Ein Versäumnis?

Günzachs Bürgermeisterin soll Bewerbung einer Konkurrentin verschwiegen haben

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In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag soll Bürgermeisterin Wilma Hofer zum einen gesagt haben, dass sie entgegen ihrer Aussage vom Frühjahr doch erneut für das Amt kandidieren werde und zum anderen, dass es keine weitere Bewerbung gebe.

Günzach – Ob absichtlich oder nicht, darüber im Streit sind die Gemeinderäte und die Bürgermeisterin von Günzach. Rathaus­chefin Wilma Hofer nennt es „ein Versäumnis“, ein Teil der Räte geht davon aus, dass sie absichtlich dazu geschwiegen habe, dass es eine Bewerbung auf das Bürgermeisteramt gibt.

In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag soll Hofer zum einen gesagt haben, dass sie entgegen ihrer Aussage vom Frühjahr doch erneut für das Amt kandidieren werde und zum anderen, dass es keine weitere Bewerbung gebe. Eine Behauptung, die Gemeinderat Manfred Vetter anzweifelt.

Hofer nannte es „ein unglückliches Zusammentreffen“, dass sie es ausgerechnet bei ihrer Verkündung, doch erneut um das Bürgermeisteramt in den Wahlkampf zu gehen, versäumte, von der E-Mail einer potenziellen Kandidatin zu berichten. Den Vorwurf der Absicht in dieser Sache weißt Hofer energisch zurück: „Das war garantiert keine Absicht“, sagte sie dazu auf Nachfrage des Kreisbote. Außerdem tue es ihr „furchtbar leid“. 

Frage bleibt offen

Der Umstand, dass sie im Zusammenhang mit ihrer Absicht, im Amt zu verbleiben, über diese Bewerbung geschwiegen und sogar behauptet haben soll, es gebe keine, machte einige Gemeinderäte stutzig. Es war dann auch Vetter, der Hofer widersprach. Ihm lag ebenfalls eine E-Mail vom 24. November mit besagter Bewerbung vor. Als auf seine Richtigstellung hin die Räte Hofer damit konfrontierten, habe sie wohl zugegeben, von der E-Mail zu wissen. Entsprechend groß fällt die Kritik einiger Gemeinderäte an der Rathauschef­in aus. Offen blieb zudem die Frage, weshalb sie das Gremium nicht informierte.

Hofer ist seit 2014 im Amt. Damals kandidierte sie für die Wahlliste Pro-Günzach. Nach eigener Aussage im Frühjahr dieses Jahres plante sie bei der kommenden Kommunalwahl nicht mehr kandidieren zu wollen. Damals sprach sie von „persönlichen Gründen“ aus denen sie sich nicht mehr zur Wahl stellen wollte. Da es bis Anfang November keine Kandidaten für das Amt des Rauthauschefs gab, wurde die Gemeinde aktiv. In einem Flyer, der dem „Günzacher Gemeindeblättle“ beigelegt und auch online präsentiert wurde, suchte die Gemeinde nach geeigneten Bewerbern.

„Wie kommen wir sauber aus der Sache raus?“

Offiziell verkündete Hofer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, auch weiterhin das Amt besetzen zu wollen, obwohl nun besagte Vorwürfe gegen sie im Raum stehen. „Das ist mehr als schlecht und unglücklich gelaufen. Die Frage ist nun: Wie kommen wir sauber aus der Sache raus?“, sagte sie dem Kreisbote. Denn Hofer will um ihr Bürgermeisteramt kämpfen. Sie strebe an, „bei dem ganzen Schlamassel“ eine saubere Wahl hinzubekommen. „Noch ist ja nichts entschieden“, sagte sie. „Es hat ja noch keine Nominierungsveranstaltung stattgefunden“. 

Außerdem wisse sie nicht, wie die Bewerbungs-E-Mail zu Vetter gelangt ist. Vetter wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern, sagte aber, dass die Information nicht weitergegeben worden sei. Eine Information, die nicht nur dem Gemeinderat weitergegeben werden müsste, sondern, so der Gemeinderat, auch an die Bürger der Gemeinde. „Wer, wie, wann, warum, tut im Nachhinein nichts zur Sache“, sagte er.

Flyer zur Kandidatensuche

Ihr eigenes „Versäumnis“ bedauernd, hoffe Hofer nun, dass die Günzacher sie an ihrer geleisteten Arbeit messen. Dass die Bewerbung „nur als E-Mail“ an sie gesendet wurde, sei ihrer Meinung nach ebenfalls „ein Versäumnis“. Das entspreche nicht dem regulären Bewerbungsverfahren, sagte sie. Auf dem Flyer zur Kandidatensuche heißt es jedoch: „Bei Interesse melden Sie sich bitte bei der Bürgermeisterin.“

Eine Stellungnahme des Landrats­amtes zu dem Fall lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Jedoch ist es laut Kommunalwahlrecht Aufgabe der Parteien und Wählergemeinschaften, Kandidaten zu suchen und zu nominieren. Durch diese Prozedur könne Neutralität gewährleistet werden.

von Selma Höfer

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