Gennach erhält bei Hochwasser eine „Umleitung“ entlang der Kreisstraße zwischen Gutenberg und Westendorf

Mehr Sicherheit für Gutenberg

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Der Spatenstich war nur symbolisch. Seit zwei Wochen wird bereits an den neuen Brücken an der Kreisstraße zwischen Gutenberg und Westendorf gearbeitet. Oberostendorfs Bürgermeister Helmut Holzheu (r.) freute sich zusammen mit dem Vorsitzenden des Zweckverbandes Josef Schweinberger (2.v.r.), dass nun auch die Bürger des Ortsteiles Gutenberg künftig besser vor Hochwasserlagen geschützt sind.

Oberostendorf/Gutenberg – In einem halben Jahr sollen die rund 360 Einwohner des Oberostendorfer Ortsteils Gutenberg bei Hochwassergefahr der Gennach beruhigter schlafen können.

So drückte es Oberostendorfs Bürgermeister Helmut Holzheu beim symbolischen Spatenstich vorige Woche aus, der den „Gewässerausbau Gutenberg“ einleiten soll. Anders als bei den meisten Hochwasserschutzmaßnahmen an Gennach und Hühnerbach wird in Gutenberg kein Rückhaltebecken gebaut. Vielmehr erhält die Gennach bei Hochwasser eine „Umleitung“ entlang der Kreisstraße zwischen Gutenberg und Westendorf. Dort gibt es entsprechende Überflutungsflächen. 

Der „Gewässerausbau Gutenberg“ gehört zum Gesamtprojekt des Hochwasserschutzes an Gennach und Hühnerbach. Dafür hatte sich eigens ein Zweckverband gegründet. Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger, Vorsitzender des Zweckverbandes, erinnerte daran, dass sich elf Kommunen diesem Zweckverband angeschlossen hätten. Man habe ein Gesamtkonzept entwickelt, um die Bürger vor Hochwasser zu schützen, betonte Buchloes Bürgermeister. 

Auslöser für die Gründung des Zweckverbandes Hochwasserschutz Gennach-Hühnerbach im Jahre 2007 war das unvergessene Hochwasser im Jahr 1999, das entlang der beiden Flüsse Schäden in Millionenhöhe verursachte. Schon kurz nach der Katastrophe hatten sich die Bürgermeister der hochwasserbedrohten Gemeinden und Kommunen zwischen Quelle und Mündung der beiden Flüsse an einem Tisch gesetzt und über gemeinsame Maßnahmen beraten. 

Oberostendorfs Bürgermeister sagte beim Spatenstich, 1999 wären alle Keller des Ortsteiles Gutenberg bis zur Oberkante überflutet gewesen. Inzwischen wurde ein Sicker- und sechs Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Ein weiteres Rückhaltebecken entsteht derzeit bei Bidingen. 

Als weitere Bauvorhaben stehen neben Gutenberg noch Eurishofen und Westendorf aus. Bis zum Jahr 2018 soll das Gesamtpaket abgeschlossen sein. Gefördert wird dieses Programm vom Freistaat Bayern, der seit 2001 bereits 1,8 Milliarden Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen in ganz Bayern ausgegeben hat. 

Das Programm „Hochwasserschutz 2020 Plus“ sei inzwischen sogar auf 3,4 Milliarden Euro aufgestockt worden, betonte Bernd Engstle vom Wasserwirtschaftsamt in Kempten. Das Wasserwirtschaftsamt fördert auch den Gewässerausbau Gutenberg. Insgesamt werden hier Kosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro geschätzt. Knapp 900.000 Euro wird der Freistaat dazu beisteuern. „Geld habe ich allerdings noch nicht mitgebracht“ scherzte Engstle wegen der erwartungsvollen Blicke. 

Wer in Gutenberg vor der Gennach steht, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass ein derart kleiner Bach zu katastrophalen Überschwemmungen führen kann. In der Vergangenheit hatte die Freiwillige Feuerwehr schon mal Hochwasser am bestehenden Wehr zwischen Gutenberg und Westendorf über die Kreisstraße auf die östliche Wiesenfläche abgeleitet. Diese Idee hatte der beauftragte Planer Klaus Bäumler vom Ingenieurbüro A & B übernommen. Allerdings wird die Kreisstraße zwei Brückenbauwerke erhalten, damit das Wasser nicht die Straße überflutet. 

Entlang der Kreisstraße soll ein etwa 1000 Meter langer Damm entstehen. Die normalerweise übliche Wassermenge wird auch im Hochwasserfall durch das bestehende Flussbett fliesen. Die Umleitung des zusätzlichen Hochwassers, die über das Wehr gesteuert wird, erfolgt automatisch erst dann, wenn die Wassermengen ein definiertes Größenmaß überschreiten. 

Fertig werden sollen die Baumaßnahmen spätestens im November dieses Jahres. „Vielleicht bleiben dann noch ein paar Restarbeiten wie beispielsweise die Begrünung der Dämme. Die werden wir dann im Frühjahr des nächsten Jahres angehen“, sagte der Planer Klaus Bäumler. 

Absolute Sicherheit wird es trotz der Hochwassermaßnahmen nicht geben, gab Oberostendorfs Bürgermeister den Besuchern des Spatenstiches noch mit auf den Weg. Trotzdem fühlt sich die Gemeinde gut gerüstet.

von Siegfried Spörer

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