Neun von zehn Rückhaltebecken sind fertiggestellt

Neun Rückhaltebecken fertig

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Bidingens Bürgermeister Franz Martin (links) konnte seinen Einwohnern auch bei einem hundertjährigen Hochwasser trockene Häuser versprechen. Für Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger nähert sich das von ihm initiierte Projekt langsam dem Ende.

Bidingen – Die Hochwasserschutzmaßnahmen für Bidingen und die Gemeinden Ob, Tremmelschwang und Ödwang sind mit der Fertigstellung des Rückhaltebeckens „Engelmaiersee“ abgeschlossen. Das konnte ein stolzer Bürgermeister bei der feierlichen Segnung des Sperrwerkes durch Pfarrer Thaddäus Biernacki verkünden.

Franz Martin betonte vor den geladenen Gästen, das Geld für den Hochwasserschutz sei sinnvoll angelegtes Geld, denn es bedeute, dass die Häuser der unterhalb des Dammes gelegenen Ortschaft auch bei einem hundertjährigen Hochwasser trocken bleiben. 

Wie schon beim ersten Spatenstich vor einem Jahr, an dem Bayerns damaliger Umweltminister Marcel Huber teilnahm, hatten auch zur Segnung einige auswärtige Gäste Schwierigkeiten, den Engelmaiersee und das Hochwasserrückhaltebecken zu finden. Der Namensgeber für das Rückhaltebecken ist ein See, der durch die Verlandung schon lange nicht mehr existiert, erzählte Bürgermeister Martin den Gästen. Die konnten mit eigenen Augen sehen, dass das Rückhaltebecken sich als ein kleines Tal mit einem Minibächlein in naturbelassener Landschaft darstellt. Das Sperrwerk ist wenig spektakulär und sieht eher aus wie eine kleine Brücke über einen Bach. 

Trotzdem sind die Zahlen beeindruckend. Bertram Mooser, dessen Ingenieurbüro die Planungen für den kompletten Hochwasserschutz an Gennach und Hühnerbach durchgeführt hat, erläuterte das Konzept für den Bereich Bidingen. Erst zusammen mit dem Hochwasserrückhaltebecken „Indianer“ südlich der Ortschaft Ob, wird der Bereich um Bidingen gegen das sogenannte „hundertjährige Hochwasser“ geschützt. Der maximale Aufstau im Engelmaiergraben beläuft sich auf maximal 1,35 Meter über dem Gelände. Dabei können 244.000 Kubikmeter Wasser auf einer Fläche von rund 310.000 Quadratmetern zurückgehalten werden. 

Die Höhe des 79 Meter langen Naturdammes beträgt nur 2,8 Meter und ist als Damm kaum wahrnehmbar. Wegen der geringen Stauhöhe sind die Schütze fest eingebaut und müssen somit nicht regulierbar werden. Die Drosselöffnung vermindert den Durchfluss auf 800 Liter pro Sekunde. Der Zufluss in den Engelmaiergraben beläuft sich im Hochwasserfall dagegen auf 4300 Liter pro Sekunde. 

Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger ist Vorsitzender des Zweckverbandes Hochwasserschutz an Gennach und Hühnerbach. Er hatte den Verband unter dem Eindruck der verheerenden Überschwemmungen des Pfingsthochwassers von 1999 und den Prognosen über zunehmende Hochwasserrisiken durch Starkregenereignisse im Jahr 2005 initiiert. 

Von der Quelle bis zur Mündung von Hühnerbach und Gennach sind alle Anliegergemeinden Mitglied des Zweckverbandes. Der Buchloer Bürgermeister schilderte in seiner kurzen Festansprache die „einmalige Geschichte“ des Hochwasserzweckverbandes. Der Buchloer Rathauschef sprach von dem damals formulierten „heroischen Ziel“, Menschenleben vor dem Hochwasser zu schützen. „Mit unserem Hochwasserschutzverband haben wir Geschichte in Bayern geschrieben“. 

Aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit war Stefan Wedding an den Engelmaiergraben gekommen. Sein damaliger Chef Marcel Huber hatte es schon beim Spatenstich auf den Punkt gebracht: „Man muss selbst auf so ein kleines Bacherl aufpassen“. Wedding betonte im Angesicht des „kleinen Bacherls“, der Zweckverband könne eine stolze Bilanz ziehen. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Verband. Das Vorhaben sei absolut professionell geplant und durchgeführt worden. Mit den Anliegern habe es keinen einzigen Streitfall gegeben, der vor Gericht gelandet sei, betonte der Ministeriumsvertreter. 

Wedding sagte, sein Ministerium fördere Hochwasserschutzmaßnahmen mit Zuschüssen von 75 Prozent. Für das Projekt Engelmaiergraben seien das mehr als zwei Millionen Euro gewesen. Die Gesamtkosten des Projektes hätten bei rund drei Millionen Euro gelegen. 

Mit dem Gesamtkonzept beauftragten die Gemeinde Bidingen, Hiltenfingen, Jengen, Lamerdingen, Langerringen, Oberostendorf, Osterzell, Stöttwang, Westendorf, Markt Kaltental und die Stadt Buchloe das in Kaufbeuren beheimatete Ingenieurbüro Mooser. 

Inzwischen sind neun der zehn Hochwasserrückhaltebecken fertiggestellt. Lediglich das Becken in Eurishofen steht noch aus. Dazu kommen noch kleinere Hochwasserschutzmaßnahmen in Westendorf und Gutenberg. Bertram Mooser betonte, Ziel des Konzeptes sei es, alle bebauten Gebiete vor Hochwasser zu schützen. Das schließe ein, dass Gennach und Hühnerbach durchaus unbebautes Gelände überfluten können und dürfen.

von Siegfried Spörer

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