Jobcenter Ostallgäu zieht Bilanz: "Viel erreicht, aber noch viel zu tun"

Zehn Jahre Grundsicherung

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Thomas Liebner (v. li), Geschäftsführer Jobcenter Ostallgäu, Landrätin Maria Rita Zinnecker und Peter Litzka, Leiter Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, stellten die Bilanz vor.

Ostallgäu – In gemeinsamer Trägerschaft betreiben der Landkreis Ostallgäu und die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen seit der Einführung von Hartz IV vor zehn Jahren das Jobcenter Ostallgäu mit Sitz in Marktoberdorf. Landrätin Maria Rita Zinnecker und Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, nahmen dies zum Anlass, um die Entwicklungen im vergangenen Jahrzehnt Revue passieren zu lassen und Bilanz zu ziehen.

„Hartz IV“ – Bereits im Jahr 2004 zum Wort des Jahres gewählt, am 1. Januar 2005 im Rahmen der Arbeitsmarktreformen als Grundsicherung für erwerbsfähige Leistungsbedürftige eingeführt und gesellschaftlich umstritten. Seit ihrer Einführung vor zehn Jahren war die Grundsicherung „Arbeitslosengeld II“, besser bekannt unter dem Namen des Kommissionleiters zur Erarbeitung des Konzepts, Peter Hartz, vielfach Gegenstand kontroverser Diskussionen. Im Zuge der Einführung der Grundsicherung ist in gemeinsamer Trägerschaft des Landkreises Ostallgäu und der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen auch das Jobcenter Ostallgäu mit Standort in Marktoberdorf entstanden. 

Die vorrangigen Aufgaben des Jobcenters sind seitdem die Gewährung der Grundsicherung für Arbeitssuchende sowie die Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung. Doch das Jobcenter betreut nicht nur Langzeitarbeitslose, die, häufig mit vielfältigen Vermittlungshemmnissen wie Suchterkrankung, Behinderung, fehlende Qualifikation oder Alter, oft schwer zu vermitteln sind, sondern auch sogenannte „Aufstocker“ – Berufstätige, die ihren Lebensunterhalt nicht selber bestreiten können. Besonders häufig betroffen sind daher auch Alleinerziehende mit kleinen Kindern, die nicht Vollzeit arbeiten können oder Personen mit geringem Einkommen. 

Positive Bilanz 

Zehn Jahre nach der Einführung der Grundsicherung können die beiden Träger eine positive Bilanz für den Raum Ostallgäu ziehen. „Es hat sich sehr viel getan“, so das Resümee von Litzka. 

Seit Einführung der Grundsicherung sei die Betreuung intensiver geworden; durch die Zusammenlegung von Landratsamt und Jobcenter sei eine „besonders bürgernahe Struktur“ entstanden, die das Jobcenter sowie alle wichtigen Anlauf- stellen des Landkreises wie Jugendamt, Sozialamt oder der Ausländerbehörde unter einem Dach vereine, so Landrätin Zinnecker. Die Arbeitslosigkeit habe sich laut Thomas Liebner, Geschäftsführer des Jobcenter Ostallgäu, von rund 1100 Langzeitarbeitslosen im Landkreis Ostallgäu zu Beginn im Jahr 2005 zu knapp 700 Arbeitssuchenden im Jahr 2014 „nahezu halbiert“. 

Derzeit betreuen die 32 Mitarbeiter des Jobcenters Ostallgäu rund 2000 Menschen vom Kleinkind bis zum Eintritt ins Rentenalter, die ganz oder teilweise von Grundsicherung leben; im Jahr 2005 waren es noch rund 3200 Personen. Besonders erfreulich: Bei den unter 25-Jährigen, die Grundsicherung beziehen, ist ein besonders deutlicher Rückgang von 142 auf 54 Personen zu verzeichnen. Dies sei neben der „positiven Entwicklung am Arbeits- markt“ auch den Mitarbeitern des Jobcenters zu verdanken, die sich um eine intensive Betreuung und die Organisation von Qualifizierungsmaßnahmen bemühen, um die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. „Wer entsprechende Qualifikationen mitbringt und motiviert ist, dem steht heute der Arbeitsmarkt offen“, so Litzka. Dennoch müsse man „die Dinge nüchtern betrachten. Es gibt noch viel zu tun“. 

Lokales Ziel für 2015 sei laut Zinnecker, „Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren“. Auch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen soll in Zukunft noch weiter intensiviert werden. von Sabrina Hartmann

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