun ist das Landwirtschaftsministerium am Zug!“, zeigt Pohl den weiteren Weg auf. Notfalls werde er immer wieder nachfragen, wie weit die Dinge gediehen sind. Den Kleinbauern müsse eine Zukunftsperspektive über das Jahr 2025 gegeben werden. Wichtige nächste Schritte seien nun einerseits, dass die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ins Allgäu kommt und sich die Situation ansieht. Sie habe bereits zugesagt, nur der Termin stünde noch nicht fest, so Pohl. Andererseits müssten, so fordern es die Landwirte, weitere Gülleversuche am Kemptener Spitalhof unter Realbedingungen durchgeführt werden. Mit den bisherigen Versuchen sind die Landwirte nicht zufrieden, da die Verfahren auf Kleinparzellen und per Hand nachgeahmt worden seien. „Und das wird dann als wissenschaftlicher Versuch verkauft“, monierte Fleschutz. Durch die Würdigung der Petition werde das Ministerium nicht drum herumkommen, dass praxisnahe Tests durchgeführt werden. Die würden beweisen, dass das neue Verfahren untauglich sei, so der Landwirt.

Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

B12-Ausbau: Aktionsbündnis fordert geringere Ausbaubreite
B12-Ausbau: Aktionsbündnis fordert geringere Ausbaubreite
Morgen fahren keine Schulbusse in Kaufbeuren
Morgen fahren keine Schulbusse in Kaufbeuren
Erste Abschlussfeier an der Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe Buchloe
Erste Abschlussfeier an der Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe Buchloe

Kommentare