Forscher finden rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel in der Hammerschmiede bei Pforzen

Riesenkranich-Schädel entdeckt

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Vergleich der Silhouetten eines heutigen Menschen (Körpergröße 175 cm) mit Danuvius guggenmosi (das männliche Individuum ‚Udo‘) und dem Riesenkranich aus der Fossilienfundstelle Hammerschmiede im Allgäu.

Pforzen – Schon wieder ein sensationeller Fund in der Hammerschmiede bei Pforzen. Jetzt haben Frankfurter und Tübinger Wissenschaftler dort den Schädel eines sehr großen Kranichs entdeckt und beschrieben. 

Es handelt sich um den frühesten Nachweis eines solch großen Kranichs in Europa, wie die Universität Tübingen jetzt mitteilt.

Insgesamt ähnele das Fossil dem Schädel des heutigen, sehr langschnäbeligen Sibirischen Kranichs, berichten Dr. Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg Frankfurt sowie Thomas Lechner und Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Wie berichtet, hatte die Fundstelle Hammerschmiede Ende vergangenen Jahres durch die Entdeckung des zweibeinigen Menschenaffen Danuvius guggenmosi mit dem Spitznamen „Udo“ Schlagzeilen gemacht. Der neu entdeckte Kranich dürfte der größte Vogel zu dessen Lebzeiten gewesen sein.

Unter den zahlreichen Überresten von Tieren aus der Fundstelle Hammerschmiede stammen viele Fossilien von Vögeln. Erst kürzlich hatte dasselbe Forschungsteam Fossilfunde von tropischen Schlangenhalsvögeln beschrieben. Heute kommt in Europa nur eine einzige Kranichart vor, der Eurasische Kranich. „Fossilfunde zeigen, dass es in der Vergangenheit viel mehr Kranicharten gegeben haben muss“, sagt Studienleiter Mayr. „Allerdings stammen die meisten Belege aus dem Mittelmeergebiet, während Nachweise aus Mitteleuropa sehr spärlich sind.“ Weltweit gibt es heute 15 Kranicharten.

Hinweise auf einen Lebensraum am Süßwasser

Der neue Fund aus der Hammerschmiede bei Pforzen ist ein Schädel einer ungewöhnlich großen Art, deren Gesamthöhe den größten heutigen Kranichen, dem asiatischen Saruskranich und dem afrikanischen Klunkerkranich, entspricht. „Beide Arten erreichen mit 1,75 Meter Körperhöhe die Größe eines erwachsenen Menschen und haben Flügelspannweiten von 2,6 bis 2,8 Metern“, sagt Mayr. Damit sei der Hammerschmiede-Kranich, der vor rund elf Millionen Jahren lebte und noch keinen wissenschaftlichen Namen hat, um 75 Prozent größer als sein Zeitgenosse „Udo“, das Skelett des männlichen Danuvius. Der neu entdeckte Kranich stehe möglicherweise am Beginn der Evolution der Echten Kraniche. „Um eine sicherere stammesgeschichtliche Einordnung vornehmen zu können, benötigen wir weitere Funde aus dem Skelettapparat“, ergänzt Mayr.

Der Schädel des Kranichs aus der Fossilfundstelle Hammerschmiede (li.) im vergleich mit dem heutigen Sibirischen Kranich (Mitte) und dem in Deutschland heimischen Eurasischen Kranich, welcher einen deutlich kürzeren Schnabel besitzt.

Der Schnabel des Fossils ist deutlich länger als der heutiger europäischer Kraniche. Langschnäbelige Kraniche, wie der heutige Sibirische Kranich, sind vorwiegend Vegetarier. Sie ernähren sich von Wurzeln und Rhizomen von Wasserpflanzen, die sie mit den Schnäbeln ausgraben. „Der Schnabel des Hammerschmiede-Kranichs deutet darauf hin, dass er am offenen Süßwasser lebte. Solche Lebensräume waren damals vor Ort vorherrschend“, sagt Grabungsleiter Thomas Lechner. Er hofft, auch in diesem Jahr wieder Ausgrabungen an der Fundstelle durchführen zu können. „Der Fund ist ein weiterer Beleg für die im internationalen Maßstab herausragende Bedeutung der Fundstelle Hammerschmiede für die Wissenschaft“, ergänzt Madelaine Böhme, die Leiterin des Forschungsprojekts.

kb

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