Interview mit Comedian Bülent Ceylan, der mit „Verpiss dich, Schneewittchen“ sein Kinodebüt gibt

„Ich bin so erzogen”

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„Bei mir herrscht Harmonie“, sagt Comedian Bülent Ceylan im Interview mit KB-Redakteurin Sandy Kolbuch.

Mit seiner Hauptrolle in der Komödie „Verpiss dich, Schneewittchen!“ gibt Bülent Ceylan nun sein großes Kinodebüt. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf das Allroundtalent im Interview.

Bülent Ceylan (*1976), Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter, präsentierte schon auf Schulfesten Parodien von Prominenten. Nach Praktika beim Musiksender VIVA und beim Radiosender RPR1, lieferte er Comedy-Beiträge in der „Morningshow“. Nach der Reihe „Bülents Comedy Club“ stand der Mannheimer mit seiner ersten „Late Night Comedy“ auf der Bühne. Im September 2009 strahlte RTL die Aufzeichnung von „Bülent Ceylan live!” aus. Einen Monat später feierte das neue Programm „Ganz schön turbülent“ Premiere. Seit 2017 produziert Brainpool für RTL die neue Staffeln der „Bülent Ceylan Show“. Anfang 2018 startete sein neues Soloprogramm „Lassmalache”.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Constantin Film?

Ceylan: Der Oliver Berben kam 2012 auf mich zu und wollte gerne einen Film mit mir machen. Es sollte mein Film werden, sodass die Story entwickelt werden musste, was einige Jahre dauerte. Im Grunde hat es insgesamt über fünf Jahre gedauert. 2016 haben wir gedreht und jetzt startet der Film im Kino.

Hat es so lange gedauert, weil man der Schildkröte erst das Sprechen beibringen musste?

Ceylan: (lacht) genau. Wir haben lange überlegt, ob man es mit der Schildkröte wirklich macht oder ob es zu sehr Klamauk ist. Josefine Preuß war auch kritisch, ob es mit der Schildkröte funktioniert. Ich habe mir den Film jetzt angesehen und ich finde es witzig, wenn die Schildkröte im Hassan-Slang redet und Sammy mit Mannheimer Dialekt antwortet. Man könnte als Zuschauer immer noch denken, dass sich Sammy das alles nur ausdenkt. Das ist eine zusätzlich Comedy-Komponente, die noch hinzu kommt. Ich bin ganz stolz auf den Film, weil es nicht nur Klamauk ist, sondern auch Emotionen eine Rolle spielen. Man hat wirklich viel zu lachen.

Gibt es Parallelen zwischen Sammy und Bülent?

Ceylan: Ja. Es ist so, dass es für jemanden wie mich – der zum ersten Mal einen Film macht –schwer ist, eine ganz andere Rolle zu spielen. Ich möchte mit nicht mit Denzel Washington vergleichen, aber er hat auch erst später einen Bösewicht in „Training Day“ gespielt und dafür einen Oscar bekommen. Zuvor hat er immer sympathische Rollen gespielt, weil man es auch von ihm erwartet hat. Die Anfangsrollen sind (bestimmt) erst einmal an die eigene Person angelehnt. Mich kennt man als sympathischen Comedian, da wäre es jetzt blöd gewesen, jemand ganz Unsympathischen zu spielen. Ich muss ja auch hinter der Rolle stehen. Bei Sammy denkt man nicht, dass er es vom türkischen Hamam jemals auf die Bühne schafft. Es ist wichtig anfangs zu zeigen, dass er ein Loser ist. Er kann was, weiß aber nicht, wie er es nutzen soll. Das ist wie bei mir. Ich habe auch zehn Jahre gebraucht, um den Durchbruch zu schaffen. Es gab ja noch kein YouTube – ich rede schon wie mein Opa! Wir sind die Generation, die weiß, wie es ohne YouTube war. Ich bin jetzt zwanzig Jahre dabei und habe die alte Schule hinter mir – vor 20 Leuten im 600er Saal zu spielen ist schon wirklich hart. Der Film handelt davon, dass man seinen Traum niemals aufgeben sollte. Und es geht um Freundschaft, die dazu führen kann, dass jemand die Seite wechselt, wenn er merkt, dass die anderen doch cool sind. Zusammenhalt, Teamwork und die Bedeutung von Multikulti in Deutschland, das sind die Themen.

Sammy muss sein Wissen als Deutscher mit dem Nennen von Merkels zweiten Vornamen unter Beweis stellen. War das so im Drehbuch festgelegt?

Ceylan: Das witzige ist, mein Großvater hieß ja wirklich Heinrich Merkel und meine Mutter ist eine geborene Merkel. Das passte wunderbar zum Kinofilm und auch zu meinem neuen Live-Programm, wo ich den Trailer zum Film vor dem Beginn laufen lasse. Das Publikum sieht also den Gag mit Tom Gerhardt und später wird es in der Show noch einmal zum Thema. Es war so nicht geplant, aber es passt. Bei dem Namen Dorothea habe ich mich wirklich gut informiert und es war natürlich improvisiert für den Film (lacht). Komischerweise ist es ein riesiger Lacher, natürlich auch wegen Gerhardt. Ich informiere mich immer im Internet über die Personen, mit denen ich zu tun habe. Ich bin so erzogen. Für mich ist jede Person wichtig, egal ob Angela Merkel oder jemand anderes. Meine Eltern haben immer gesagt, wenn man jemand schlechter behandelt, fällt es immer auf einen zurück.

Gelingt dies auch bei einer riesigen Filmcrew?

Ceylan: Ich habe ein Namensproblem, aber ich kann mir Gesichter wahnsinnig gut merken. Bei so einer wahnsinnig großen Crew, mache ich eine Ansage: Bei mir herrscht Harmonie. Natürlich ist bei 35 Drehtagen mal einer müde oder schlecht drauf. Aber man redet dann halt mal darüber und dann kriegt man das hin. Dann sind die Drehtage halt mal länger. Wenn das mein Kinofilm ist und ich scheiße zu den Leuten bin, dann macht der Kameramann schlechte Bilder... Die Harmonie muss stimmen und das ist mir immer ganz wichtig. Man kann immer diskutieren – ich bin auch Perfektionist –, aber man muss niemanden vor anderen fertig machen. Man kann unter vier Augen reden und dabei den guten Ton bewahren.

Warst Du schon einmal das Ziel von rassistischen Anfeindungen?

Ceylan: Wenn ich was gegen Nazis oder Erdogan sage, kommt natürlich von denen auch was. Man muss seine Meinung sagen und kritisieren dürfen, aber nie unter der Gürtellinie, das ist wichtig. Wenn ich jedes Wort mir gegenüber ernst nehmen würde, wäre ich nur noch beim Anwalt. Man darf nicht alles ernst nehmen. Bei meinem Live-Programm sage ich: Es gibt alles. Facebook, Twitter... aber kennt ihr Brief? Brief ist der Hammer! (lacht)

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