Schmalspurvariante für Radler und Fußgänger

Hasenbrücke: Übergang an der Geltnach nicht für Traktoren

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Das ist die Behelfsbrücke des THW, die wieder abgebaut wird, wenn die neue Querung kommt, welche die Stadt an der Geltnach errichtet lässt.

Marktoberdorf/Bertoldshofen/Rieder – Die Entscheidung wurde mit deutlicher Mehrheit im Marktoberdorfer Stadtrat getroffen: Wo bis Herbst 2016 die Hasenbrücke stand, die bei der Überfahrt eines Traktors mit beladenem Hänger einstürzte, wird heuer ein Übergang errichtet, den nur Fußgänger und Radler nutzen können. Es ist also gleichsam die Schmalspurlösung unter den drei vorgeschlagenen Varianten. Traktoren oder Autos können den neuen Übergang nicht nutzen.

Die künftige Querung, die sich zwischen den Marktoberdorfer Stadtteilen Bertoldshofen und Rieder befindet, ist auf eine Traglast von zwei Tonnen ausgelegt. Die Widerlager, die 2006 beim Bau der Holzbrücke errichtet und beim Einsturz im Herbst 2016 nicht beschädigt wurden, bleiben bestehen. Für die Geh- und Radwegbrücke sind sie ausreichend. Verkehrsreferent Franz Barnsteiner (Freie Wähler) meinte: „Die Widerlager sind wie neu.“

Offen ist noch, ob das Bauwerk als so genannte Fachwerktrogbrücke ausgeführt wird oder ob es zu einem Überbau mit Stahlträgern kommt, bei dem ein Gitterrost als Belag dient. Zur technischen Ausführung fällt der Beschluss zeitgleich mit der Vergabe. Auch beim Provisorium, das im Frühjahr 2017 vom Technischen Hilfswerk (THW) installiert wurde, gibt es einen Gitterrost-Belag.

Die Kostenschätzung

Die Kosten für die Geh- und Radwegbrücke an der Geltnach bezifferte Mareile Hertel – sie leitet im Rathaus das Referat Tiefbau – auf circa 85.000 Euro. Es handle sich um eine Kostenschätzung, sagte sie dazu. Eine genaue Berechnung folge noch.

Mit der Entscheidung im Stadtrat sind die beiden anderen Varianten passé, die wesentlich teurer waren. Gemeint ist damit zum einen der Wiederaufbau einer Straßenbrücke über die Geltnach mit mehr als 30 Tonnen Nutzlast, wofür laut Kostenschätzung zwischen 500.000 und 700.000 Euro zu veranschlagen sind.

Zum anderen wird seitens der Stadt auch eine Furt im Bachbett nicht weiterverfolgt. Sie wäre in der Traglast zwar unbegrenzt und damit für landwirtschaftliche Fahrzeuge geeignet; aber sie würde einen größeren Geländeeingriff zur Folge haben. Kosten: circa 400.000 Euro. Die Wassertiefe beträgt bei mittlerem Abfluss 38 Zentimeter. Kommentar von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell: „Die Geltnach ist nicht ganz ohne.“

Dass die Brücke maximal eine lichte Breite von 1,40 Meter bekommt (also auf der Innenseite gemessen), war ein Antrag von Georg Martin (Grüne), den eine Mehrheit der Stadträte jedoch ablehnte. Als Landwirt tue es ihm „a bissle leid“, wenn man mit dem Traktor dort nicht mehr über die Geltnach gelange. Aber Kosten bis zu 700.000 Euro seien für die Stadt bei nur einem betroffenen Bauern „nicht darstellbar“.

Ebenfalls ohne Mehrheit blieb ein Vorstoß von Werner Moll (Stadtteile aktiv); er forderte, dass vor der Planung und Ausführung der Brücke alle Grundstückseigentümer informiert und dazu befragt werden sollten. Die Stadt müsse an die Betroffenen herantreten und deren Einverständnis einholen, ehe sie mit der schmalen Brücke für Radfahrer und Fußgänger ein Faktum schaffe, das sich von der früheren Ausführung massiv unterscheide.

Die juristische Sache

Die zehn Jahre alte, hölzerne Hasenbrücke war zusammengebrochen, nachdem ein Landwirt mit Traktor und mit dem Anhänger, auf dem sich Kies befand, darüber gefahren war. Die Polizei hatte der Bauer erst nach den Aufräumarbeiten informiert, als die gerissenen Balken bereits auf einer Wiese lagerten. Da weder nachgewiesen werden konnte, dass die Last auf dem Anhänger zu schwer war, noch dass die Brücke marode war, endete die juristische Auseinandersetzung mit einem Vergleich.

Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv), ebenso wie Moll aus Bertolds­hofen, brachte das Argument, dass man nicht nur die Zahl der Bauern sehen müsse, die von so einem Geltnach-Übergang Nutzen hätten. Es sei die landwirtschaftliche Fläche zu bewerten. Heutzutage bewirtschafte ein Landwirt mit entsprechenden Maschinen die Fläche, wo früher zehn Bauern auf den Feldern waren.

Bürgermeister Hell sagte, nur ein Landwirt habe regelmäßig die Hasenbrücke genutzt, ehe sie einstürzte. Dazu habe man auch beim Bauernverband nachgefragt. Der Umweg betrage für den betroffenen Bauern drei bis vier Minuten.

Carl Singer (Freie Wähler) hinterfragte, warum die Maßnahme nicht als Sanierung betrachtet wird. Dann könnte die Brücke im alten Zustand, eventuell mit verringerter Achslast und Breite, wieder errichtet werden. Andere Bauwerke, wie bei Engratsried an der Wertach, erfüllten auch nicht die geforderte Achslast und würden trotzdem saniert. Doch Florian Martin (Kämmerei) und Ralf Baur (Stadtbauamt) verdeutlichten, der Versicherer poche auf Einhaltung der schärferen Vorgaben. Sonst sei kein Versicherungsschutz gegeben.

Andreas Grieser (CSU) kommentierte, dass es sich „im Endeffekt um eine freiwillige Maßnahme der Stadt“ handle. Bereits mit der Variante drei, also der Geh- und Radwegbrücke, fördere Marktoberdorf den Tourismus und die Naherholung.

Die Klarstellung

Florian Martin von der Stadtkämmerei erklärte, dass für die Hasenbrücke bislang keine Widmung bestand. Die Stadt trage die Baulast nur für die Wege, die bis zur Geltnach führen. Beim neuen Übergang werde aber eine Widmung vollzogen. Ralf Baur, der Leiter des Stadtbauamts, verdeutlichte in der Sitzung: „Wir reden nicht von einer Sanierung. Wir reden über einen Neubau.“ Eigentümer der Grundstücke im Umfeld der Hasenbrücke könnten sich immer noch zusammentun und selbst nebenan zusätzlich eine Furt als Geltnach-Querung für landwirtschaftliche Maschinen errichten, ergänzte Baur.

jj

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