Gewinner sind sie alle

Hauptpreisträger des 22. Irseer Pegasus Literaturwettbewerbs ist der Berliner Matusko

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Ilija Matusko.

Irsee – Der Irseer Pegasus Literaturpreis, von der Schwaben­akademie und dem Verband deutscher Schriftsteller in Bayern ausgerichtet, fand mit Ilija Matusko auch in diesem Jahr einen Talentierten Nachwuchsautor. Der alljährliche Wettbewerb zählt nicht nur in der Fachwelt zu den international renommierten Ausschreibungen.

Das jahrzehntelange Engagement beider Träger spielt für die Entwicklung der deutschen Literatur eine prägende Rolle.

Selbst bereits etablierte Schriftsteller tun sich nicht gerade leicht, sich auf einem umkämpften Buchmarkt zu behaupten. Bei der Flut von literarisch hochwertigen Einsendungen sowohl an die renommierten als auch an die kleineren Verlagshäuser bleibt für den literarischen Nachwuchs oft nur eine geringe Aussicht auf Veröffentlichung. Wichtige Türen öffnet da sicherlich der Gewinn eines namhaften Literaturwettbewerbs, wie dem Pegasus.

Bedeutende Auszeichnung

Offensichtlich teilen diese Ansicht auch die Nachwuchsautoren, denn 201 Prosa- und Lyrikbeiträge gingen seit der Ausschreibung im Herbst vergangenen Jahres in Irsee ein. Mit Sprachgewandtheit und innovativen Ideen galt es die hochkarätige vierköpfige Jury zu überzeugen, zu dem traditionellen dreitägigen Seminar in die Schwabenakademie eingeladen zu werden. Am Ende dieser Veranstaltung bestimmen die Teilnehmer den Preisträger in geheimer Wahl. Bei einer Beschränkung auf nur 15 Teilnehmer ist dies für Bewerber und auswählende Experten eine Herausforderung. Die Teilnahme ist seit dem letzten Jahr kostenfrei.

Dr. Sylvia Heudecker, Projektverantwortliche und Studienleiterin an der Schwabenakademie, Thomas Kraft, bekannter Schriftsteller und Vorsitzender des genannten Schriftstellerverbands, sowie Markus Orth, der mit seinem literarischen Werk zu den erfolgreicheren Autoren zählt, organisieren und begleiten inzwischen bereits sieben Jahren diese Veranstaltung. Teilnehmer Christian Lorenz-Müller zeigte sich begeistert von der effektiven Organisation des eingespielten Teams.

Als Gastjurorin fiel die Wahl dieses Jahr auf Terézia Mora, bekannt als Bachmann-Preisträgerin und Gewinnerin des Georg-Büchner Preises sowie des Deutschen Buchpreises 2013. Bei der traditionell der Preisverleihung vorangehenden, sehr gut besuchten Sonntagsmatinee las sie unter großem Beifall aus ihrem preisgekrönten Werk vor.

Anders als bei vielen anderen vergleichbaren Ausschreibungen wird die pädagogische Notwendigkeit des Seminars betont, um im Kreis der Jury und der Mitbewerber den eigenen Text vorstellen und kritisch analysieren zu können. Teilnehmerin Kathrin Niemela die einen der beiden Lyrikbeiträge eingereicht hatte, betonte, dass der freundschaftlich-respektvolle Umgang miteinander und die fachkompetenten Anregungen für sie persönlich bereits einen wichtigen Gewinn darstellte. Gerne würde die Nachwuchslyrikerin sich auch im nächsten Jahr mit einem neuen Beitrag bewerben.

Überraschter Preisträger

2000 Euro konnte die stellvertretende Präsidentin des Bezirkstags Schwaben, Barbara Holzmann, an den diesjährigen Preisträger Ilija Matusko übergeben. In seinen Dankworten zeigte der Gewinner sich über den eigenen Erfolg überrascht, er hätte bei so vielen preiswürdigen Beiträgen selbst nicht mit dem Gewinn gerechnet. Er wurde 1980 geboren und wuchs im bayerischen Voralpenland auf. Der studierte Soziologe und Politologe arbeitet in Berlin für die TAZ. Noch ist er weitgehend im deutschen Literaturbetrieb unbekannt. Bei seinem vorgetragenen Einsendungstext „Jovan“ handelt es sich um den beeindruckenden Beginn eines noch in der Entwicklung stehenden Romans.

Eine jugendpsychiatrische Einrichtung als gewählter Handlungshintergrund macht neugierig. Mit einfühlsamer, einprägsamer und gleichzeitig doch einfach strukturierten Sprachelementen entwickelt der Autor seinen Beziehungsroman in gelassenem Tempo. Der Schriftsteller setzt weder auf gefühlsbewegende Szenen noch auf sprachlich-literarische Brillanz, wenn er den Leser – fast schwerelos – den alltäglichen Hausmeisteraufgaben des Protagonisten Clemens folgen lässt. „Aus dessen Perspektive wird die Entwicklung seine besonderem Beziehung zu Jovan dargestellt, einem geheimnisvollen, charismatischen Patienten“, wie es in der Laudatio hieß.

Für viele begründet sich diese besondere Auszeichnung mit der offensichtlichen Rückkehr zur sprachlichen Schlicht- und Schönheit, die sich einmal nicht durch aufgesetzte „literarische Kunstelemente“ aufzudrängen versucht. Der Roman verspricht ein entspanntes Lesevergnügen.

Peter Suska-Zerbes

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