Kreis – und Stadtsparkasse Kaufbeuren legt Bilanz für 2018 vor

Ein gutes Ergebnis in schwierigen Zeiten

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Der Vorstandsvorsitzende Franz Endhardt (v. re.) erläuterte gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Angelo Picierro und Tobias Streifinger die Bilanz der Sparkasse für 2018.

Kaufbeuren – Niedrige Zinsen und verstärkter Wettbewerb im Bereich des digitalisierten Zahlungsverkehrs sorgen für Probleme bei den „klassischen“ Sparkassen, die weniger dem Gewinn als der kommunalen Entwicklung verpflichtet sind. Das betrifft auch die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren. Das Unternehmen schafft es jedoch, den unterschiedlichen Anforderungen von Markt und kommunalen Aufgaben gerecht zu werden.

Mit einer Bilanzsumme von etwa 1,5 Milliarden Euro und knapp 300 Mitarbeitern in elf Geschäftsstellen entspricht die Kreis- Stadtsparkasse Kaufbeuren einem mittelständischen Unternehmen. Allerdings gelten für dieses Geldinstitut, das nach dem Sparkassengesetz eine „gemeinnützige öffentlich-rechtliche Universalbank in kommunaler Trägerschaft“ darstellt, besondere Geschäftsbedingungen. Die Aufgaben einer Sparkasse bestehen darin, so das Gesetz, „breiten Bevölkerungsschichten Möglichkeiten zur Geldanlage anzubieten, den Zahlungsverkehr durchzuführen, die örtlichen Kreditbedürfnisse ihrer Kunden zu befriedigen, den Sparsinn der Bevölkerung zu pflegen und den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu fördern“.

Wie ein solches Geldinstitut diese Aufgaben in Zeiten niedriger Zinsen und im Wettbewerb mit kommerziellen Geschäftsbanken und in den Geldverkehr drängenden Kreditkartenanbietern und Zahlungsdienstleistern lösen kann, war das zentrale Thema der Bilanz-Pressekonferenz der Sparkasse am vergangenen Mittwoch.

„Wir operieren bereits seit etwa zehn Jahren in einem zunehmend schwieriger werdenden Umfeld“, schätzte der Vorstandsvorsitzende Franz Endhardt dazu ein. „Seither sind die Zinsen um etwa ein Drittel gefallen. Das hat für ein kontinuierlich rückläufiges Betriebsergebnis gesorgt. So ist auch unser Jahresüberschuss von 2017 auf 2018 von 2,6 Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro gefallen. Das ist kein Grund zum Jubeln – aber vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen sind wir dennoch damit sehr zufrieden“.

Abnahmen und Zuwächse des Geschäftsvolumens in den verschiedenen Sparten der Sparkasse sind allerdings recht unterschiedlich verteilt. „Unser Kreditgeschäft im Wohnungs-Neubau hat sich sehr gut entwickelt. Hier verzeichnen wir einen Anstieg auf 124 Millionen Euro, was ein Plus von 29,2 Prozent im Vergleich zu 2017 bedeutet“, erklärt Endhardt dazu.

Dieser „Bauboom“ wird aber nicht nur durch niedrige Kreditzinsen befeuert, sondern auch, wie der Vorstandsvorsitzende weiter ausführte, „durch das gute Angebot an Förderkrediten, und, nicht zuletzt, durch die kommunale Politik, die für gute Voraussetzungen etwa im Eigenheimbau sorgte. Davon profitieren natürlich auch die Handwerker, insbesondere im Bau-Bereich, die derzeit goldene Zeiten erleben. Sie sind mit Arbeit bis an ihre Kapazitätsgrenzen und darüber hinaus eingedeckt.“

Wo viel Geld verdient wird, sind natürlich auch Anlegen und Sparen wichtige Themen – nicht zuletzt eben für eine Sparkasse. „Die hohe Kundennachfrage in der Immobilienvermittlung 2018 bestätigt, dass wir mit dem Ausbau unserer Kompetenzen in diesem Bereich richtig lagen“, erklärt dazu der Banker. „Die Nachfrage nach Gebrauchtimmobilien übersteigt momentan das Angebot.“

Eine solche Beschreibung der Situation provoziert natürlich Nachfragen nach der Nutzung von Gewerbeimmobilien in der Innenstadt von Kaufbeuren. „Die Probleme des Leerstandes berühren auch unsere Geschäftsinteressen, im Immobilienbereich wie auch in Bezug auf die Entwicklung von Handel und Gewerbe in der Stadt, für die wir als Sparkasse mit verantwortlich sind“, erklärt Franz Endhardt dazu. „Deshalb sehen wir auch im städtischen Citymanagement, das Immobilienfirmen und Interessenten für Geschäftsräume zusammenbringt, einen wertvollen Partner. Wir sind auch bereit – und dazu gibt es bereits Gespräche mit der Stadtverwaltung – an einem Konzept für die wirtschaftliche Entwicklung der Innenstadt mitzuarbeiten.“

Ob allerdings der jetzt vorgesehene Innenstadtbeirat dafür eine geeignete Plattform bieten wird, „müsste sich“, so Endhardt, „erst zeigen. Viele Köche garantieren bekanntermaßen noch keinen guten Brei“.

Was die Umsetzung des Auftrages, den Sparsinn zu stärken, betrifft, so tun sich die Banker in Zeiten geringer Zinsen natürlich schwer. Das Geschäft mit Wertpapieren etwa ist durchaus noch ausbaubar. „Aktien sind in Deutschland immer noch keine verbreitete Anlageform, und ein bewegtes Börsenjahr wie 2018 trägt nicht unbedingt dazu bei, diese Situation zu verbessern“, meint Vorstand Angelo Picierro. „Aber eines ist sicher: Langfristige und stetige Anlagenstrategien lohnen sich.“

So bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft über die insgesamt 44.000 Konten der Kunden des Geldinstitutes ein reger Zahlungsverkehr laufen wird. Dieser verlagert sich allerdings zunehmend ins Internet. Mehr als die Hälfte der Kunden nutzt derzeit bereits das Online-Banking. „Das ist auch klar daran erkennbar, dass unser Servicebereich, etwa in der Kaufbeurer Ludwigstraße, von immer weniger Kunden direkt besucht wird“, erläutert Vorstand Tobias Streifinger. „Hier werden wir in der Zukunft an Umbauten denken. Die 72.000 Anrufe, die unsere elf Mitarbeiter im Kunden Service Center (KSC) im vergangenen Jahr entgegen nahmen, unterstreichen hingegen die steigende Bedeutung dieses Servicekanals. Unsere derzeit über 120 persönlichen Berater in den Geschäftsstellen, den Kompetenz-Centern, Beratungseinheiten und Servicestellen werden deshalb ihre Kompetenz künftig zunehmend online oder per Telefon anbieten.“

Das wird dann in Zukunft auch eine der Aufgaben der derzeit 27 Azubis sein – mit 11,5 Prozent erreicht die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren eine der höchsten Ausbildungsquoten in Bayern und investiert über 180.000 Euro in die Ausbildung. Zum gesellschaftlichen Engagement der Sparkasse gehören aber auch 130 Einzelspenden im sozialen Bereich, etwa an Schulen, Kirchen und Vereine. Sie machen ein Gesamtvolumen von 213.000 Euro aus.

von Ingo Busch

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