Themen Trauer und Tod an der Grundschule 

"Hospiz macht Schule"

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Trauerpädagogin Gertraud Echter-Burkhardt (links) mit den Viertklässlern der Don-Bosco-Schule in Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Kürzlich besuchten fünf ehrenamtliche Hospizbegleiter vom Hospizverein Kaufbeuren/Ostallgäu die Don-Bosco-Schule in Marktoberdorf, um sich im Rahmen des Projekts „Hospiz macht Schule“ gemeinsam mit den Schülern der 4. Klassen mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen.

Die Marktoberdorfer Grundschüler befassten sich in der Projektwoche zum Beispiel mit dem Lebenslauf eines Menschen, der mit der Geburt beginnt und natürlicherweise mit dem Tod ein Ende findet. Die im Klassenzimmer angebrachten Kindheitsfotos der Schüler veranschaulichten hierzu den Prozess des Heranwachsens, und die selbstgemalten Bilder von Schmetterlingen auf dem Weg in eine neue Welt illustrierten die Vorstellung der Kinder vom Jenseits. Die „Schmetterlingsreise“ zeigte sich dabei in seinen schönsten, hellsten Farben und gab keinen Anlass zu einer bedrückten Stimmung.

Aber vor allem auch das Zulassen von Trauer wurde thematisiert. Hospizbegleiterin Gertraud Echter-Burkhardt wies darauf hin, wie wichtig der „Prozess der Akzeptanz, die Integration der Trauer in die Persönlichkeit“ ist, und lobte die „hohe Sozialkompetenz“ und den emotionalen Zugang der Kleinen zu diesem tabubesetzten Thema. So ließen die Kinder im Laufe der Projektwoche auch einige Tränen und trösteten sich gegenseitig. Hospizbegleiterin Alexandra Scharpf fühlte sich laut eigener Aussage durch das Vertrauen der Kinder geehrt.

Die Empathie der Kinder war gefragt als es darum ging, welche Wege es gibt um Trost zu spenden und in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein. Zur Verarbeitung ihres Schmerzes schrieben die Grundschüler Briefe, zum Beispiel an verstorbene Haustiere, Omas und Opas. Auf Plakaten fassten sie zusammen, was ihre Ideen zu den Aufgaben eines Bestatters sind: „Dem Verstorbenen seine Lieblingskleidung anzuziehen“, war zum Beispiel eine davon.

Auch eine kindgerechte Wissensdoku aus der „Willi wills wissen“-Reihe gab es zu sehen. Ein älterer Herr, der darin porträtiert wurde, sah seinem nahenden Tod gelassen entgegen, in die Kamera winkend – die Reaktion der Kinder: sie lachten.

Diesen offenen, humorvollen Umgang mit dem Thema Tod beobachten die Trauerbegleiter oft: Die Kinder durchbrechen Hemmschwellen, nehmen dem beängstigenden „Abschied für immer“ spielerisch die Brisanz.

Hospizbegleiter Bernd Gabel berichtete von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, die für ihn ein lohnender Einsatz ist: „Wir kriegen viel zurück, lernen viel von unterschiedlichen Menschen“. Er will auf das Angebot der Trauerbegleiter – besonders auch für Angehörige – Aufmerksam machen, die Sensibilität dafür in der Gesellschaft wecken, denn: auch Erwachsene brauchen Trost, wenn ein lieber Mensch von ihnen scheidet und sollten sich nicht davor scheuen, gegebenenfalls Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Am Ende der Woche wurden dann die Eltern der Kinder eingeladen, die in einer Präsentation zu sehen bekamen, was sich ihr Nachwuchs erarbeitet hat.

von Mahi Kola

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