Holzwurm, Mäuse und Motten

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Das Heimatmuseum im „Hartmannhaus“. Der ehemalige Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert beherbergt eine Vielzahl von Schädlingen, denen die Stadt jetzt zu Leibe rücken will.

Marktoberdorf – Das Heimatmuseum der Stadt Marktoberdorf, das im historischen „Hartmannhaus“ untergebracht ist, bleibt bis auf weiteres geschlossen. Grund dafür ist ernsthafter Schädlingsbefall, dem die Stadt jetzt mit „Maßnahmen der Entwesung“, wie es in einer Mitteilung heißt, zu Leibe rücken will.

Mäuse, Motten und der Holzwurm (auch Hausbock genannt) haben es sich im Gebäude und in den Exponaten gemütlich gemacht und richten dort erhebliche Schäden an. Das machte die Begutachtung durch einen Schädlingsbekämpfer deutlich, dessen Bericht nun vorliegt. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sieht daher akuten Handlungsbedarf, wie er in der vergangenen Sitzung des Stadtrats erklärte. Glücklicherweise sei die Statik des im Kern rund 300 Jahre alten Bauernhofs durch den Holzwurmbefall noch nicht beeinträchtigt. Dies habe die Untersuchung eines zu Rate gezogenen Statikers ergeben, so Hell. „Es besteht keine Einsturzgefahr. Die statisch tragenden Teile sind nicht beschädigt.“ 

Noch haust der Holzwurm in Dielen, Holzbelägen und Exponaten. Viele kleine Häufchen an Wurmmehl belegen seine Ausbreitung. Der Schädlingsbekämpfer allerdings warnt die Stadt in seiner schriftlichen Stellungnahme: Sollten die Schädlinge in das Holztragewerk vordringen, hätte dies eine „mittelfristige Einsturzgefahr“ zur Folge. Neben dem Holzwurm hatten sich Kleidermotten massiv in historischen Bekleidungsstücken im Obergeschoss eingenistet. Ebenso wurde ein Mäusebefall im gesamten Haus mit der dringenden Empfehlung zur Beseitigung festgestellt. 

Die erforderlichen Maßnahmen, um Holzwurm und Co. zu vertreiben, seien nun aber umgehend eingeleitet. Allerdings werde das Haus nicht „platt gemacht“, sagte Kulturamtsleiter Rupert Filser und trat damit ersten Gerüchten entgegen. 

Streit um Besitz 

Das Museum im „Hartmannhaus“ wird vom Heimatverein gemeinsam mit der Stadt betrieben. Dem Betreuer des Hauses wurde nun vom Heimatverein die Niederlegung seiner Tätigkeit nahegelegt. Auch dazu äußerte sich das Stadtoberhaupt in der Sitzung: „Wir stehen voll hinter dieser Entscheidung.“ 

Infolgedessen entflammte ein Streit zwischen Stadt und Museumsbetreuer um die Besitzverhältnisse einiger, zum Teil wertvoller Exponate. Es gebe eine Vielzahl wichtiger Ausstellungsstücke, auf die der bisherige Betreuer „sehr offensiv“ Besitzansprüche geltend mache, wie Hell bekannt gab. Dieser Streit werde nun juristisch angegangen, beide Seiten hätten einen Anwalt eingeschaltet. 

Neues Konzept 

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Heimatverein werde aber in bewährter Form weiter geführt. Nach Schädlingsbekämpfung, einer umfangreichen Bestandsaufnahme und museumsfachlicher Bewertung stellte Hell eine Neukonzeption der Ausstellung im „Hartmannhaus“ in Aussicht.

von Angelika Hirschberg

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