Stadt Marktoberdorf und Landwirte werben bei Hundehalten für mehr Verständnis

Wo Hundekot zur Gefahr wird

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Was viele Hundehalter nicht wissen, ist die Tatsache, dass im „Geschäft“ der Vierbeiner, trotz regelmäßiger Entwurmung, ein für die Mutterkühe gefährlicher Parasit lebt, der inzwischen eine hohe Resistenz entwickeln konnte.

Marktoberdorf – „Auf bewirtschafteten Wiesen ist Hundekot extrem unhygienisch und kann bei Mutterkühen zu Fehlgeburten führen“. Darin sind sich die Experten einig. Dieses für die Landwirte wichtige Thema brachte Martin Kobold – selbst Rinderbauer – auf einer Bürgerversammlung im Herbst letzten Jahres zur Sprache.

Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell versprach damals, sich des Themas anzunehmen. Am vergangenen Montag traf sich Hell nun im Rathaus Markt­oberdorf mit dem Tiermediziner Dr. Joseph Meisner, dem Landwirt Martin Kobold sowie Pressevertretern zu einem Informationsgespräch.

Laut Hell hat die Stadt Markt­oberdorf in den letzten Jahren 29 Hundestationen im Zentrum, aber auch in den einzelnen Stadtteilen für die Entsorgung der Hundeausscheidungen aufgestellt. „Die Kosten für Reinigung und Pflege sind nicht unerheblich und werden von den Steuereinnahmen der circa 600 gemeldeten Hunden nicht ganz gedeckt“, berichtete der Bürgermeister.

Das große Problem sind nach Angaben von Landwirt Kobold die Exkremente sowie die mit Hundekot gefüllten Plastiktüten, die im Umland auf den Futterwiesen lägen und sich beim Mähen im Futtergras verteilten und dann Teil der Nahrungskette für den Menschen würden.

Was viele Hundehalter nicht wissen, ist die Tatsache, dass im „Geschäft“ der Vierbeiner, trotz regelmäßiger Entwurmung, ein für die Mutterkühe gefährlicher Parasit lebt, der inzwischen eine hohe Resistenz entwickeln konnte.

Nach Aussage von Tiermediziner Dr. Meisner sei der Neospora caninum ein einzelliger Parasit, der als Abortursache (Verwerfens­ursache) beim Rind in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit bekam, da durch den Verlust eines werdenden Kalbes, den Landwirten auch erheblicher finanzieller Schaden entstünde.

Das Problem verschärfen würden auch die um Marktoberdorf entstandenen Parkplätze, an denen auch fremde Hundehalter mit ihren Tieren pausieren, so die Experten.

Nach Aussage des Bürgermeisters sei das Problem, auch unter Berücksichtigung finanzieller Aspekte, nur schwer zu lösen.

„Der Ansatz für die Zukunft muss eine weitere Sensibilisierung der Bevölkerung und natürlich der Hundebesitzer sein und mit der Veröffentlichung der Inhalte des Informationsgespräches ist ja schon ein erster Schritt getan“, so Hell. Die Beteiligten der Gesprächsrunde seien zudem zuversichtlich, dass durch weitere Aufklärung das Verständnis der Hundeliebhaber für die Sorgen der Landwirte größer würde und damit eine Verringerung der Verunreinigung von bewirtschafteten Wiesen erreichbar sei.

von Jürgen Wischhöfer

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