„Habe eine Tageszeitenstimme“

Interview: Palina Rojinski spricht Goona in „Early Man“

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Palina Rojinski (li.) gestand KB-Redakteurin Sandy Kolbuch, dass sie ihre eigene Stimme nicht gerne hört.

Palina Rojinski wirkte in Musikvideos und Werbespots mit. Auf diesem Weg wurde sie für den Fernsehsender MTV entdeckt. Von 2011 bis 2013 hatte sie regelmäßige Gastauftritte in der Sendung „neoParadise“ auf ZDFneo, wo sie 2012 mit „Zirkus Rojinski“ ein eigenes Format erhielt. Unter anderem moderierte sie „VIVA Top 100“ und „Circus HalliGalli“. 2009 gab sie ihr Debüt in der Komödie „Männerherzen“.

Außerdem spielte sie in „Rubbeldiekatz“, „Jesus liebt mich“. Ihre erste Kinohauptrolle spielte Palina in der Komödie „Traumfrauen“; zuletzt war sie in „Willkommen bei den Hartmanns“ zu sehen. In „Early Man“ leiht Palina Goona ihre Stimme. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach mit Palina in Berlin über die Erfahrungen im Synchronstudio.

Du spielst meist sehr toughe Frauen, die immer etwas Probleme mit den Männern haben. Nun leihst Du Goona Deine Stimme, die als Fußballerin schnell einen Freund findet...

Palina: Ja (lacht). Goona ist schon tough, hat aber auch ihre Eigenarten und Unsicherheiten. Goona ist für mich die erste Feministin. Sie spielt unglaublich gut Fußball, wird aber bei den Spielen der Bronzemenschen nicht zugelassen, weil sie halt eine Frau ist. Sie schafft es aber letztendlich doch, mit einem Team zu zeigen, was sie kann.

Wie kam es zu der Sprechrolle?

Palina: Ich bin direkt angesprochen worden, hatte dann aber ein Voice Casting, um zu gucken, ob die Stimme zur mühevoll in Handarbeit gekneteten Figur passt. Es war wahnsinnig spannend zu sehen, wie viel man auch bei einer Knetfigur mit Mimik und Gestik arbeiten kann. Es war immer mein Highlight des Tages, meine Stimme am Ende der Aufnahmen mit dieser Knetfigur vereint zu sehen.

War die Arbeit allein mit der Stimme anstrengend?

Palina: Geht so. Diese Arbeit ist nicht unanstrengend. Ich habe mich vorher immer warm gemacht, wie ich es mal von meiner Stimmererzieherin – einer Opernsängerin – gelernt habe. Schon alleine das Warmmachen ist anstrengend, wenn man das Zwerchfell aktiviert, damit man nicht auf den Stimmbändern spricht. Um das Stimmvolumen zu halten und die Sätze energetisch bis zum Ende sprechen zu können, ist das Aufwärmen wichtig. Beim täglichen Sprechen merkt man gar nicht, wie viel Energie in den einzelnen Sätzen steckt.

Nimmst Du Deine Stimme nach der Synchronarbeit im Alltag bewusster wahr?

Palina: Nein. Ich habe eine Tageszeitenstimme (lacht): Bis 15 Uhr ist sie immer recht rau, dann wird sie wach und sehr hell, bevor sie zum Abend hin wieder rau und tiefer wird. Gemeinsam mit dem Regisseur habe ich immer versucht, die Stimme sehr hell und hoch in den Kopf zu bekommen, damit sie nicht zu tief klingt. Nach meinem Wunsch wären die Aufnahmen immer erst am Nachmittag gewesen, aber nein, ich musste immer früh beginnen (lacht). Am ersten Synchrontag bin ich auch krank geworden und ab dem Nachmittag konnten wir nicht mehr aufnehmen, weil die Nase zu war und man es gehört hat. Wir mussten unterbrechen und dann die Arbeit nach wenigen Wochen weiterführen.

Hast Du Dich auf die Rolle vorbereitet?

Palina: Ich habe mich einfach drauf eingelassen. Für manch einen ist eine intensive Vorbereitung vermutlich wichtig, um loszulassen. Ich habe im Laufe der Jahre gemerkt, dass es für mich besser ist, nicht vorbereitet zu sein. Ich kann am Drehtag natürlich meinen Text, aber für mich ist es gut, die Szenen nicht allzu oft zu proben, damit es nicht zu festgefahren ist. Im Synchronstudio haben wir Satz für Satz gemacht. Ich musste erst das Timing lernen, wann ich einatmen muss, damit ich auch bis zum Ende des Satzes Luft habe.

Hättest Du Lust, auch weiteren Figuren Deine Stimme zu leihen?

Palina: Ich kriege immer mal wieder Angebote und dann schaue ich, ob es stimmlich passt. Goona hat mir gefallen und daher habe ich es gemacht. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich mich darauf spezialisieren will. Für mich ist es immer ganz schlimm, die eigene Stimme zu hören.

Wie Fußball-affin bist Du?

Palina: Gar nicht (lacht). Mich begeistert der Fußball nur von der Emotionalität und der Psychologie. Was muss auf einem Spieler lasten, wenn er vor den ganzen Zuschauern ein Elfmeter schießen muss? Ich gucke keine Spiele, es sei denn, es ist ein superwichtiges Spiel und ich werde durch Freunde da reingespült, dann schaue ich mit ihnen zusammen. Alleine verfolge ich den Sport nicht. Aber ich fahre jetzt für die ARD zur Fußball-WM und bin zuständig für Land und Leute. Im Moment betreiben wir gerade intensive Recherche und haben bereits jetzt mehr Geschichten, als wir drehen können. Russland ist ein Fass ohne Boden bezüglich Absurditäten, Herzlichkeit und allem. Im Mai kommt bereits die Reportage, die ich über die verschiedenen WM-Städte in Russland gedreht habe. Gemeinsam mit dem Hauptstadtstudiokorrespondenten Udo Lielischkies war ich sechs Wochen unterwegs.

Welche Projekte stehen demnächst bei Dir an?

Palina: Ich fange demnächst mit den Dreharbeiten zu einem neuen Film an, von dem ich total gerne erzählen will, aber noch nicht darf.

Vielen Dank für das Gespräch!

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