„Fördern und Fordern“

Hintergründe zur Wahl des neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kaufbeuren

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Helmut Winkler ist vor zwei Wochen zum neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kaufbeuren gewählt worden.

Kaufbeuren – Für viele Kaufbeurer Bürger kam die Wahl des neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Helmut Winkler überraschend. Der bisherige Amtsinhaber Thomas Vogt wurde nach 18 Jahren nicht wiedergewählt. Der Kreisbote hat nun – nach einigen Tagen Abstand – die Beteiligten zum Redaktionsgespräch getroffen, um die Situation besser verstehen zu können.

Herr Vogt, nach 18 Jahren im Amt als Feuerwehrkommandant und damit verbunden auch Stadtbrandrat, hatten Sie sich bei der letzten Jahreshauptversammlung wieder zur Wahl gestellt, wurden aber nicht wiedergewählt. Wie bewerten Sie die Situation für Sie persönlich?

Thomas Vogt: Dass neben mir noch jemand kandidieren würde, war Wochen vorher bekannt, deshalb also nicht überraschend für alle Beteiligten. Das Ergebnis war nicht vorhersehbar. Es gab so etwas wie einen internen Wahlkampf, aber keine persönlichen Anfeindungen. Ich fühle mich in der Rolle, Verantwortung abgeben zu können, ganz wohl. Mit ein paar Tagen Abstand fallen die Projekte der vergangenen Jahre – die Umstellung auf Digitalfunk, die Integrierte Leitstelle und Neubau des Feuerwehrhauses – langsam von mir ab. Ab dem 24. April werde ich die Aufgaben offiziell übergeben.

Der Rückblick erfolgt schon mit Wehmut. Wenn irgendwo in der Stadt die Feuerwehr im Einsatz war, war ich möglichst vor Ort und hatte als Kommandant dann natürlich auch die Einsatzleitung. Den Einsatz, den ich von anderen erwarte, wollte ich auch selber zeigen. Durch täglich viele Stunden für die Feuerwehr und den Brandschutz, waren wenig andere persönliche Hobbys möglich. Jetzt werde ich wieder mehr Zeit für die Familie haben. Ich werde den aktiven Dienst nicht aufgeben, in welcher Form der sein wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Ich bin für die Stadt auch noch im vorbeugenden Brandschutz tätig und bewerte in der Brandschutzdienststelle beispielsweise Bauanträge aus Sicht des Brandschutzes. Zusammenarbeit wird es also weiterhin geben, es geht ja um die Sache.

Herr Winkler, wie ging es ihnen bei der Wahl zum neuen Kommandanten und was waren die Gründe für ihre Kandidatur?

Helmut Winkler: Eigentlich war ich bei der Wahl entspannt, weil ich nichts zu verlieren hatte. Thomas Vogt hat in den vergangenen Jahren viel bewegt, auch zusammen mit Stadtbrandinspektor Wolfgang Zwinger und Stadtbrandmeister Andreas Opel. Bisher lag eine starke Konzentration auf der Ausführung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes. Die ausgebildeten Führungskräfte konnten dabei vor Ort wenig Führungsaufgaben übernehmen. Das führte zu schlechter Stimmung, wirkte demotivierend und erzeugte Frust. Das hatte sich schleichend über viele Jahre entwickelt.

Ich will als Kommandant aber mehr auf die Menschen eingehen, die sich jeden Tag ehrenamtlich für die Allgemeinheit einsetzen und nicht nur das Gesetz durchziehen. Die Einsatzbereitschaft soll und muss selbstverständlich gesichert bleiben. Wenn aber das nicht mehr über das Ehrenamt läuft, wäre eine ständig besetzte Leitstelle oder eine Berufsfeuerwehr notwendig.

Inzwischen habe ich viele Glückwünsche erhalten und auch schon Angebote von Mitgliedern, die neue Aufgaben übernehmen wollen. Das passt zu meinem Motto: „Fordern und Fördern“.

Herr Weikmann, waren Sie als Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Kaufbeuren von der Wahl und dem Ergebnis überrascht?

Hubert Weikmann: Dass sich zwei Kandidaten der Wahl gestellt haben, war nicht überraschend und ein demokratischer Prozess. Vielleicht haben sich nach 18 Jahren viele Dinge so eingelaufen, weshalb eine Mehrheit zu Änderungen bereit war. Von Führungskräften kam auch der Wunsch nach mehr Verantwortung. Inzwischen ist bei den Mitgliedern viel Aufbruchstimmung vorhanden, sodass ich optimistisch bin, dass wir die Aufgaben auch in Zukunft bewältigen werden.

Das Interview führte Wolfgang Krusche

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