Ausstellung: „Der lange Weg – Stationen einer HIV-Infektion“

"Der lange Weg"

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Die Rote Schleife steht für Toleranz und Solidarität mit Menschen, die von HIV oder Aids betroffen sind.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Eine ganz besondere Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Landrätin Maria Rita Zinnecker wird ab 19. Juni in den Räumen der AOK Kaufbeuren zu sehen sein. Das AWO-Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS), das als Psychosoziale Aidsberatungsstelle für den gesamten Regierungsbezirk Schwaben zuständig ist, holt „Der lange Weg – Stationen einer HIV-Infektion“ in die Region.

„Die Homosexuellen-Seuche ,Aids‘, eine tödliche Abwehrschwäche, hat Europa erreicht. Mindestens 100 Deutsche sind bereits erkrankt, sechs in den letzten Wochen. Die Ärzte sind ratlos: Über die Ursache wird nur spekuliert, eine Behandlung gibt es nicht.“ So berichtete das Nachrichtenmagazin der Spiegel am 6. Juni 1983. Seit Beginn der Epidemie wurden circa 28.500 Todesfälle bei HIV-positiven Menschen verzeichnet.

Vieles hat sich getan in den letzten 34 Jahren. HIV ist heute keine tödliche Erkrankung mehr. Durch die Entwicklung effektiver antiretroviraler Medikamente ist es möglich, die Viruslast über lange Zeit unter die Nachweisgrenze zu senken, so dass sich das Immunsystem regenerieren kann und betroffene Menschen zudem sexuell nicht mehr ansteckend sind. Mittlerweile hat sich die HIV-Infektion in den Industrieländern zu einer chronischen Erkrankung entwickelt. HIV-positive Menschen können mit den heute verfügbaren Medikamenten eine mit HIV-negativen Menschen vergleichbare Lebenserwartung und -qualität erreichen.

Heute steht eine Vielzahl wirksamer Medikamente zur Verfügung, die an jedem Punkt die Vermehrung des HI-Virus hemmen. Die Medikamenteneinnahme wird einfacher, die Nebenwirkungen deutlich geringer und sie werden oft als nicht beeinträchtigend erlebt. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose, die Anbindung an einen Facharzt und die regelmäßige und zuverlässige Medikamenteneinnahme.

2015 lebten 85.700 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland, davon 60.700 unter anti-retroviraler Therapie – aber auch geschätzt 12.600 Menschen, die nichts von ihrer Infektion wissen.

Eine HIV-Infektion ist viel mehr als ein medizinisches Thema, sie ist immer noch mit Tabus verbunden, berührt existenzielle Ängste und kann alle Aspekte des Lebens beeinflussen, zwischenmenschliche Beziehungen verändern und erschweren. Kaum geändert haben sich in den letzten Jahren die Berührungsängste gegenüber HIV-positiven Menschen, und bei Betroffenen die empfundene Ausgrenzung, der Verlust von Sorglosigkeit, der viel zu frühe Gedanke an die eigene Sterblichkeit, das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören, eine spürbare Veränderung in den Beziehungen zu Familie und Freunden.

Die Ausstellung „Der lange Weg“, die verschiedene Phasen im Umgang mit der Diagnose „HIV-positiv“ zeigt und einen Einblick in Sorgen und Nöte Betroffener gibt, möchte Brücken bauen und zum Nachdenken anregen.

Begleitend dazu finden zwei Wochen lang zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich mit den Themen „HIV und Aids heute“ beschäftigen. Am Vorabend der Eröffnung findet ein themenbezogener Gottesdienst in der Altkatholischen Gemeinde in Kaufbeuren-Neugablonz am 18. Juni um 18 Uhr statt. Offizielle Eröffnung der Ausstellung ist einen Tag später am 19. Juni ebenfalls um 18 Uhr. Zinnecker als Schirmherrin sowie Bürgermeister Gerhard Bucher sprechen Grußworte.

In den darauf folgenden zwei Wochen werden unter anderem Kinoveranstaltungen („Dallas Buyers Club“, „Geliebtes Leben“, „We ­were here“) in Kaufbeuren und Füssen gezeigt, bei denen Mitarbeiter des ZAS für Fragen und Diskussion zur Verfügung stehen. Die Termine finden Sie auf den Leserservice-Seiten. Außerdem schult das Team des ZAS unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Jugendamtsmitarbeiter, Hebammen, Sozialarbeiter, Flüchtlingshelfer und Ärzte.

Führungen durch die Ausstellung im AOK-Gebäude können per E-Mail an ­kontakt@zas-schwaben.­de oder Tel. 0821/158081 gebucht werden, auch für Gruppen und Schulklassen.

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