Kinokritik: "Ant-Man"

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Es kommt (nicht) immer auf die Größe an!

Iron Man, Hulk, Captain America und Co. sind bekannte Größen aus dem Marvel-Universum und schützen als Avengers die Menschheit vor den bösen Widersachern. „Groß, größer bis überdimensional“ scheint die Divise in den letzten Jahren gelautet zu haben, wenn sich die Superhelden in den Featurefilmen mit ihren übermenschlichen Kräften überbieten durften.

Mit „Ant-Man“ wagt Marvel jedoch den Schritt in die andere Richtung. Denn dieses Mal ist der Superheld klitzeklein und vermag dennoch etwas Großes zu verrichten.

Inhalt 

Einst gelang Wissenschaftler Dr. Hank Pym (Michael Douglas) eine bahnbrechende Erfindung. Mit Hilfe einer injizierten chemischen Substanz konnte er sich auf Miniaturgröße schrumpfen und dank eines selbstentwickelten Anzugs telepathische Wellen aussenden, um mit Ameisen zu kommunizieren. Aufgrund dieser Fähigkeiten wurde Pym zum Ant-Man, der an der Seite der Avengers für das Gute kämpfte. Doch mit fortschreitendem Alter ist der Wissenschaftler nicht mehr in der Lage, sein Alter Ego fortzuleben. 

Als Nachfolger rekrutiert er den talentierten Einbrecher Scott Lang (Paul Rudd), der gerade aus dem Gefängnis entlassen und auf der Suche nach einer zweiten Chance ist. Zeitgleich widmet sich Darren Cross (Corey Stoll), der neue Unternehmensführer von Pym Tech, der Waffentechnologie. Mit dem eigens kreierten „Yellowjacket“-Wespen-Anzug will er die Fähigkeiten des Ant-Mans optimieren, um Gegner blitzschnell auszuschalten. 

Hank und Scott bilden eine ungewöhnliche Allianz, um das drohende Grauen in Form von minierten Elite-Soldaten zu eliminieren. Dabei bekommen sie überraschend Hilfe von Hanks Tochter Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), die nur allzu gerne selbst die Heldenrolle einnehmen würde. 

Rezension 

Während der Ant-Man, der bereits 1962 seinen ersten Comic-Auftritt absolvierte, in den USA eine bekannte Superhelden-Figur ist, ist er den deutschen Comicfans wohl eher als Randfigur in Avengers-Abenteuern bekannt. Disney wagt den Schritt, das Ansehen des kleinsten Superhelden mit der neusten Marvel-Verfilmung aufzupolieren. Daher schließt sich das Abenteuer der Drehbuchautoren Edgar Wright („Shaun of the Dead“) und Joe Cornish („Attack the Block“) nahtlos an das Superhelden-Universum. 

Im Fokus des humorvollen Comic-Abenteuers stehen die winzig kleinen Ameisen, die in großer Zahl auf engstem Raum leben und einander versorgen. Mit beeindruckenden Animationen wird bebildert, dass eine einzelne Ameise kaum etwas zu bewegen vermag, jedoch in der Gemeinschaft Großes bewirken kann. „Ant-Man“ zeigt aus einer unbekannten Perspektive das Verhalten der Ameisen, die sich wie Soldaten zusammenrotten und ihrem Herrn Folge leisten. 

In ausreichend großer Zahl eilen sie Scott zur Hilfe, um ihn vor Feinden zu schützen oder ihn über weite Strecken durch die Luft oder über den Landweg zu befördern. Dabei beschränkt sich Disney nicht nur auf die Darstellung einer Ameisenart, sondern wechselt gleich zwischen verschiedenen Arten hin und her. 

Humorvoll werden Scotts erste Fehlversuche im Umgang mit den neuen Fähigkeiten in Szene gesetzt. Nur langsam gelingt es ihm durch die Hilfe seiner Freunde, die Fähigkeiten zu kontrollieren und für seine waghalsige Mission einzusetzen. Im Laufe des Films etabliert sich Scott als miniaturisierter Held, der sich sogar mit einem Avenger-Mitglied anlegt, wodurch der obligatorische Hinweis zu den anderen Helden und Filmen des Universums erbracht wird. 

Aber nicht nur jene Szene ist amüsant bebildert. Der ganze Film zeugt von einem ausgelassenen Humor, nicht zuletzt, weil sich die Figuren selbst nicht besonders ernst nehmen, sondern sich vielmehr mit Spaß an der Freude der Rettung der Welt widmen. 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Marvel-Verfilmungen beschränkt sich die Rettung der Welt jedoch diesmal nur auf ein Kinderzimmer, in dem lediglich Spielzeuge zu Bruch gehen. Am Rande widmet sich der Film humanen Themen wie Familie und der Verantwortung von Eltern gegenüber ihren Kindern, wodurch die realen Beweggründe des Helden immer wieder verdeutlicht werden. 

Regisseur Peyton Reed („Trennung mit Hindernissen“) vereint in seinem Film die bekannte Superhelden-Manier mit bildgewaltigen Animationen zu spannenden Bildern. Für den Look zeichnen sich unter anderem Kameramann Russell Carpender („Titanic“) und Special Effect Supervisor Dan Sudik („Marvel’s The Avengers“) verantwortlich. Aber nicht nur der Look, sondern auch die Darsteller gefallen. 

Paul Rudd („Trauzeuge gesucht!“) schlägt sich als Ant-Man erstaunlich gut. Mit einer gewissen Coolness nimmt er seine Berufung an, um sein Leben in die richtige Bahn zu führen und dadurch den Kontakt zu seiner Tochter zu gewährleisten. An seiner Seite verkörpert Michael Douglas („Wall Street“, „Liberace“) mit viel Esprit den Wissenschaftler Hank Pym, der dem Ant-Man als Mentor dient. Evangeline Lilly („Lost“) kann als schöne Tochter nur den Rand schmücken. 

Zu erwarten ist, dass sie in einem späteren Teil des Franchise die Chance bekommt, sich ebenfalls als Heldin zu erweisen. Corey Stoll („Das Bourne Vermächtnis“) als rücksichtslose Gegner sowie Michael Peña („American Hustle“) als etwas tollpatschiger Krimineller sorgen für lohnenswerte Momente, die der Story eine gewisse Eigenheit verleihen. 

Regisseur Peyton Reed etabliert mit „Ant-Man“ einen sympathischen Helden mit Schwächen und Stärken, der den Zuschauer an die Hand nimmt und die Welt der Insekten erforscht. Mit Charme und Witz führt er das Marvel-Universum fort und präsentiert dem Publikum humorvolles Popcorn-Kino.

von Sandy Kolbuch

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