Mundartabend „Drhejme“ mit Mauke beim Theater im Turm

Der Herrgott spricht Paurisch

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„Die Ente kimmt mr neche ei de Wonne!“ (Jürgen Chmiel und Markus Stumpe).

Kaufbeuren-Neugablonz – Im April 2010 hatten „Mauke – Die Band“ und das „Theater im Turm“ erstmals gemeinsam einen Paurischen Abend gestaltet, damals noch streng getrennt: Mauke auf der Vorbühne und Theater im Turm mit Einaktern von Dr. Gertrud Zasche auf der Bühne. Jetzt wurde das Erfolgsrezept wiederholt, diesmal jedoch war Mauke voll integriert.

Ihre Klassiker wie „Dr Bodetag“ (zur Melodie der „Caprifischer“) oder „Er machte nie Randale“ (zu „L’Italiano“) oder „Ejn Schi“ (Angie) und natürlich die Kennmelodie „Mauke, Mauke“ („­Icecream“) dienten ebenso wie neuere Songs (zum Beispiel „Wu sein denn oll die Nopprn hie? Ei dr Blunze sitt mr kenn nemieh“ zu „Knock, knock, knock on heavens door“) als roter Faden zwischen den Sketchen, in denen die Maukianer ebenfalls einige Rollen übernommen hatten. Das Team vom Theater im Turm hatte bekannte und weniger bekannte Sketche ins Paurische übertragen und unter der Regie von Daniel Frank zwerchfellerschütternd umgesetzt.

In der Rahmenhandlung wird der Mundartdichter Michael O. Siegmund zu Petrus (Thomas Schönhoff) zitiert, der ihn als Berater zum Wesen und Leben der „Noppern“ benötigt. Siegmund erfährt, dass die sehr weltlichen Engel (Wolfgang Klemm, Herbert Stumpe, Björn und Sven Siegmund) Bier trinken und Lorum spielen und – wie der liebe Herrgott auch – Paurisch sprechen. „Wos, dr liebe Herrgout nopprt? Dos muss jo dr rejnste Hömml sein!“

In der Folge verzweifelt ein Apple-Kundendienstler (Tom Schumann) an Othmar Tabery, der ihm mit der Fehlerbeschreibung „Das F hängt“ ein Gerät zur Reparatur bringt, das er noch nie gesehen hat – eine Schreibmaschine. In „Paurisch für Anfänger“ verdeutscht Birgit Ries recht eigenwillig das Gespräch zwischen Frau Rösler (Petra Lucke) und Frau Priebsch (Brigitte Dressler) auf dem Wochenmarkt, den Mauke mit dem Song „Uf m Morchte ei Gablunz um acht“ („Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“) angekündigt hatte. Wem diese Übersetzungen nicht genügten, der fand im Programmheft ein „kleines Nachschlagewerk“ mit den nötigsten Vokabeln. Köstlich war das Gespräch der Hochzeitsreisenden Ida und Anton (Tine Böhm und Oliver Chmiel), die überlegten, was auf die Karten für die Verwandtschaft zu schreiben wäre und aus einem lebensgroßen Plakat heraus agierten. „Ville Grisse aus Bibione vu dr Ida und n Tone“. Passend dazu war „Er machte nie Randale“ zur Melodie von „L’Italiano“ zu hören. Zwischendurch las Markus Stumpe immer wieder Gedichte von Heinz Kleinert vor. Für ein Ehepaar, das in einer Etagenwohnung lebte und eine Ziege geerbt hatte, wurde das Paurische Volkslied „O mennr Ziege ho ich Frejde“ zum Besten gegeben. Ein veritables Kabinettstückchen – auch vom Bühnenbild her mit Zink-Badewanne und Badeofen – war der Bade-Sketch nach Loriot. „Herr Hübner Hawlitschek“ und „Einfach Wantzl“ (Markus Stumpe, Jürgen Chmiel) in roten Ringelbadeanzügen plantschten dabei tatsächlich im Wasser. Überhaupt war der Bühnenbau wieder einmal genial. Markus Stumpe und Daniel Frank hatten eine Drehbühne entworfen, wo auf einer Seite M. Siegmunds Schlagzeug stand und auf der anderen Seite während der Mauke-Songs in aller Ruhe das jeweils nächste Bühnenbild aufgebaut werden konnte, ergänzt durch entsprechende Projektionen auf seitlichen Leinwänden.

Nach der Pause, in der traditionell Rejcherworschte zum Verkauf standen, ging es zuerst ums Essen: Markus Stumpe redete Oliver Chmiel erfolgreich ein, dass der Verzehr von Apfelkernen die Intelligenz fördert. Nach „Gablunzer Assn“ zur Melodie von „Zuppa Romana“ ging in „Gons-Assn“ der Plan von Frau Wantzl, die dem von ihrem Mann eingeladenen Ehepaar Priebsch keinen Gänsebraten gönnen wollte, gründlich nach hinten los. Danach scheiterte ein Verein bei der Namensfindung, weil nichts so richtig das Ziel des Vereins – die Integration von „Theater, Frau und Kirche“ – zum Ausdruck bringen wollte. Zur Melodie von King Louies „Ich wär so gern wie du“ besang Mauke die verschiedenen Möglichkeiten, den „Feieroubd“ zu gestalten. Schließlich lehnte sich Oliver Chmiel gegen seinen Vater auf, der mit Sprüchen wie „Bei uns word ock Paurisch geredt“ seine Allgäuer Freundin „hierawirblig“ gemacht und verscheucht hatte.

Nach zwei höchst amüsanten Stunden in den Himmel zurückgekehrt hieß es Abschied nehmen, wie immer mit „Nimm (sag) beim Abschied leise Servus“. Aber das begeisterte Publikum ließ nicht locker, bis es als Zugabe auch noch das Lied von der Sensibilität des Mannes erklatscht hatte. Fünf restlos ausverkaufte Vorstellungen mit Paurischen Sketchen lassen hoffen, dass die Mundart doch noch nicht ganz tot ist.

von Ingrid Zasche

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