Luftrettungsstation in Kempten vor dem Aus – Kaufbeuren hofft wieder

Ist Kaufbeuren wieder im Spiel?

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Wo Christoph 17 künftig landet, bleibt nach der neuesten Wendung von CSU und Freien Wählern unklar.

Kaufbeuren – An einer 40 Meter hohen Plattform scheiden sich in Kempten die Geister: Nach drei Jahren Planung scheint die Riederau als Landeplatz für den Christoph 17 vom Tisch. MdL Bernhard Pohl aus Kaufbeuren sieht die Wertachstadt sowieso als besseren Standort an.

Der Widerstand gegen den Hubschrauber-Landeplatz in der Riederau (Kempten) wächst: Nach Anwohnern und Naturschützern sprechen sich nun auch Kemptens CSU und Freie Wähler gegen die Riederau als Standort der neuen Luftrettungsstation für „Christoph 17“ aus. Damit steht das Vorhaben wohl vor dem Aus, die Suche nach einem geeigneten Standort beginnt von Neuem. Wenn es nach MdL Bernhard Pohl (FW) geht, sollte der Rettungshubschrauber in Kaufbeuren stationiert werden, da hier aus seiner Sicht „alle Voraussetzungen gegeben sind“. 

Beim Zweckverband für Rettungsdienste (ZRF) ist man entsetzt über die neueste Wendung von Kemptens CSU/FW. Denn damit ist der Standort Riederau quasi aus dem Rennen. Drei Jahre Planungsarbeit stehen durch diese Entwicklung auf dem Spiel. Wie Kemptens Oberbürgermeister Ulrich Netzer (CSU) am Dienstag ankündigte, soll nun der Suchkreis für einen Standort auf den Altlandkreis Kempten ausgedehnt werden. „Eine Plattform 40 Meter in der Luft ist nicht zumutbar“, sagte Netzer als Begründung für den Rückzieher gegenüber dem Kreisboten. Auch aus städtebaulicher Sicht sei das Projekt sehr bedenklich und zudem sehr teuer in der Realisierung. Damit steht das Vorhaben Riederau, wo der neue Landeplatz beim Bundeswehrsportplatz gebaut werden sollte, aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem Aus. „Das wirft uns direkt an den Anfang zurück“, so ZRF-Geschäftsleiter Wolfgang Klaus. 

Denn die Baugenehmigung für den Landeplatz muss der Bauausschuss der Stadt Kempten erteilen. Dort haben CSU und FW die Mehrheit und bereits angekündigt, der Station in der aktuell vorliegenden Form nicht zuzustimmen. Stattdessen solle nach geeigneten Alternativen gesucht werden. ZRF-Geschäftsführer Klaus reagierte am Dienstag überrascht auf den Vorstoß der beiden Fraktionen. Zum einen sei die Problematik der Aufständerung seit langem bekannt, zum anderen sei so geplant worden, dass die Eingriffe in das Landschaftsbild so gering wie möglich ausfielen. Wie es nun weitergehe, konnte er noch nicht sagen. Er müsse nun zunächst den ZRF über die neuesten Entwicklungen unterrichten – dann müssen neue Beschlüsse her. 

OB Dr. Ulrich Netzer indes kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Er habe schon während des gesamten Planungsprozesses deutlich gemacht, dass er eine derart massive Aufständerung nicht akzeptieren werde. „Die Optik ist nicht zumutbar“, betonte er. Doch wie soll es nun weitergehen? „Wir geben nicht auf, wir müssen hier bleiben”, betonte OB Netzer gegenüber unserer Zeitung. Christoph 17 müsse in oder in der Nähe von Kempten stationiert werden, sonst entstehe vor allem im Westallgäu eine Abdeckungslücke. „Der nächste Schritt wird sein, den Suchkreis auf den Altlandkreis auszudehnen”, erklärte er. Ursulasried habe nur noch eine Chance, wenn das Luftamt Süd eine Ausnahmegenehmigung erteile und auf die Aufständerung der Plattform verzichte. 

Pohl sieht Chance für Kaufbeuren 

Für Pohl wäre indes Kaufbeuren der ideale Standort für „Christoph 17“: „Alle Voraussetzungen sind hier gegeben“. Erfreut zeigt er sich vor allem über den Hinweis des Zweckverbands-Geschäftsleiters Wolfgang Klaus, dass eine Ausdehnung der Standortsuche nach Kaufbeuren nun doch nicht ausgeschlossen sei – denn bereits vor eineinhalb Jahren hatten sich Pohl, Landrat Johann Fleschhut und OB Stefan Bosse dafür eingesetzt, dass der Hubschrauber in Kaufbeuren stationiert wird. Diese Bemühungen seien nicht von Erfolg gekrönt gewesen, obwohl – anders als in Kempten, wo für den Umzug Millionen investiert werden müssten – in Kaufbeuren bereits „perfekte infrastrukturelle Voraussetzungen“ vorhanden seien.

 Schreiben an den Zweckverband 

„Alle Argumente sprechen für Kaufbeuren“, so Pohl. Diese führt er nun in einem Schreiben an den Zweckverband noch einmal explizit an. Demnach verfüge Kaufbeuren über den höchstgelegenen Flugplatz Deutschlands, der normalerweise nebel- und hindernisfrei sei und sogar Nachtflüge ermögliche. Hangar und Tankstelle könnten kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Die Flugzeit nach Kempten betrage nur sechs Minuten, so dass sich auch die Flugzeit in das westliche Einsatzgebiet von Christoph 17 maximal um diese Zeit verlängere. An- und Abflug erfolgten über kaum besiedeltes Gebiet, so dass es kaum Störungen für Anwohner gebe. Mehrere Kliniken mit Maximalversorgung (Augsburg, Murnau, Ulm, München) seien innerhalb weniger Minuten erreichbar. Alle für den Flugbetrieb notwendigen Notärzte und Rettungsassistenten sowie Fachpflegekräfte der Intensivmedizin könnten vom Klinikum Kaufbeuren-Ostallgäu rekrutiert werden. 

Das im Zuge der damaligen Ablehnung angeführte Argument, Christoph 17 müsse in Kempten „zentral stationiert“ bleiben sieht Pohl angesichts der großen Vorteile, die Kaufbeuren biete und angesichts der minimalen Flugzeitverlängerung in das südliche und westliche Einsatzgebiet als nicht stichhaltig an. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, liegt dem Zweckverband für Rettungsdienste ein Angebot der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für einen Hubschrauber-Landeplatz auf dem Fliegerhorstareal in Kaufbeuren vor, das wohl deutlich günstiger ausfallen dürfte, als die bisherigen Pläne. Darüber hinaus laufen Untersuchungen, inwieweit sich die Rettungseinsätze des Hubschraubers im Einsatzgebiet verteilen. Dies könnte unter Umständen auch für eine Verlegung des Standortes nach Kaufbeuren sprechen, für den sich die Stadt und der Landkreis seit Jahren einsetzen. von mm/kl

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