Ein Hilfsangebot mit Kanten?

Landwirte stimmen dem Angebot für eine Entschädigung von Pioneer nicht zu. Der Grund: Pioneer koppelt seine finanzielle Hilfe an so genannte „Wohlverhaltensklausel“. Foto: Frisch

In wenigen Wochen – je nach Wuchs und Sorte – beginnt im Allgäu bereits die Maisernte. Die über 20 Landwirte, die im Juni die sogenannte „Umbruchanordnung“ des bayerischen Landwirtschaftsministeriums für ihre jungen Maispflanzen erhalten hatten, warten dagegen immer noch auf eine Klärung der Umstände und eíne Antwort auf die Frage, wer für den entstandenen Schaden aufkommt. Grund für die Anordnung war eine Routinekontrolle des Niedersächsischen Landwirtschaftsminis- teriums gewesen, bei der in einer Charge Maissaat des Buxtehuder Konzerns Pioneer laut Ministerium gentechnisch verunreinigtes Material gefunden worden war.

Saatgut aus dieser Charge gelangte auch an Allgäuer Bauern. Pioneer bestritt die Vorwürfe (KREISBOTE berichtete), Leidtragende blieben die Bauern, die vorerst ohne Entschädigung und Klärung der Schuldfrage ihre Maispflanzen buchstäblich dem Erdboden gleichmachen mussten. Nun hat Pioneer ein „Soforthilfekonzept“ erstellt, das den über das Bundesgebiet verteilten betroffenen Landwirten im Rahmen von Infoveranstaltungen vorgestellt wird. Für die rund zwei Dutzend Landwirte aus dem Ost- und Unterallgäu fand eine Solche Ende Juli in Horgau bei Günzburg statt. Pioneer bietet den Betroffenen nach eigenen Aussagen an, ohne Annerkennung einer Schuld und „Rechtspflicht“, die Kosten für den Umbruch und die zu erwartenden Ernteausfälle zu übernehmen. „Schnell und unbürokratisch“ solle die finanzielle Soforthilfe sein, teilte Pioneer in einer Presseerklärung mit. In dieser hieß es außerdem, das Angebot sei von den bisher informierten Landwirten als „angemessen“ bewertet worden und solle noch in dieser Woche in eine „konkrete Vereinbarung“ zwischen dem Unternehmen und den Betroffenen münden. Zudem sei geplant, in Zusammenarbeit mit den Bauernverbänden die Klärung der Schuldfrage voranzutreiben. Pioneer beabsichtige, das Land Niedersachsen in einem Musterprozess auf Schadenersatz zu verklagen, da das dortige Landwirtschaftsministerium den Konzern nicht rechtzeitig von den angeblich positiven Proben in Kenntnis gesetzt habe, erklärte der Geschäftsführer von Pioneer Hi-Bred Nordeuropa, Ulrich Schmidt. Auf Nachfrage des KREISBOTEN beim Bayerischen Bauernverband, Geschäftsstelle Kaufbeuren, betonte jedoch Thomas Kölbl, es könne zumindest bezüglich der Allgäuer Infoveranstaltung keine Rede von Einigkeit sein. Die einzelnen Landwirte hätten in Horgau das Angebot von Pioneer nicht in allen Punkten so akzeptieren können. „Pioneer koppelt seine finanzielle Hilfe an eine sogenannte „Wohlverhaltensklausel“, die Bauern müssten sich beispielsweise zur Verschwiegenheit nach außen verpflichten und dürften keine eigenständigen rechtlichen Schritte einleiten. Das ist problematisch zu bewerten.“ Nicht einverstanden sei man zudem mit der Bedingung, dass bei einem späteren gerichtlichen „Freispruch“ Pioneer seine finanziellen Leistungen zurückfordern könne. „Wenn ich als Firma meinen geschädigten Kunden wirklich helfen will, dann knüpfe ich diese Hilfe nicht an solche Konditionen“, so Kölbl. Pioneer habe nach der Veranstaltung aber angekündigt, das Vertragswerk noch einmal entsprechend der Einwände zu überarbeiten. Der Vertreter der Landwirte hierzu: „Wir als Bauernverband hoffen, dass Pioneer seine Haltung überdenkt und sein Angebot entsprechend umgestaltet. Dem Ruf der Firma bei den Landwirten ist ihr momentanes Verhalten sicher nicht zuträglich. Und als Großkonzern, der seine Produkte verkaufen will, sollte man immer daran denken: es gibt auch eine nächste Aussaat!“

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