Gedenktafel für Hermann Emil Hutter an der ehemaligen katholischen Knabenschule

Heimatverein Kaufbeuren erinnert an Komponisten

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Trotz Schneegraupel Anbringung der Gedenktafel an der Ecke Münzhalde/Kirchplatz: Björn Fuchs (von links), Heinz Ziegler, Roland Bürkle, dahinter Hausbesitzer Oliver Blank, Steinmetz Alfred Neumann und Helmut Lausser vom Heimatverein Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Kaum jemand – vielleicht mit Ausnahme von Musikern oder Geschichtsforschern – kennt heute noch den gebürtigen Kaufbeurer Komponisten Hermann Emil Hutter (1848-19269). Das sollte aber nicht so sein.

Und damit die Leistungen verstorbener Persönlichkeiten oder historische Ereignisse nicht gänzlich aus dem Gedächtnis der Nachwelt verschwinden, bringt der Heimatverein Kaufbeuren e. V. immer wieder Gedenktafeln an Häusern im Stadtgebiet an.

Vergangene Woche geschah das auch am Haus in der Münzhalde 1, worin sich heute die Pizzeria „La Piazzetta“ befindet. Dort wohnten die Eltern des am 22. Dezember 1848 in Kaufbeuren als ältestes von fünf Geschwistern geborenen späteren Berufsoffiziers und Komponisten Hermann Emil Hutter. Die Eltern waren der Knabenschullehrer und Kirchenchorleiter von St. Martin, Johann Georg Hutter, und dessen Ehefrau Maria Balbina. Zwar war der junge Hermann Hutter bereits während seiner Gymnasialzeit in Augsburg als talentierter Musiker aufgefallen, trotzdem begann er ein Jurastudium in München. Im Krieg von 1870/71 ergriff er den Offiziersberuf, aus dem er im Mai 1897 als Major ausschied. Seitdem lebte er mit seiner Frau Anna Friedberg, die er 1878 geheiratet hatte, als Komponist und Kapellmeister in Nürnberg. 1912 zog das Paar zunächst nach Rosenheim, später nach Bad Aibling, wo Hermann Emil Hutter am 30. Januar 1926 starb. Er hinterließ zahlreiche Lieder, Chor- und Orchesterkompositionen, Klavierstücke und Serenaden. Seine Autobiographie enthält auch eine ausführliche Beschreibung der Stadt Kaufbeuren und ihres bürgerlichen Alltags um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Auch das Haus Münzhalde 1 selbst blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Das Anwesen der im Jahre 1453 gestifteten Honoldschen Prädikatur (= bürgerliches Predigeramt) war während der Reformation im 16. Jahrhundert von der Stadt eingezogen, jedoch 1628 während der Gegenreformation von den Jesuiten als deutsche Schule für katholische Knaben beschlagnahmt worden. Die lateinische Schule befand sich im Jesuitenkolleg in der Pfarrgasse. Die Münzhalde 1 blieb auch in den Jahren 1649-1654, in denen die Jesuiten aus Kaufbeuren vertrieben worden waren, sowie nach der Auflösung ihres Ordens im Jahre 1773 deutsches Schulhaus der katholischen Minderheit. Im Jahre 1848 wurde die katholische Knabenschule in den katholischen Pfarrhof im Kaisergässchen verlegt. 1873 übersiedelte sie schließlich in die neue, größere Schule an der Schraderstraße.

Auf der jetzt im Beisein von Hausbesitzer Oliver Blank angebrachten, von der Steinmetzfirma Lippert-Neumann GmbH aus Jurakalkstein gefertigten Gedenktafel sind sowohl Hermann Emil Hutter als auch die Stationen des Hauses verewigt.

Die Inschrift lautet:

Prädikaturhaus „Beim Stern“ – 1628-1848 katholische Knabenschule – Elternhaus des Komponisten – Hermann Emil Hutter 1848-1926.

von Ingrid Zasche

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