Sportanlage nicht für Campus opfern

Heimatverein vermisst Rückgrat der Stadträte und der Verwaltung

Polizeiinspektion Altstadt Gebäude Kaufbeuren
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Der Heimatverein Kaufbeuren ist davon überzeugt, dass Studierende und Mitarbeiter in bestehenden Gebäuden in der Innenstadt untergebracht werden könnten. Als ein Beispiel nennt der Verein das Polizeigebäude.

Kaufbeuren – Von der Stadtentwicklung entsteht kein einheitliches Bild, findet der Heimatverein Kaufbeuren. Stillstand auf dem Afraberg, immer neue Standortüberlegungen zur Finanzhochschule, heftige Proteste gegen das Ende der Sportflächen, ein Parkpflegewerk, das immer noch auf seine Umsetzung wartet und eine nicht nur coronabedingt leergefegte Altstadt. Das seien Problembilder. In einem Schreiben kritisieren die Vereinsmitglieder außerdem, dass der Stadtrat und die Stadtverwaltung gegenüber nicht standhaft zeigen und einen Campus in der Innenstadt ernsthaft in Betracht ziehen.

Viele Einzelbilder, aber kein sichtbares Gesamtkonzept – diesen Eindruck bekomme man zur Zeit von der Stadtentwicklung in Kaufbeuren. „Niemand erwartet vom Stadtrat oder von der Verwaltung Zauberkräfte, aber strategische Gesamtüberlegungen schon“, heißt es in dem vom 1. Vorsitzenden Werner Weirich und dessen Stellvertreter Dr. Ulrich Klinkert. Das Eine hänge allerdings mit dem Anderen zusammen.

Kritik äußerte der Heimatverein in jenem Schreiben. So fehle der Stadt das nötige Rückgrat wenn es um den Umgang mit der Staatsregierung gehe. „Die Idee, die Ausbildungsstätte auf der Moserwiese, neben dem Finanzamt anzusiedeln, war einleuchtend“, so der Vorstand. Dort sei auch nichts gegen einen Hochschulcampus einzuwenden gewesen. Die aktuelle Planung, dafür die Sportanlagen neben dem Jordanpark zu opfern, bringe viele Bürger „mit Recht auf die Barrikaden“.

Der Heimatverein ist der Meinung, dass das, was an der zentralen Lage beim Neubau des Eisstadions richtig war, auch für die anderen Sportvereine und vor allem für die Schulen richtig ist. Es bestehe kein Verständnis dafür, dass auf einer grünen Wiese ein Neubau entstehen soll. Vor allem da bestehende Gebäude in der Innenstadt nutzbar wären. Es solle „Hochschulstadt“ nicht nur auf den Ortsschildern stehen, sondern es wäre erstrebenswert, wenn die Finanzhochschule auch in der Stadt sichtbar würde. Es handle sich um eine überschaubare Anzahl an Studierenden und Mitarbeitern. Diese dürften auch im städtischen Raume vernünftig untergebracht werden können. „Das Areal des ehemaligen Landwirtschaftsamtes, die Post oder das Polizeigebäude, das durchaus sanierungsfähig ist und dazu noch dem Staat gehört, könnte doch einen wunderbaren Kern der Hochschule abgeben“, lautet es im Text des Heimatvereins. In unmittelbarer Umgebung dazu gebe es noch weitere ungenutzte Gebäude. Damit könne der Altstadt Gutes getan und der Hochschule etwas Flair verliehen werden.

Es gebe nicht ausschließlich Kritik zu üben. „Sehr zu begrüßen ist die – bisher noch – standhafte Haltung der Stadt gegenüber dem Investor auf dem Afraberg.“ Obwohl der jetzige Zustand des Areals eine traurige Zumutung sei. Weirich und Klinkert gaben im Namen des Vereins an, Verständnis dafür zu haben, dass ein Investor Geld verdienen möchte.Dennoch sollte der „heruntergekommenen Zustand“ des Areals nicht als Druckmittel eingesetzt werden „um eine Aufweichung der bisherigen Abmachungen zu erzwingen“. Der Heimatverein ist davon überzeugt, dass von Seiten der Stadt ein Regelwerk aus gutem Grund erarbeitet wurde. Eine Regelung mit klaren Vorgaben, um die Interessen der Öffentlichkeit zu wahren, heißt es im Schreiben des Vereinsvorstands. „Dass der Investor dieses Gesamtpaket auflösen möchte, ist aus seiner Sicht verständlich. Es kann aber nicht in öffentlichem Interesse sein, dass man sich die gewinnträchtigsten und schnell umsetzbaren Teile heraustrennt und die schwierigeren Teile an andere, am Ende gar an die Stadt weiterschiebt.“

Muss der Campus ein Neubau sein?

„Also noch einmal: Ist die Campusform wirklich zwingend notwendig?“, diese Frage stellt der Heimatverein. Die Staatsregierung, die auf der einen Seite immer von Förderung der Innenstädte spreche und viel Geld bereitstelle, habe im Fall von Kaufbeuren mit etwas gutem Willen die Möglichkeit, hier einen zukunftsweisenden Beitrag zu leisten. „Wir würden uns sehr wünschen, wenn dieser Gedanke viel selbstbewusster verfolgt werden würde“, schließen Klinkert und Weirich im Namen des Heimatvereins.

Es sei nun wichtig der Stadt den Rücken zu stärken, damit beim „gigantischen Projekt“ am Afraberg „die Teile, die uns allen zu Gute kommen werden (Gestaltung der Hangkante, Erhalt und Vitalisierung der denkmalgeschützten Bauten) nicht den schnellen Verwertungsinteressen geopfert werden“, so Weirich und Klinkert. Es sollte keine Spaltung im Zusammenhalt der nötigen Parteien und der Bevölkerung geben.

kb

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