Gemeinsam Natur entdecken

Projekt „Lebensraum Kulturgarten“ in Neugablonz sollte Schule machen

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Selbst gebaute Insektenhotels gehören zu dem ökologischen Projekt wie Natur- und Nutzpflanzen.

Kaufbeuren – Das unlängst vor dem Integrationsbeirat vorgestellte komplexe und nachhaltige Naturprojekt „Lebensraum-Kulturgarten“ der Gustav-Leutelt-Schule hat viele förderwürdige ökologische, pädagogische und soziale Aspekte. Die Delegierten des Integrationsbeirats bewilligten 1.900 Euro eines Antrags des Anpflanzungs- und Verschönerungsvereins. Nach Angaben des 1. Vorsitzenden, Joachim Pohl, überlässt sein Verein etwa 6.000 Quadratmeter des Areals hinter dem Neugablonzer Freibad der Gustav-Leutelt-Schule für die projektgebundene Nutzung, die eine konsequente Fortschreibung des früheren Projekts „Bunter Garten“ des Roten Kreuzes darstellt.

Einer der vielen untereinander abhängigen Projekt-Bausteine bestehe laut Pohl darin, eine 1.000 Quadratmeter große Schotterfläche in Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftsamt der Stadt zu begrünen. Diese Maßnahme fordere auch eine Auflage des Landrats­amts. Diese Behörde sei zuständig, weil das Grundstück auf der Gemarkung der Gemeinde Pforzen liege. Bei näherer Analyse findet sich ein dichtes Geflecht von Zuständigkeiten und Finanzgebern, die den ökologischen, sozialen und finanziellen Rahmen vorgeben.

„Lebensraum-Kulturgarten muss eigentlich zusammen geschrieben werden“, betonte der Schulrektor der Gustav-Leutelt-Schule, Frank Hortig, im Gespräch mit unserer Zeitung. Hier würden die pädagogischen und lebenspraktischen Leit­ideen seiner Schule auf ideale Weise fortgeschrieben. Dieser Rahmen verlangte – wie bei vielen der anderen praxisorientierten und berufsvorbereitenden Projekte der Schule –, dass sich alle beteiligten Kinder und Jugendlichen wohlfühlen und Vergnügen daran fänden. Wichtig für dieses Projekt sei auch, dass die Schüler sich bei der schrittweisen Erschließung des Geländes nach den Bedürfnissen und Regeln der Natur richten müssten. Die aktive und kreative Beteiligung an diesem Projekt ermögliche, dass die oftmals sozial benachteiligten Schüler eine für sie gänzlich unbekannte Naturerfahrung machen.

Für Hortig ist entscheidend, dass die Schüler das Areal Schritt für Schritt mit Bäumen, Blumen, Heilpflanzen, Sträuchern und Bäumen erschließen, damit sie die allmähliche Veränderung auch miterleben können. Ein Teil des Geländes könne seiner Meinung schon aus ökologischen Gründen naturbelassen bleiben. Für den laienhaften Besucher der ökologisch genutzten Fläche dürfte es nicht immer einfach sein, auf den ersten Blick Wildwuchs und Nutzpflanzen zu unterscheiden.

Wichtig ist, wie bei vielen anderen Schulprojekten, neben dem pädagogischen auch der praktische Nutzen. So wäre es den Schülern auch außerhalb der Schulzeit möglich „ihr“ Areal zu besuchen und beispielsweise auch als Freizeitgelände zu nutzen. Die Mühe der jugendlichen Beteiligten ist wirklich nicht umsonst: So dienen die Blumen dem Schmuck der Schule und die geernteten Früchte können an einem selbst gebauten Verkaufsstand an den Endverbraucher verkauft werden, soweit die frischen Beeren nicht gleich zum Kochen von Marmelade verwendet werden.

Vielseitiges Vorzeigeprojekt

Mit der finanziellen Hilfe und tatkräftigen Unterstützung des Rotary Clubs Kaufbeuren und dessen Dachverbands konnten bereits 70 Bäume angepflanzt werden. Beide Träger tragen mit insgesamt 18.000 Euro in einem Zeitraum von drei Jahren nicht unerheblich zur naturfreundlichen Entwicklung des Projekts bei.

Das Projekt gehört ganz selbstverständlich zum Schulalltag. Zum Beispiel gibt es eine gemischte Gruppe, die regelmäßig freitags dort ihre ökologischen Vorstellungen und Ideen umsetzt. Der Besuch des Gartens gehört ebenfalls zum Freizeitprogramm der Ganztagsklassen, um am Nachmittag einen praktischen Ausgleich zum theoretischen Teil am Vormittag zu finden. Auch die Kräuterführungen sind mit dem Fachunterricht vernetzt.

Dieses langjährige Projekt wird wegen seiner praktischen Aspekte auch von dem Bundesprogramm „Jugend stärken im Quartier“ (JUSTIQ) unterstützt, denn diese Maßnahme kann – wie es auch die Förderbedingungen vorsehen – als gezieltes Förderprojekt für die Berufswahl und die notwendige Vorbereitung auf die Berufswelt verstanden werden.

Dr. Manuela Grimm, eine der drei professionellen Berufseinstiegs-Begleiterinnen der Schule, macht sich als Projektleiterin schon länger für dieses Vorzeigeprojekt stark. Sie bringt konzentriert die vielfältigen Aspekte auf den Punkt: „Das Projekt fördert den interkulturellen Austausch mittels gemeinsamer lebenspraktischer Arbeiten im natürlichen Umfeld.“

von Peter Suska-Zerbes

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