Die Heldin Maria Espermüller

Die ewig starke Willenskraft der Maria Espermüller habe Felicitas Weileder besonders fasziniert. Die Schülerin am Kaufbeurer Jakob-Brucker-Gymnasium hat am „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ teilgenommen und erhält am Donnerstag, 1. Oktober, in Würzburg einen Förderpreis, der mit 100 Euro dotiert ist.

Vor zwei Jahren war das Thema „Jung und Alt in der Geschichte“, dieses habe der Schülerin nicht ganz so gelegen. Als sie dann vergangenes Jahr die Plakate für den neuen Wettbewerb mit dem Thema „Helden: verehrt – verkannt – vergessen“ in der Stadtbücherei sah, war ihr klar, dass sie dieses Mal gerne mitmachen möchte. Von Oktober bis Ende Januar hat sie an der 49 seitigen Arbeit über Maria Espermüller und ihre Suppenküche in Kaufbeuren gearbeitet und es so unter die 550 Besten von 1831 Arbeiten geschafft. Zunächst sei es für Felicitas gar nicht so einfach gewesen ihren Helden in der lokalen Geschichte zu finden. Doch der Zufall half ihr. Bei einer Frauenstadtführung mit Helga Ilgenfritz kamen auch Maria Espermüller und ihre 1945 gegründete Suppenküche auf dem Gelände des Buron-Centers zur Sprache. Beeindruckt hat die Schülerin an Espermüller, dass „sie nicht weggeguckt hat und ihr Privatvermögen investiert hat“. Nachdem 1945 mit einem Schlag „die Einwohnerzahlen der Stadt Kaufbeuren sich verdoppelt haben“, wie Felicitas dem KREISBOTEN gegenüber berichtet, da rund 15000 Flüchtlinge aus Gablonz an der Neiße nach Kaufbeuren kamen, richtete Maria Espermüller eine Suppenspeisung für die Flüchtlinge ein, wo sie zunächst rund 100 Essen pro Tag ausgab und später sogar rund 1000. In den Anfängen der Suppenküche war Espermüller mit der Köchin Anna allein. Felicitas hat sich in ihrer Arbeit sogar die Mühe gemacht und den ungefähren Kartoffelverbrauch pro Woche errechnet, der bei zirka 200 Kilogramm lag. Später halfen dann auch in der Suppenküche Flüchtlinge mit. Tief bewegt ist Felicitas von Maria Espermüllers Nächstenliebe; sie half nicht nur mit der Suppenküche, sondern gleich am ersten Weihnachten 1945, das die Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat verbrachten und nichts hatten, zog Espermüller mit dem Leiterwagen los und verteile „körbeweise Spritzgebäck“, wie die Schülerin berichtet. Geholfen haben Felicitas bei der Arbeit ihre frühere Geschichtslehrerin Ulrike Schilling, die Korrektur las; Helga Ilgenfritz, die den Kontakt zu den Kindern Espermüllers und so manchem Zeitzeugen herstellte, aber auch Wolfgang Sauter vom katholischen Kirchenarchiv und ihre Eltern, die sie bei Wind und Wetter zu den Archiven oder den Zeitzeugen gefahren haben. Wie lange es die Suppenküche in Kaufbeuren wirklich gab, da sind sich die Quellen nicht ganz einig. Zwar galt sie 1948/49 als geschlossen, doch ein Brief aus dem Jahr 1950 von dem Gaststättenverband belegt, dass dieser die sofortige Schließung der Suppenküche fordere, sagt Felicitas. Aber egal, ob 1948 oder erst 1950, fest steht, dass die Suppenküche der Maria Espermüller ein Beleg für eine lokale Heldin ist, die nicht weggeschaut und „nicht aufgegeben hat“, sagt Felicitas.

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